Letztes Update am Mi, 13.03.2019 21:59

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


EU einigte sich auf striktere Regeln für Clearing-Geschäfte



Brüssel (APA/Reuters) - Die Europäische Union hat sich angesichts des bevorstehenden Brexit am Mittwoch auf striktere Regeln für die Abwicklung von Finanzderivaten (Clearing) geeinigt. Diese könnten außerhalb der EU ansässige Clearinghäuser wie die CME und ICE dazu zwingen, das Clearing von Geschäften mit EU-Kunden in die EU zu verlagern.

Die neuen Regeln würden nach dem Brexit auch für britische Clearinghäuser gelten. Das milliardenschwere Geschäft mit der Abwicklung von Euro-Derivaten wird bisher von der LCH dominiert, eine Tochter der Londoner Börse LSE.

Mit der Einigung herrsche Klarheit über die künftigen Regeln, sagte der rumänische Finanzminister Eugen Teodorovici, der die Vereinbarung mit den Verhandlungsführern im Europaparlament mit aushandelte. Die EU-Kommission hatte die Reform im Juni 2017 vorgeschlagen. Demnach müssen sich Clearinghäuser, die ihre Dienste EU-Kunden anbieten, der Überwachung sowohl der EU-Aufseher als auch der Aufseher in ihren Heimatländern unterwerfen. Clearinghäuser wie die LCH, die besonders viele Euro-Derivate abwickeln, können zur Umsiedlung in die EU gezwungen werden. Davon könnte die Deutsche Börse profitieren, die seit gut einem Jahr ihr Clearing-Geschäft kräftig ausweitet und dafür trommelt, dass Euro-Derivate nach dem Brexit auch in der Euro-Zone abgewickelt werden sollten.

Clearinghäuser kümmern sich um die Abrechnung und Abwicklung von Wertpapiergeschäften. Sie stehen zwischen Verkäufer und Käufer und sind so einem hohen Risiko ausgesetzt, falls eine Partei im Handel ausfällt. Sie gelten deshalb als riskant für das Finanzsystem und werden seit der Finanzkrise genau überwacht. Im schlimmsten Fall müssten sie nämlich durch Steuergeld gestützt werden.

Damit der Handel nach einem harten Brexit weiter funktioniert, hat die EU-Kommission Regeln erlassen, die es erlauben, dass das Clearing für ein Jahr zeitlich begrenzt in gewohntem Umfang erfolgen kann. Aufseher dringen jedoch darauf, dass mittelfristig das Euro-Clearing in der EU stattfinden müsse. Man wisse nicht, wie sich ein Clearinghaus verhalten werde, wenn es im Krisenfall mit unterschiedlichen Anforderungen der Aufseher in den USA, Großbritannien und der EU konfrontiert sei, sagte jüngst Bundesbank-Vorstand Joachim Wuermeling.




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