Letztes Update am Di, 12.03.2019 13:33

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Deutschklassen: Rund 16 Prozent verließen Klassen



Wien (APA) - Rund 1.500 bzw. 16 Prozent der 9.800 Kinder, die das Schuljahr 2018/19 in einer Deutschförderklasse begonnen haben, haben diese nach einem Semester wieder verlassen. Das zeigt eine erste Bilanz des Bildungsministeriums. Dabei fallen die Zahlen je nach Bundesland unterschiedlich aus.

Besuchen müssen die Deutschförderklassen jene Kinder, die als außerordentliche Schüler eingestuft wurden. Dort wird dann in 15 bis 20 Wochenstunden nach eigenem Lehrplan Deutsch unterrichtet - für Gegenstände wie Zeichnen, Musik oder Turnen werden die Kinder aber altersgemäß den normalen Regelklassen zugeteilt. Einschränkung: Deutschförderklassen werden erst ab acht Schülern pro Standort eingerichtet. Besuchen müssen sie außerdem nur jene Kinder, die in der ersten Schulstufe aufgenommen wurden, oder gerade in Österreich angekommene Quereinsteiger ins Schulsystem. Am Ende jedes Semesters wird dann der Sprachfortschritt überprüft und dann entschieden, ob in eine Regelklasse gewechselt werden kann.

Die vorgelegte Bilanz sagt allerdings nichts darüber aus, aus welchem Grund die Schüler die Deutschklasse verlassen haben: Möglich sind die erfolgreiche Absolvierung der Sprachüberprüfung, die Auflösung der Deutschklasse aufgrund des Umzugs von Schülern oder der Wegfall einzelner Schüler.

In Oberösterreich verließen demnach 435 (26 Prozent) der 1.657 Schüler in einer Deutschklasse diese nach einem Semester wieder. In Niederösterreich waren es demgegenüber nur knapp vier Prozent. Wien und die Steiermark liegen mit 15 bzw. 16 Prozent in etwa im Schnitt. In den anderen Bundesländern liegt die Zahl der Schüler in Deutschklassen jeweils unter 400, Prozentveränderungen sind also nicht allzu aussagekräftig.

Auffällig: In Kärnten gab Landeshauptmann und Bildungsreferent Peter Kaiser (SPÖ) bereits vor zwei Wochen bekannt, dass kein einziger Schüler durch die Sprachprüfung in eine Regelklasse wechseln konnte. Trotzdem weist die Statistik 56 „Abgänge“ aus Deutschklassen auf. Umgekehrt sind 74 Schüler neu in Deutschklassen gekommen, im Sommersemester gibt es in Kärnten aufgrund von Quereinsteigern nämlich mehr Schüler in Deutschklassen als zu Schulbeginn. In geringerem Ausmaß ist das auch in Salzburg der Fall.

Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) betonte am Dienstag bei einer Pressekonferenz, dass es nach einem Semester zu früh sei, die Wirksamkeit der Deutschförderklassen zu bewerten. Es gebe sehr große Unterschiede zwischen den Bundesländern beim Anteil an Schülern, die nach einem Semester Intensivsprachförderung in die Regelklasse wechseln konnten. „Ich kann nicht davon ausgehen, dass die Schülerinnen und Schüler in Deutschförderklassen in Oberösterreich so viel sprachbegabter sind als in Niederösterreich“, so der Minister. „Ich glaube, da hängt vieles davon ab, wie das in der Verwaltungspraxis umgesetzt wird.“

Insgesamt gibt es im Sommersemester damit nun 653 Deutschklassen, das sind um 26 weniger als zum Schulstart. Die Zahl der außerordentlichen Schüler (Schüler, die dem Unterricht wegen mangelnder Deutschkenntnisse dem Unterricht nicht folgen können, Anm.) sank von 35.300 Kindern um rund 2.700 bzw. acht Prozent.




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