Letztes Update am Mi, 13.03.2019 12:06

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Verbund verdoppelt Investitionen - Auch Ausbau der Wasserkraft



Wien (APA) - Der börsennotierte Verbund-Stromkonzern verdoppelt seine Investitionen für den Drei-Jahres-Zeitraum 2019-21. Rund ein Drittel der geplanten knapp 2 Mrd. Euro soll dabei in den Ausbau der Wasserkraft fließen, fast die Hälfte in den Netzausbau, hieß es am Mittwoch im Bilanzpressegespräch. In den Jahren 2016 bis 2018 hatte der Verbund insgesamt 1 Mrd. Euro investiert.

In der Wasserkraft nimmt der Verbund Effizienzsteigerungen bestehender Kraftwerke vor, verfolgt aber auch den Bau neuer Anlagen. Insgesamt könne aus der Wasserkraft-Projektpipeline ein Erzeugungsvolumen von zusätzlich 500 Gigawattstunden (GWh) abgeleitet werden, sagte Generaldirektor Wolfgang Anzengruber: „Ohne Wasserkraft liegt Österreich bei den Erneuerbaren am Boden“, meinte Anzengruber. In Österreich kämen 50 bis 60 Prozent des Stroms aus dieser Erzeugungsart.

2018 erzeugte der Verbund 29.518 GWh aus erneuerbaren Energien, trockenheitsbedingt etwas weniger als 2017 (30.639 GWh). Der Erzeugungskoeffizient der Laufkraftwerke sank von 0,99 auf 0,94. Die schlechte Wasserführung im zweiten Halbjahr habe zu „massiven Einbußen in der Stromerzeugung“ geführt, so Anzengruber. Die Windkrafterzeugung sank auf 834 (952) GWh.

Bis 2021 will der Verbund mehr als 600 Mio. Euro in den Hydro-Bereich investieren, mehr als 900 Mio. Euro in die Netze. „Wir können uns das leisten“, sagte Finanzvorstand Peter Kollmann unter Hinweis insbesondere auf den Free Cashflow, der 2018 mit 415 Mio. Euro etwa auf Vorjahresniveau gelegen ist. Diese „transparente Zahl“ sei der „Treibstoff“, der Investitionen, den Abbau von Schulden und eine Verbesserung der Kapitalstruktur ermögliche. Die Nettoschulden verringerte der Verbund voriges Jahr weiter auf 2,56 (2,84) Mrd. Euro - oder etwa das Dreifache des EBITDA -, 2016 hatten sie noch 3,22 Mrd. Euro betragen. In Sachanlagen wurden voriges Jahr 293 Mio. Euro investiert, nach 231 und 255 Mio. Euro in den beiden Jahren davor.

Bei den „neuen Erneuerbaren“ will der Verbund von den Mengen, die bis 2030 in Österreich dazukommen, einen Anteil von 20 bis 25 Prozent stellen, kündigte Anzengruber an. Bei Windkraft verfügt man über 153 Anlagen mit 418 MW Gesamtleistung (davon 44 mit 106 MW in Österreich, 88 mit 226 MW in Rumänien, die restlichen 21 Anlagen mit 86 MW in Deutschland.

„Noch stärker engagieren“ will sich der Konzern laut Anzengruber bei PV-Strom für Privatkunden. Aktuell gebe es hier 4.500 Photovoltaik-Anlagen mit rund 340.000 m2 Modulfläche und rund 34 MW (34.000 kWp) installierter Leistung; die Aktivitäten laufen hier über die 50-Prozent-Tochter Solavolta. Auch bei PV-Strom für Businesskunden wolle man „stärker tätig werden“, kündigte Anzengruber an, etwa bei Gemeinschaftsanlagen für die Industrie. Die Möglichkeit von PV-Strom aus nicht agrarisch genutzten Freiflächenanlagen sollte - inklusive einer Förderung - im geplanten neuen Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG 2020) einen Niederschlag finden, wünscht sich der Verbund-Chef.

Die letzte Kohlenutzung des Verbund - im Fernheizkraftwerk Mellach in der Steiermark (mit 246 MW Leistung) soll mit Ende der Heizsaison 2019/20 beendet werden, sagte Anzengruber. Derzeit wird dort Fernwärme für den Großraum Graz erzeugt.

Das Gas-Kombi-Kraftwerk Mellach mit 838 MW Leistung setzt der Verbund zur Stromnetz-Stabilisierung ein, dafür gibt es auch finanzielle Abgeltungen. Insgesamt verringerte der Verbund die Wärmekraft-Erzeugung 2018 um 28 Prozent oder um 615 auf 1.611 GWh. Dabei produzierte das Gas-Kombi-Kraftwerk durch einen geringeren Einsatz fürs Engpassmanagement mit 915 GWh um 550 GWh weniger Strom (-38 Prozent), das Steinkohlekraftwerk mit 696 GWh um 65 GWh weniger Fernwärme (-14 Prozent).

Mellach wird vom Verbund außerdem zu einem Standort für Zukunftstechnologien entwickelt. Einerseits werden Großbatterien speziell für die E-Mobilität getestet, zudem wird direkt beim Gaskraftwerk ein Hochtemperatur-Elektrolyse-Pilotprojekt mit der TU Graz zur zukunftsträchtigen Wasserstoff-Technologie verfolgt, wie Anzengruber sagte.

Der Netzausbau sei für die Versorgungssicherheit notwendig, betonte der Verbund-Chef. Die Tochter Austrian Power Grid (APG) ist „der“ unabhängige Übertragungsnetzbetreiber in Österreich. Auf diesen 3.400 km Leitung wurden voriges Jahr 47.149 GWh Strom transportiert, rund 70 Prozent des heimischen Strombedarfs. Allerdings setzt gerade die vermehrte Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien das Netz starken Belastungen aus. 2018 musste die APG an 277 Tagen stabilisierend eingreifen, nach 301 Tage 2017. Die Redispatch-Mengen seien dabei mit 3,5 (4,6) GWh erheblich gewesen, so Anzengruber. Auch habe für 3.890 (5.678) Stunden der Börse-Intraday-Handel wegen drohender Engpässe gestoppt werden müssen. Es gebe also noch „keine Entwarnung für die Zukunft“. Eine 100-prozentige Grünstrom-Versorgung in Österreich werde es ohne Netzausbau nicht geben. Immerhin werde künftig rund die Hälfte der Strommenge vom Sommer in den Winter „geschoben“ werden müssen, auch mit Speichern.

Über die kürzlich erfolgte gerichtliche Freigabe für die 380-kV-Salzburgleitung in zweiter Instanz freut sich Anzengruber, doch gebe es noch eine Einspruchsfrist. Man erhoffe aber für Mitte 2019 die endgültige Freigabe. „Falls wir im Sommer den Baubeschluss fassen können, könnten wir Ende 2019 mit der Bauvorbereitung beginnen“, sagte Anzengruber. Die Bauzeit werde dann drei Jahre betragen. Der Verbund-Chef erinnerte daran, dass allein das Genehmigungsverfahren 77 Monate gedauert hat.

( 0320-19, 88 x 66 mm)

~ ISIN AT0000746409 WEB http://www.verbund.com ~ APA233 2019-03-13/12:01




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