Letztes Update am Di, 12.03.2019 13:15

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Prozess um mehrere 100.000 Euro Schwarzgeld in Klagenfurt vertagt



Klagenfurt (APA) - Wegen betrügerischer Krida haben sich am Dienstag eine 55-jährige Frau und ein 33-jähriger Mann vor dem Landesgericht Klagenfurt verantworten müssen. Den beiden wird vorgeworfen, in eine Schwarzgeld-Affäre in einem Kärntner Installationsunternehmen verwickelt gewesen zu sein - dabei geht es um rund 860.000 Euro, die bar kassiert und beiseitegeschafft worden sein sollen. Der Prozess wurde vertagt.

Ursprünglich hätten am Dienstag vier Angeklagte vor dem Schöffensenat unter Vorsitz von Richterin Ute Lambauer Platz nehmen sollen. Der Firmenchef konnte aber aus gesundheitlichen Gründen nicht an der Verhandlung teilgenommen, das Verfahren gegen einen weiteren Mitarbeiter der Firma wurde - ebenso wie das gegen den Firmenchef - ausgeschieden. Übrig blieben die für die Lohnverrechnung und Buchhaltung zuständige Frau und der Enkel des Firmenchefs, der auch bei der Firma gearbeitet hatte. Die Verhandlung am Dienstag war der zweite Rechtsgang: Im ersten Rechtsgang hatte es Mängel in der Urteilsausfertigung gegeben, weshalb die Causa neu verhandelt werden muss.

Staatsanwalt Helmut Jamnig erläuterte in seinem Anklagevortrag detailliert, was den beiden Angeklagten vorgeworfen wird. Die 55-Jährige war als langjährige Mitarbeiterin die „rechte Hand“ des Chefs und für Bereiche wie Lohnverrechnung und Buchhaltung zuständig. Jamnig beschrieb das „strenge Regiment“, das der Firmenchef geführt habe - die 55-Jährige war seinen Anordnungen „praktisch bedingungslos gefolgt, selbst wenn diese nicht gesetzeskonform waren“. Der 33-Jährige habe ab 2005 im Betrieb gearbeitet und sei als Nachfolger seines Großvaters als Firmenchef vorgesehen gewesen.

Spätestens ab dem Jahr 2007 habe der Firmenchef Geld aus Aufträgen beiseitegeschafft: Leistungen, die von dem Installationsunternehmen erbracht wurden, wurden den Privatkunden nicht in voller Höhe in Rechnung gestellt - der Restbetrag auf den tatsächlich verlangten Preis wurde schwarz kassiert, die Kunden brachten das Geld dann in bar in der Firma vorbei. Entweder gaben sie es dem Chef selbst oder einem seiner Mitarbeiter. Das Bargeld sei schließlich auf Sparbücher, die dem Firmenchef gehörten, eingezahlt worden. Der 55-Jährigen warf Jamnig auch vor, dass sie die Buchhaltung „frisiert“ habe: „Es hat natürlich nicht gereicht, dass man das Geld einkassiert und gesagt hat, es gibt weniger Geld. Man musste auch die Zahlen beim Materialeinkauf oder bei den Löhnen frisieren und geringere Leistungen vermerken, damit das ein stimmiges Bild ergibt.“ Das Installationsunternehmen ging schließlich im Jahr 2014 in Konkurs, es ist mittlerweile geschlossen.

Die 55-Jährige bekannte sich vor dem Schöffensenat schuldig, sie betonte aber, dass sie niemals einen Vorsatz gehabt habe, Gläubiger zu schädigen. Sie beschrieb in ihrer Einvernahme, dass die Machenschaften auch Einfluss auf die finanzielle Lage des Unternehmens gehabt hätten: „Die Liquidität war nicht mehr so da.“ Großaufträge hätten keinen Ertrag abgeworfen und kleine seien eben nicht zur Gänze in die Firma eingeflossen. Wenn das Geld in der Firma knapp geworden sei, habe der Firmenchef immer wieder Schwarzgeld von seinen Sparbüchern zugeschossen.

Nicht schuldig bekannte sich der 33-Jährige - obwohl er einräumte, „jung und dumm“ gewesen zu sein. Er habe immer wieder Kuverts mit Geld zur Weiterleitung an seinen Großvater bekommen. Dass es sich dabei um Schwarzgeld gehandelt hatte, habe er aber nie gewusst. Nur einmal habe er sich geweigert, ein Bargeldkuvert anzunehmen, woraufhin er von seinem Großvater eine Ohrfeige kassiert habe.

„Was haben Sie gedacht, was für Geld in den Kuverts ist?“, fragte Richterin Lambauer. „Vielleicht ein Darlehen, das ein Monteur zurückzahlt, ich habe keine Ahnung“, antwortete der Angeklagte. „Offensichtlich waren Sie der einzige in der Firma, der nichts von dem Schwarzgeld gewusst hat?“, bohrte Lambauer mit Verweis auf andere Zeugenaussagen nach. „Ich habe das höchstwahrscheinlich verdrängt. Außerdem war immer genug Geld da, ich habe mir nie Gedanken darüber gemacht“, sagte der 33-Jährige.

Die Verhandlung wurde vertagt, für den nächsten Verhandlungstag sollen mehrere Zeugen geladen werden.




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