Letztes Update am Mi, 13.03.2019 10:21

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Branford Marsalis: Entspannt und brillant im Konzerthaus



Wien (APA) - Wer Marsalis sagt, muss auch Branford sagen, nicht nur Wynton - einmal mehr hat der ältere der beiden, eben Star-Saxofonist Branford, Dienstagabend im Wiener Konzerthaus mit seinem Quartett bewiesen, dass er musikalisch seinem Superstar-Trompeten-Bruder Wynton um keine 32stel-Note nachsteht, demselben an Sympathie aber wohl gleich um ein paar Takte voraus ist.

Das Branford Marsalis Quartet hat gerade sein neues - und erneut großartiges - Album „The Secret Between The Shadow and The Soul“ veröffentlicht. Live klingen die Stücke um eine deutliche Prise frischer, emotionaler und mitreißender - das liegt natürlich vor allem daran, dass dieses Quartett neben Branford himself drei weitere Jazzmusiker der Extraklasse vereint: den flinken Joey Calderazzo am Piano, den mal feintönenden, mal erdigen Eric Ravis am Bass und last, but not least Ausnahme-Drummer Justin Faulkner.

Marsalis selbst verdrückt sich nach seinen Parts häufig in den Bühnenhintergrund, überlässt den anderen - häufig Calderazzo - das Rampenlicht. Aber wenn der Saxofonist an der Rampe ist, dann brilliert er mit Präsenz, oft mit Power unmittelbar gefolgt von feinfühliger Eleganz. Branford wechselt häufig zwischen Sopran- und Tenorsaxofon - das „Sopran“ für die eindrücklichen lyrischen Stücke, das „Tenor“ überwiegend für atemberaubende Jagden nach Geschwindigkeitsrekorden.

Nicht immer reißen die langen Passagen akrobatischer Tonfolgen das gesamte Publikum mit - offensichtlich ist Marsalis bisweilen schneller an den Klappen als die Synapsen des Publikums bei der Melodieverarbeitung. Ganz große Ausnahme: das exstatisch gesteigerte „The Windup“ vom aktuellen Album am Ende des Hauptsets - intensiver, schneller, eindrucksvoller dürfte es im Jazz wohl kaum mehr gehen.

Eines hat der Abend auch gezeigt: Man kann offensichtlich nicht aus einer Musiker-Dynastie aus News Orleans stammen, ohne zumindest eine Nummer von Louis Armstrong im Liveprogramm zu haben. Im gegenständlichen Fall war das nette „Sunny Side of the Street“, das Marsalis & Co. ironisierend bis an die Grenze zur liebevollen Parodie ausreizten. Als Höhepunkt der Zugaben gab es dagegen einen ganz anderen Klassiker in eindrucksvollster Interpretation: Duke Ellingtons „It Don‘t Mean A Thing (If It Aint Got That Swing)“. Dem ist nichts hinzuzufügen.




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