Letztes Update am Di, 12.03.2019 13:39

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Slowakischer Erzbischof macht Stimmung gegen liberale Wahlfavoritin



Bratislava (APA) - In den eskalierenden Wahlkampf vor den Präsidentschaftswahlen in der Slowakei am kommenden Samstag hat sich nun auch der katholische Erzbischof von Trnava, Jan Orosch, eingeschaltet. Geistliche, die Präsidentschaftskandidaten mit liberalen Ansichten unterstützen, erklärte er vor Gläubigen zu Sündern, wie am Dienstag die slowakische Tageszeitung Pravda berichtete.

Seine letzte Sonntagspredigt in der Kathedrale von Trnava hatte Orosch nahezu komplett dem nahenden Urnengang gewidmet. Dabei mahnte er, Gläubige dürfen sich nicht „manipulieren lassen“ um Kandidaten zu wählen, die Abtreibungen und homosexuelle Ehen unterstützen oder Kinderadoptionen durch homosexuelle Paare oder Euthanasie zustimmen würden. Leider müsse er aber feststellen, dass sich auch Geistliche solchen liberalen Ansichten anschließen, beklagte der Erzbischof. Sich im Fernsehen hinzustellen und die Kandidatin einer „ultraliberalen Partei“ als Präsidentin zu propagieren sei eine „schwere Sünde“, meinte er.

Zwar nannte Orosch keine Namen, es war jedoch klar ersichtlich, dass seine Kritik auf die liberale Wahlfavoritin Zuzana Caputova sowie ihrem bekannten Vorgänger im Posten, Robert Bezak, der sie im Wahlkampf öffentlich unterstützt hatte, abzielte. Sowohl Caputova wie auch Bezak lehnten Oroschs Kommentar ab. Der Erzbischof würde die Gesellschaft nicht vereinen, sondern nur weiter spalten, erklärte Caputova.

Die 45-jährige Wahlfavoritin ist Vizechefin und Präsidentschaftskandidatin der Progressiven Slowakei (PS), einer neugegründeten liberalen Partei, die derzeit noch nicht im Parlament vertreten ist. Im Wahlkampf hatte sie eingeschriebene Partnerschaften für Homosexuelle nicht abgelehnt.

Nicht zum ersten Mal greifen vorrangige Kirchenvertreter in den slowakischen Wahlkampf ein. Zu ähnlichen verbalen Attacken ist es schon bei der misslungenen Präsidentschaftskandidatur der späteren Ministerpräsidentin Iveta Radicova 2009 gekommen. Ob die aktuelle Stellungnahme von Orosch der liberalen Caputova bei der Abstimmung schaden wird, ist schwer abzuschätzen. Weite Teile der Slowakei sind sehr gläubig und konservativ.




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