Letztes Update am Do, 14.03.2019 05:17

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Leitspital Liezen: Im „Zentrum des Bezirkes“ gingen Emotionen hoch



Stainach (APA) - Sehr emotional ist am Mittwochabend eine Diskussion - veranstaltet von der „Kleinen Zeitung“ - zum geplanten neuen Leitspital im Bezirk Liezen diskutiert worden. Das Volkshaus am geplanten neuen Spitalstandort Stainach war mit rund 350 Personen bis auf den letzten Platz gefüllt, darunter viele Ärzte und Politiker sowie Bewohner aus allen Bezirksteilen.

Als zuständiger Gesundheitslandesrat musste sich Christopher Drexler (ÖVP) den fast ausschließlich kritischen Fragen stellen. Er verteidigte die Wahl des Standortes in der Gemeinde Stainach-Pürgg: „Wir machen dieses Projekt aus tiefster Überzeugung, um die medizinische Gesundheitsversorgung im Bezirk zu verbessern.“ Für ein „tatkräftiges Leitspital“ seien Kriterien erarbeitet worden, „unter anderem wo am meisten Menschen wohnen, die Verkehrswege, die Patientenströme, die geografische Lage und die Eisenbahnanbindung ist. Und diese Kriterien sprechen alle für Stainach, im Zentrum des Bezirkes“.

Man werde im neuen Leitspital alle Abteilungen der bestehenden Häuser integrieren, zudem eine ambulante Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde mit Beobachtungsbetten, sowie eine ambulante Neurologie aufbauen, informierte Drexler. An den drei bisherigen Spitalstandorten werde es ein Gesundheits- und Facharztzentren mit ambulanter Versorgung geben. In der engeren Auswahl für das Leitspital seien drei Grundstücke, man führe momentan Gespräche über „ein gemeinsames Krankenhaus betrieben von KAGes und Diakonie“. Von diesen liege „eine Jobgarantie für alle Mitarbeiter innerhalb des Konzerns“ auf. Der Löwenanteil der Beschäftigten werde aber sicherlich im neuen Spital arbeiten“, zeigte sich Drexler überzeugt.

Der Gesundheitslandesrat räumte im Rahmen der zweistündigen Diskussion ein, nicht alle Fragen - besonders jene zum Zeitplan - „momentan ultimativ“ beantworten zu können. „Die neue Struktur wird 2025 laufen, da wird sich natürlich das eine oder andere noch verändern.“ Auf die Wichtigkeit des Ergebnisses der von FPÖ und KPÖ initiierten Volksbefragung am 7. April angesprochen antwortete er: „Dem Gesetz nach ist das Ergebnis einer Befragung rechtlich nicht verbindlich. Natürlich wird die Politik die Meinung des Volkes berücksichtigen. Im Sinne einer demokratischen Republik sind wir als Politiker aber gewählt, um Konzepte zu entwickeln und darauf basierend Entscheidungen zu treffen.“

Als Befürworter des Leitspitales positionierte sich der Schladminger Allgemeinmediziner Georg Fritsch. Er sagte aber auch: „Zur ärztlichen Versorgung gehört nicht nur ein Leitspital, sondern auch ambulante Einheiten, Fachärzte, niedergelassene Praktiker und Ambulatorien. Ich brauche kein Spital vor der Haustür, ich brauche eine adäquate Rund-um-die-Uhr-Versorgung. Hier sind noch viele Fragen offen.“ Ein Krankenhaus müsse diese Art der Versorgung garantieren, in den Statuten eines Facharztzentrums sei das aber nicht automatisch inkludiert.

FPÖ-Landtagsabgeordneter Arnd Meißl kritisierte ein „fehlendes konkretes Konzept“ zum Zentralspital sowie der Nachnutzung der bisherigen Standorte. „Wir haben im Bezirk bereits Krankenhäuser, die sehr gut aufgestellt sind. Es wird damit nichts besser, sondern nur anders. Ich bin außerdem gespannt, wie der Herr Landesrat Ärzte in die Region bringt, wenn das schon jetzt ein Problem ist.“ Meißl plädierte dafür, ein Leitspital aus den bisherigen Krankenhäusern festzulegen und den beiden anderen Spezialisierungen zuzuordnen.

Für Rottenmanns Bürgermeister Alfred Bernhard (ÖVP) ist das Krankenhaus seiner Gemeinde dafür prädestiniert, in Kooperation mit Schladming und Bad Aussee. Diesen Vorschlag schmetterte Landesrat Drexler ab: „Dafür sprechen zwei Gründe: Erstens liegt es nicht zentral genug, zweitens haben wir ein Gebäude mit einem Investitionsbedarf von über 70 Millionen Euro.“ Bei den „weitaus neueren“ Häusern in Schladming und Bad Aussee sei man bereits in konkreten Verhandlungen für eine „entsprechende Nachnutzung im medizinischen Bereich“, führte er aus. Man „brüte“ auch an der Idee, in Rottenmann eine Fachhochschulausbildung für Gesundheit- und Krankenpflege zu stationieren. Diese 20 Jahre alte Idee empfand Bernhard als „amüsant“: „Wir sind gespannt, wie Sie diese 20.000 Quadratmeter vollständig nachnutzen wollen.“




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