Letztes Update am Mi, 13.03.2019 14:24

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


IfW: Österreich dürfte Konjunkturabkühlung in Deutschland auch spüren



Wien (APA) - Laut dem Institut für Weltwirtschaft in Kiel (IfW) dürfte in Österreich die erwartete Konjunkturabkühlung in Deutschland nicht ganz spurlos vorübergehen. Die beiden Länder sind wirtschaftlich sehr eng miteinander verbunden, unter anderem in der für Deutschland konjunkturell wichtigen Autobranche.

Als „Daumenregel“ gelte, dass ein Wachstumsrückgang von einem Prozentpunkt in Deutschland ein Minus von einem Viertel-Prozentpunkt in Österreich zur Folge habe, sagte der Präsident des IfW und gebürtige Österreicher, Gabriel Felbermayr, am Mittwoch vor Journalisten. Eine zwingende Regel sei dies aber nicht. Österreich ist laut IfW für Deutschland der siebent-wichtigste Handelspartner. Umgekehrt steht Deutschland für Österreich jüngsten Daten der Statistik Austria zufolge an erster Stelle beim Außenhandel.

Einige Wirtschaftsforschungsinstitute haben bereits ihre Deutschland-Prognosen gekappt und auch das IfW sieht für 2019 eine klare Abschwächung des deutschen Bruttoinlandsprodukts (BIP). Für das laufende Jahr 2019 rechnet das IfW mit einem BIP-Wachstum von 1,0 Prozent, zuvor lautete die Prognose noch auf 1,8 Prozent. Im Vergleich mit der OECD ist das Institut damit aber optimistisch gestimmt: Die OECD-Prognose für Deutschland für 2019 wurde jüngst von 1,6 auf 0,7 Prozent reduziert. 2020 dürfte die deutsche Wirtschaft dann aber etwas aufholen, das IfW prognostiziert ein reales BIP-Wachstum von 1,8 Prozent.

Für Österreich erwartet das Kieler Institut heuer ein reales Wachstum von 1,2 Prozent. Damit würde die heimische Wirtschaft zwar etwas stärker wachsen als Deutschland, allerdings wäre es eine deutliche Abschwächung zum Jahr 2018, in dem das Wachstum laut IfW-Daten bei 2,8 Prozent gelegen hatte. 2020 dürfte das BIP dann wieder etwas stärker um 1,3 Prozent anziehen.

In den trüberen Konjunkturaussichten spiegelt sich auch das in Deutschland schlecht gelaufene zweite Halbjahr 2018 wider, in dem laut Felbermayr Sonderfaktoren schlagend geworden waren: Zum einen habe der Niedrigwasserstand im Rhein die Produktivität gedrückt, zum anderen sei die deutsche Autoindustrie, für welche auch Österreich ein wichtiger Zulieferer ist, belastet gewesen. Der Automobilsektor hätte unter der Unsicherheit gelitten, die von dem Handelsstreit zwischen China und den USA ausging und auch weiter ausgehen wird. Die Volksrepublik ist einer der wichtigsten Absatzmärkte für die deutschen Autobauer, so Felbermayr.

Geschwächt werden könnte die deutsche Wirtschaft in den kommenden Jahren auch von dem bevorstehenden, möglicherweise ungeordneten Brexit. Sollte es zu einem „harten“ Brexit kommen und Großbritannien die EU in Folge wie einen Drittstaat bezollen, könnte dies das Wachstum in Deutschland langfristig um bis zu 0,8 Prozent schwächen, schätzt Felbermayr. Für Österreich wäre der BIP-Effekt mit bis zu 0,3 Prozent deutlich weniger stark.

Eine Rezession sieht Felbermayr aber weder für Deutschland noch für die Weltwirtschaft herannahen. Das „Tal der Tränen“ in der deutschen Autoindustrie sei mittlerweile durchschritten. Zudem sei die Kapazitätsauslastung nach wie vor hoch und steigende Löhne bei gleichzeitig moderater Inflation sollten den Binnenkonsum etwas ankurbeln, so Felbermayr.




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