Letztes Update am Di, 12.03.2019 13:27

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Post AG übernimmt DHL-Geschäft in Österreich - BWB prüft



Wien (APA) - Die Österreichische Post übernimmt den Großteil des Zustellgeschäftes der deutschen DHL in Österreich. Die Zusteller reagieren damit auf die Konkurrenz durch den US-Digitalriesen Amazon, der seit Oktober des Vorjahres ebenfalls Pakete in Wien ausliefert. Die Wettbewerbsbehörde wird den Deal genau prüfen, wie BWB-Chef Theodor Thanner am Dienstag im Gespräch mit der APA ankündigte.

Post-Chef Georg Pölzl sieht kein Wettbewerbsproblem, durch den Einstieg von Amazon würden sich die Marktanteile deutlich verschieben. Jedenfalls weit über die zwei Prozent, die das „Branchenradar“ für Amazon für das Vorjahr ausgewiesen hat. 75 Prozent des Marktes hielten 2018 die Post und DHL, wobei auf die teilstaatliche Post 47 Prozent entfielen.

Wie viel vom Paketkuchen sich der US-Konzern schnappen werde, ist aber schwer abzuschätzen, so Pölzl am Dienstag zur APA. Die Börse reagierte jedenfalls erfreut auf die heutige Ankündigung. Die Postaktie legte zu Mittag gegenüber dem Vortag um 3,25 Prozent auf 35,56 Euro je Aktie zu.

Zur Vorschau für heuer meinte Pölzl: „Der stabile Ausblick für das operative Ergebnis der Österreichischen Post im Jahr 2019 bleibt vor dem Hintergrund steigender Paketmengen, aber auch steigender Investitions- und Integrationskosten unverändert.“

Konzernmutter der DHL ist die Deutsche Post, die wie die Österreichische Post börsenotiert ist. Die Deutschen erzielten im Vorjahr einen Umsatz von 61 Mrd. Euro, die Österreichische Post brachte es auf 2 Mrd. Euro. Die Deutsche Post hatte im Vorjahr rund 28 Millionen Pakete in Österreich zugestellt. An der österreichischen Post AG hält der Staat knapp 53 Prozent. Pläne die Post weiter zu privatisieren gibt es offiziell derzeit nicht.

Die Post kündigte heute an, dass die 220 Mitarbeiter und ein Großteil der DHL-Logistik übernommen werden. DHL sprach heute in einer Pressemitteilung von einer „langfristigen Partnerschaft zur Forcierung des Paketgeschäfts“. Weitere Kooperationsmöglichkeiten im Bereich E-Commerce würden geprüft. Weiters betonten die Deutschen: „Die Vereinbarung hat keinerlei Auswirkung auf die Aktivitäten von Deutsche Post DHL Group im internationalen Expressgeschäft, beim Frachttransport und bei Supply-Chain-Lösungen in Österreich.“

Der Erste Group-Analyst Christoph Schultes meinte zu Jahresbeginn, Amazons Markteintritt könnte dazu führen, dass das deutsche Logistikunternehmen mittelfristig ungefähr drei Millionen Paketen weniger ausliefern wird. Für DHL werde es unter diesen Umständen „schwierig, wenn nicht sogar unmöglich“ profitabel zu werden. Dies könnte wiederum zu einer Wiederaufnahme der Partnerschaft mit der Österreichischen Post führen, vermutete der Wertpapierexperte bereits im Jänner.

Im Vorjahr hatte die Post AG 108 Millionen Pakete transportiert, bis 2022 sollen es 150 Millionen sein. „Mit dieser Kooperation wird ein wichtiger Schritt gesetzt dieses Ziel bereits früher zu erreichen“, so Pölzl. Ihm ist damit nach dem Rückschlag bei der Suche nach einem Finanzpartner als Ersatz für die BAWAG und der Aufregung über die Datensammlung durch die Post nun ein Coup gelungen. Zur Suche nach einem Finanzdienstleister meinte der Post-Generaldirektor heute: „Es tut sich sehr viel.“ Die Post sei in guten Verhandlungen, man komme gut voran.

Sehr zufrieden zeigte sich Pölzl mit dem gerade angelaufenen Service „Alles Post“, mit dem Onlineshopper sicherstellen können, dass die bestellten Waren nur durch die Österreichische Post zugestellt werden. 22.000 Voranmeldungen gebe es schon, wobei sich das Jahresabo als beliebter als das 3-Monats-Abo herausgestellt habe.

Beim DHL-Deal ist jetzt einmal die Wettbewerbsbehörde am Zug. Grundsätzlich wird im Kartellrecht in Österreich ab 30 Prozent Marktanteil von einer marktbeherrschenden Stellung ausgegangen. In der Vergangenheit hat die BWB bei Zusammenschlüssen mit hohen Marktanteilen Marktbefragungen durchgeführt. Dies wird auch in diesem Fall erwogen, wie Thanner sagte. Im Regelfall hat die BWB vier bis sechs Wochen Zeit für die Fusionskontrolle, besonders heikle Fällen landen vor dem Kartellgericht.

( 0317-19; Format 88 x 55 mm)

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