Letztes Update am Mi, 13.03.2019 09:58

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Elina Garanca - Wien-Gastspiel zwischen Traumrolle und Schulstress



Wien (APA) - Elina Garanca ist derzeit als Santuzza in der Oper „Cavalleria Rusticana“ von Pietro Mascagni in der Wiener Staatsoper zu sehen. Mit der APA sprach die Mezzosopranistin über die Traumrolle, die Wichtigkeit von strategischem Denken, Homeschooling-Stress in Garderoben - und darüber, dass es neben „der Garanca“ auch eine schüchterne „Elina“ gibt.

Dass Garanca als Santuzza zu sehen ist, ist - wie so vieles in der Karriere der Mezzosopranistin - kein Zufall. „Es ist als Sängerin wichtig, über viele Jahre hinweg strategisch zu denken“, sagt Garanca. Vor der Geburt ihrer zweiten Tochter im Jänner 2014 beschloss die Starsängerin etwa, die „Hosenrollen“ endgültig abzulegen und in Richtung Dramatik zu gehen, sofern es ihre Stimme erlaube. „Ich ging Schritt für Schritt vor ohne Hektik, verbesserte immer wieder meine Schwächen“, so Garanca. Denn trotz ihrer Klasse war es nicht selbstverständlich, dass sie auch im dramatischen Fach reüssieren würde. Eine ihrer angestrebten Traumrollen war damals eben die leidenschaftliche Santuzza, mit der sie am Montag ihr Wien-Debüt gegeben hat.

Auch wenn Garanca auf der Bühne weiterhin ganz Diva ist, ist ihr Privatleben inzwischen vor allem durch ihr Familienleben bestimmt - besonders nach der Geburt ihres zweiten Kindes. „Zwei Kinder sind wieder etwas ganz anderes als eines“, sagt die Sängerin. Ihr Alltag erinnert daher an den einer normalen Mutter, wenn natürlich auch in einer etwas anderen Liga. „Mein Mann (der Dirigent Karel Mark Chichon, Anm.) und ich sind beide viel unterwegs. Wir müssen klären, wer wann auf die Kinder aufpasst, wann wir gemeinsam Zeit verbringen können und ob die Schwiegermutter Zeit hat“, erzählte sie.

Mit dem Schuleinstieg ihrer älteren Tochter steht auch noch Lernen an. „Sie geht auf eine Privatschule, die wirklich große Rücksicht auf uns nimmt. Wir können sie sogar auf Reisen mitnehmen“, sagte Garanca. Den Stoff muss die Schülerin aber natürlich trotzdem beherrschen. „Ich lerne mit ihr im Hotel, in der Garderobe - überall“, so die Mezzosopranistin.

Aber auch Abseits ihrer Mutterrolle ist die Sängerin nicht immer die selbstbewusste Diva, für die sie so oft gehalten wird. Trotz ihrer langen Karriere plagen sie immer noch Selbstzweifel und Lampenfieber. „Und wenn ich auf der Straße angesprochen werde, dann werde ich oft wirklich rot“, erzählte sie. Neben „der Garanca“ gäbe es auch eine „schüchterne Elina“, die nicht ganz so glamourös ist. So lässt sich die Diva Garanca gerne auf der Bühne feiern, während Elina dann im Hotelzimmer sitzt, fernsieht und Popcorn isst.

Neben den aktuellen Produktionen und Album-Aufnahmen hat Garanca auch ihre 2013 erschienene Biografie „Wirklich wichtig sind die Schuhe“ in erweiterter Fassung unter dem Namen „Zwischen den Welten“ (Ecowin) neu bearbeitet. Dies war unter anderem notwendig, da das Buch auch in englischer Sprache erscheinen soll. Darin macht sich die Diva auch Gedanken über ein Aufhören nach ihrem 30-Bühnenjubiläum. „Ich habe stets gesagt, dass ich bis 52 singen werde“, so Garanca. Davor steht in Wien aber eine absolute Traumrolle an: Der designierte Staatsoperndirektor Bogdan Roscic habe ihr für 2021 das Rollendebüt als Kundry in Richard Wagners „Parfsifal“ angeboten.

Nach ihrer Bühnenkarriere will Garanca vor allem ein Projekt ihrer Nachwuchsinitiative „ZukunftsStimmen“, bei der junge Sänger entdeckt und gefördert werden, weiter voran treiben. Heuer gewann das Vorsingen übrigens der erst 22-jährige Bass-Bariton Alexander Grassauer. „Viele haben keine Ahnung von der Branche. Ich möchte, dass sie sich vorstellen, wo sie in 20 Jahren sein wollen und dann strategisch darauf hinarbeiten“, so Garanca. Und noch etwas steht laut Autobiografie an: „Zu meinem Mann sage ich oft im Scherz, wenn die besten Jahre vorbei sind, dann bist Du dran“.

(S E R V I C E - „Cavalleria Rusticana“ von Pietro Mascagni mit Elina Garana: Weitere Vorstellungen am 15., 18. und 23. März. Die Vorstellung am 23. März wird mit auch live in HD gestreamt: www.staatsoperlive.com. www.wiener-staatsoper.at)




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