Letztes Update am Di, 12.03.2019 14:30

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


VW-Chef: Harter Brexit bedroht Bentley



Wolfsburg (APA/Reuters/dpa) - Ein harter Brexit würde der schwächelnden britischen Volkswagen-Luxusmarke Bentley VW-Chef Herbert Diess zufolge stark zusetzen. „Das wäre die größte Bedrohung für Bentley“, sagte Diess dem Nachrichtensender n-tv am Dienstag. Bentley habe ein großes Werk in Großbritannien. Die Produktion kurzfristig in größerem Maßstab zu verlagern, sei nicht möglich.

„Die Bedrohung ist dann eher, wenn Bentley große Märkte verlieren würde aus der Isolierung heraus. Dann müsste man sich größere Strukturierungen vorstellen und vielleicht Neuinvestitionen in anderen Ländern planen“, ergänzte er dem Sender zufolge.

Bentley machte im vergangenen Jahr operativ 288 Millionen Euro Verlust, was laut VW vor allem am verzögerten Anlauf des neuen Modells Continental GT und Wechselkurseffekten lag. Der Absatz sank um fünf Prozent auf knapp 10.500 Fahrzeuge. Bentley-Chef Adrian Hallmark hatte im Jänner erklärt, bei einem harten Brexit werde es womöglich nicht gelingen, heuer wieder schwarze Zahlen zu schreiben.

Auch wegen der großen Marktanteile der Konzernmarken Volkswagen, Audi und Porsche sei der EU-Austritt Großbritanniens ein großes Thema, erklärte Diess gegenüber n-tv weiter. Die Folgen eines harten Brexit würde zudem die gesamte Wirtschaft spüren, weil Großbritannien einer wichtiger Handelspartner, vor allem im Automobilbereich sei.

VW will noch heuer über eine Partnerschaft mit anderen Herstellern für selbstfahrende Autos entscheiden. „Wir sind in Gesprächen mit Ford, wir hatten auch Gesprächsrunden in der deutschen Automobilindustrie“, sagte VW-Chef Herbert Diess am Dienstag in Wolfsburg. „Wir werden dazu noch in diesem Jahr eine Entscheidung treffen.“ Partnerschaften seien im Hinblick auf die Kosten sinnvoll, weil zur Entwicklung der Technologie noch Aufwendungen in hohem einstelligem Milliardenbereich notwendig seien. In Kontakt habe Volkswagen auch mit dem Google-Unternehmen für autonomes Fahren Waymo gestanden. Doch habe VW nicht die Absicht, einen Anteil daran zu erwerben.

Diess zufolge ist es aber noch ein weiter Weg, bis das autonome Fahren sicher genug ist, um für den Straßenverkehr genehmigt zu werden. „Die Euphorie, die wir noch vor einigen Monaten zu dem Thema hatten, hat sich deutlich abgekühlt.“ Es gebe noch nicht die Sicherheit, die notwendig sei, um solche Systeme der Menschheit guten Gewissens übergeben zu können. Die anderen beiden großen deutschen Hersteller Daimler und BMW kündigten bereits eine Kooperation bei der Entwicklung selbst fahrender Autos aus.

Mit Blick auf die Umwälzung bei den Antrieben in der Autoindustrie plädierte Diess dafür, sich in den kommenden Jahren allein auf batteriebetriebene Elektro-Motoren zu konzentrieren, weil diese effizienter als andere alternative Antriebe wie Brennstoffzellen oder synthetische Kraftstoffe seien. „Wir brauchen jetzt eine Festlegung, die Diskussion zu Technologieoffenheit hilft uns nicht weiter“, sagte Diess. Von der Politik forderte er Unterstützung beim Aufbau der Ladeinfrastruktur und steuerliche Anreize für CO2-freie Mobilität.

Der Umschwung von Verbrenner- zu Elektromotoren gehe mit Personalabbau einher, weil der Arbeitsaufwand für die E-Antriebe 30 Prozent geringer sei als für Diesel- oder Benzinmotoren. Volkswagen gehe weiter davon aus, ohne betriebsbedingte Kündigungen auszukommen und die Zahl der Stellen über Fluktuation und Altersteilzeit zu reduzieren. „Bisher sieht es so aus, dass der Strukturwandel beherrschbar ist, wenn man ihn früh genug angeht - und wir gehen ihn früh genug an“, sagte Diess. Mit Betriebsratschef Bernd Osterloh wolle er trotz harter Diskussion hierzu konstruktive Lösungen finden. Zuletzt hatte Kritik von Wolfgang Porsche, dem Repräsentanten des VW-Großaktionärs Porsche SE, an der Macht des Betriebsrats bei Volkswagen für Ärger gesorgt

Zu einem Börsengang der Lkw-Tochter Traton will sich der Autobauer in den kommenden Tagen festlegen. „Über den Börsengang entscheiden wir in absehbarer Zeit“, sagte Diess laut Redetext. Es müssten aber auch die Bedingungen an den Geld- und Kapitalmärkten stimmen.

„Das wägen wir ab und bewerten es in den nächsten Tagen“, so Diess. Gemeinhin wird mit einem baldigen Gang an die Börse gerechnet. Traton besteht aus den VW-Töchtern MAN und Scania sowie der brasilianischen Nutzfahrzeugtochter. VW könnte laut Medienberichten bis zu ein Viertel von Traton an die Börse bringen und damit rund 6 Milliarden Euro erlösen.

~ ISIN DE0007664039 WEB http://www.volkswagenag.com ~ APA376 2019-03-12/14:25




Kommentieren