Letztes Update am Mi, 13.03.2019 18:25

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Causa Firtasch: Ex-Frau fühlt sich um zwei Milliarden Dollar betrogen



Wien (APA) - Die Ex-Frau des in Wien aufhältigen ukrainischen Oligarchen Dmitri Firtasch, Maria Firtasch, wirft diesem vor, nach der Scheidung erpresst und um mindestens zwei Milliarden US-Dollar (1,77 Mrd. Euro) gebracht worden zu sein.

Das geht aus einer Anzeige hervor, die ihre Wiener Anwälte Nikolaus Rast und Mathias Burger dieser Tage bei der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) einbringen werden. Der Entwurf liegt der APA vor.

„Diese Anschuldigungen sind konstruiert und unwahr“, hält Dmitry Firtasch den gegen ihn gerichteten Vorwürfen entgegen. In einem der APA übermittelten Statement weist Firtasch darauf hin, dass die Scheidung von seiner Ex-Frau bereits im Jahr 2005 in der Ukraine stattgefunden habe und diese seit über zehn Jahren keinerlei Anschuldigungen gegen ihn vorgebracht hätte: „Seit über zehn Jahren gab es hier komplette Funkstille. Nun plötzlich und aus heiterem Himmel werden diese völlig grundlosen Vorwürfe gegen mich erhoben - rein zufällig zum fünften Jahrestag meines Aufenthaltes in Österreich. Es trifft mich persönlich, dass meine Ex-Frau sich hier allem Anschein nach für eine offensichtliche Schmieren-Kampagne gegen mich instrumentalisieren lässt.“

Die 52-jährige Maria Firtasch behauptet, von der Scheidung gar nichts gewusst zu haben. Ihr Ex-Mann habe diese hinter ihrem Rücken betrieben, indem er mit gefälschten Unterlagen operierte und einen ukrainischen Richter dazu brachte, unter Missachtung der Gesetzeslage im August 2005 ein Scheidungsurteil zu seinen Gunsten zu erlassen.

Die beiden hatten 2001 geheiratet, nachdem sie die EuralTransGas gegründet hatten, eine Gesellschaft, die mit Gas-Geschäften äußerst erfolgreich war. Seine Karriere soll Dmitry Firtasch ursprünglich als Lkw-Fahrer im Familienunternehmen seiner späteren Ehefrau begonnen haben. Das Ehepaar Firtasch investierte in weiterer Folge auch in anderen Branchen, etwa in der chemischen Industrie, erwarb Gesellschaften - darunter die zypriotische Highrock Holding Unlimited - und baute damit ein Vermögen auf.

Krankheitsbedingt zog sich Maria Firtasch 2004 beruflich zurück. Ihr Mann verlagerte die Gas-Geschäfte darauf auf die in der Schweiz registrierte RusUkrEnergo AG und soll dann - wie im Entwurf der Strafanzeige im Detail skizziert wird - begonnen haben, erhebliche Vermögenswerte abzuziehen, die ohne Wissen seiner Frau in Offshore-Gesellschaften geparkt wurden bzw. in neue Gesellschaften flossen. Ab 2004 verlagerte Dmitry Firtasch seine Geschäfte dann zusehends nach Österreich, wo er etwa die auf die Konstruktion von Gasleitungen spezialisierte Zangas Hoch- und Tiefbau GmbH gründete und im Vorstand der Centrogas-Holding tätig war.

Von Wien aus soll der mittlerweile 53-Jährige - folgt man der Darstellung seiner Ex-Frau - die Fäden gezogen haben, um Maria Firtasch nach der von ihm inszenierten Scheidung um die Hälfte des ihr zustehenden Vermögens zu bringen. Ende 2005 soll die Ex-Frau von einem damaligen ukrainischen Spitzenpolitiker (der Name ist der APA bekannt, Anm.), den Dmitry Firtasch angeblich mit einer Generalvollmacht ausgestattet hatte, kontaktiert und in weiterer Folge massiv eingeschüchtert und unter Druck gesetzt worden sein. Nach Darstellung der Frau wurde ihr mit dem finanziellen Ruin und dem Tod ihres jüngsten Sohnes gedroht, sollte sie nicht in einen sogenannten Property-Sharing-Vertrag einwilligen, mit dem ihr Unterhalt sowie die Aufteilung des Firmenvermögens geregelt wurden. Maria Firtasch behauptet, sie habe aus Angst um ihren Sohn im Dezember 2005 den Vertrag unterschrieben, der ihr lediglich Immobilien im Wert von 3,7 Mio. US-Dollar (3,28 Mio. Euro) und Unterhaltszahlungen in Höhe von 36 Mio. US-Dollar (31,93 Mio. Euro) zubilligte, wobei dann nur 24 Mio. US-Dollar (21,29 Mio. Euro) ausbezahlt wurden.

Als Maria Firtasch diesen Vertrag später gerichtlich bekämpfte, sollen sie und ihr Sohn bis ins Vorjahr hinein auf Veranlassung ihres Ex-Mannes bzw. von diesem persönlich mit dem Tod bedroht worden sein. Daraus leiten ihre Wiener Rechtsvertreter ab, dass Verjährung der vorgeworfenen strafbaren Handlungen keinesfalls eingetreten sei. Die Zuständigkeit der heimischen Justiz liegt nach Ansicht der Anwälte Rast und Bürger deshalb vor, weil Firtasch die ihm vorgeworfenen Delikte - Untreue, Geldwäsche, schwerer Betrug, Bestimmung zum Amtsmissbrauch, schwere Erpressung und schwere Nötigung - großteils von Österreich aus begangen habe.

Firtaschs Rechtsvertreter machten am Mittwochabend deutlich, dass hinsichtlich sämtlicher Vorwürfe bisher keine Eingabe bei den österreichischen Behörden erfolgt sei. Daher sei Firtasch nicht bereit, sich weiter zu den „“substanzlosen“ und „verleumderischen“ Behauptungen zu äußern, hieß es seitens dessen Wiener Medien-Sprechers Daniel Kapp gegenüber der APA: „Es wird als kein Zufall betrachtet, dass diese Behauptungen im Zuge des Präsidentschaftswahlkampfes in der Ukraine aufgebracht werden.“

Firtasch war 2014 auf Grundlage eines Haftbefehls aus den USA in Wien verhaftet worden. US-Ankläger werfen ihm geplante Korruptionsdelikte im Zusammenhang mit einem nie verwirklichten Titan-Projekt in Indien vor. Nach Bezahlung einer Rekordkaution von 125 Mio. Euro, für die ein russischer Geschäftsmann aufkam, wurde Firtasch auf freien Fuß gesetzt. Er hält sich seit damals in Wien auf. Ob Firtasch an die USA ausgeliefert wird, ist nach wie vor offen.




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