Letztes Update am Mi, 13.03.2019 14:01

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


RBI hat auch Ukraine-Verluste wettgemacht - Kaufobjekte am Radar



Wien (APA) - Bei der Raiffeisen Bank International (RBI) läuft es, was Geschäftsgang, Kreditqualitäten und Kapital betrifft, wieder rund. Für Bankchef Johann Strobl hat das Jahr 2018 ein „wirklich tolles Ergebnis“ gebracht. Er weist 1,27 Mrd. Euro Konzerngewinn aus und zahlt im Juni 93 Cent Dividende pro Aktie, um die Hälfte mehr als für 2017. Auch die 2014 und 2015 angehäuften Ukraine-Verluste sind abgebaut.

Nach dem Verkauf der Polen-Banktochter vorigen Herbst ist der Konzernumbau erledigt. In relevanten Märkten will sich die Bank nach langer Zeit wieder mit Zukäufen stärken. Neben organischem Wachstum spricht der Vorstand dezidiert von Akquisitionen von Portfolios oder kleinen Banken, wenn der Preis und das Umfeld stimmen. Auf dem Radar hätte Raiffeisen u.a. eine kleine Bank in Serbien (Komercijalna): Hier wird, wie es am Mittwoch bei der Jahrespressekonferenz in Wien hieß, zumindest die öffentliche und halböffentliche Diskussion um die Privatisierung verfolgt. Ein Verkaufsprozess für die serbische Bank ist bisher aber nicht eingeleitet.

In einigen Ländern der Region Zentral/Ost/Südosteuropa finde derzeit eine Konsolidierung des Bankensektors statt, an der sich die RBI aktiv beteiligen wolle. Besonders interessant seien Tschechien, die Slowakei, Bulgarien und eben auch Serbien. „Das bedeutet aber nicht, dass wir nicht auch in anderen Ländern wachsen möchten“, fügt die RBI im Jahresbericht hinzu.

Für das Jahr 2017 hatte die RBI ihre Dividendenzahlungen wieder aufgenommen, für 2018 wird nun die Hälfte mehr ausgeschüttet. Die faulen Kredite wurden signifikant zurückgefahren. Ende 2018 lag deren Quote an den Gesamtkrediten bei 3,8 Prozent, und 2019 sei weiter Raum nach unten. Im Jahr 2015 waren es noch 12 Prozent gewesen. Die Kapitalpolster wurden gestärkt. „Das Kapital war viele Jahre Thema. Dieses Thema ist gelöst“, sagt Strobl.

Ende 2018 wies die Bank ein hartes Kernkapital von 13,4 Prozent aus, wobei der Verkauf des Polen-Kernbankgeschäfts im vierten Quartal 85 Basispunkte beisteuerte.

Wären da nicht in einem Recherchenetzwerk verbreitete angebliche Verwicklungen in Zahlungsströme zwischen 2003 und 2015, die in einer eigenen Task Force nun noch einmal überprüft werden und die in den vergangenen Tagen einiges an Börsenkurs gekostet haben, hätte der Bankvorstand seine Bilanzpräsentation am Mittwoch richtig feiern können. Im Zentrum der Vorwürfe steht die pleitegegangene litauische Ukio Bank, über die russisches Schwarzgeld in den Westen geflossen und neben etlichen anderen West-Banken auch auf Konten von Raiffeisen gelandet sein soll. Strobl: „Wir sind überzeugt, dass wir kein strafbares Verhalten gesetzt haben. Deswegen erwarten wir auch keine Strafe.“ Rückstellungen gibt es dafür nicht. Auf Basis des aktuellen Informationsstandes erwartet Finanzvorstand Martin Grüll auch keine Belastungen.

Ob und wie viel Rückstellungen wegen der neuen rumänischen Bankensteuer nötig sind, die bisher nur per Notverordnung installiert ist, sollte in zwei Wochen klarer sein. Sollte es bei der ursprünglichen Steuerbasis bleiben (Bilanzsumme, mit Bindung an den aktuellen Interbankenkurs), könnte dies Raiffeisen in Rumänien im Gesamtjahr zwischen 80 und 90 Mio. Euro kosten. Zum Vergleich: 2018 lag der Jahresgewinn der Rumänien-Tochter bei 193 Mio. Euro.

Nun sind in Rumänien für diese Steuer aber zumindest diverse Abzugsposten (Staatsanleihen, EBRD-Finanzierungen) im Gespräch. Auch eine Verschiebung steht immer wieder im Raum. Raiffeisen hätte es am liebsten, würde die Steuer ganz vom Tisch kommen. Mit Blick auf diese neue Sondersteuer sprach der RBI-Vorstand heute davon, „Rumänien neu bewerten zu wollen“. Einen Rückzug aus diesem Land bedeute dies nicht, betonte Strobl. Je nach Steueraufwand sei aber das Ausmaß der Präsenz zu überprüfen. „Es mag sein, dass Filialen, die gerade noch positiv sind, durch diese Entwicklung negativ werden.“

Russland bleibt für die Raiffeisen Bank International wesentlich und ein starker Ergebnisträger. 2018 machte die RBI trotz der Sanktionen und des eher schwachen russischen Wirtschaftswachstums im Russland-Geschäft einen Gewinn nach Steuern von 455 Mio. Euro, rund 2,8 Prozent mehr als im Jahr davor.

Dreistellige Millionengewinne gibt es auch aus der Aval-Bank in der Ukraine. Hier wurden die in den Krisenjahren 2014 und 2015 angelaufenen Verluste von 290 Millionen bzw. 85 Millionen Euro mittlerweile mehr als kompensiert, sagte Finanzvorstand Manfred Grüll. 2016 gab es aus dem Ukraine-Geschäft 135 Mio. Euro Gewinn, 2017 rund 181 Millionen und im abgelaufenen Geschäftsjahr 164 Mio. Euro.

( 0321-19, Format 88 x 82 mm)

~ ISIN AT0000606306 WEB http://www.rbinternational.com/ ~ APA352 2019-03-13/13:57




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