Letztes Update am Do, 14.03.2019 12:14

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Syrien-Konferenz - Über 1.000 Teilnehmer diskutieren Perspektiven



Brüssel (APA) - Bei der dritten Brüssler Syrien-Konferenz geht es nicht nur um weitere Milliardenhilfen für die Flüchtlinge und deren Rückkehr in ihre vom Bürgerkrieg zerstörte Heimat. Mehr als 1.000 Teilnehmer aus der Region, Vertreter der Zivilgesellschaft, Hilfsorganisationen und regionale Organisationen diskutieren internationale Antworten auf die Krise.

Die 26-jährige Israa Al-Hassan ist 2012 mit ihrer Familie aus Rif Dimashq in Syrien in den Libanon geflüchtet. Sie will nach Syrien zurückkehren. Derzeit seien aber Sicherheit und Schutz für die Bevölkerung nicht ausreichend gewährleistet, auch mangle es in Syrien noch an Infrastruktur, sagt sie gegenüber der APA.

Im Libanon hat die junge Frau ein Ingenieurs-Studium abgeschlossen. Zwischenzeitlich hat sie als Mathematik-Lehrerin syrische, libanesische und palästinensische Kinder unterrichtet. Sie beklagt, dass Syrer, und vor allem syrische Frauen, auf dem libanesischen Arbeitsmarkt benachteiligt werden. Al-Hassan wünscht sich, dass die EU ein Jugendkomitee für das Zusammenleben der verschiedenen Nationalitäten einrichtet, „damit die Stimmen der Jugendlichen von der libanesischen Regierung gehört werden“.

So wie Al-Hassan ist auch der 24-jährige Jordanier Mohammad Aldraidi über das von der EU finanzierte „Youth Resove“-Programm mit der Hilfsorganisation „World Vision“ zur Syrien-Konferenz ins Europäische Parlament nach Brüssel gekommen. Der junge Mann träumt davon, eines Tages jordanischer Jugendminister zu sein. Was würde er als erstes ändern? „Ich würde ein Jugendkomitee einrichten, das Verbindungen zwischen Syrern und Jordaniern schafft, damit beide Gruppen miteinander reden“, sagt Aldraidi.

Derzeit würden die syrischen Flüchtlinge in Jordanien beklagen, dass Schulen für ihre Gemeinschaft vernachlässigt würden. Dagegen kritisierten die Jordanier, dass die Schulen überfordert seien, sagt Aldraidi. Bildung sei das wichtigste, betont der junge Mann. Viele Probleme wie Arbeitslosigkeit und Drogenmissbrauch könnten eingedämmt werden, wenn die Bildungsfragen gelöst würden.

Der aus Regensburg stammende Deutsche Marc-Andre Hensel leitet als regionaler Direktor in Amman die Syrien-Hilfe von „World Vision International“. Hensel ist besorgt darüber, dass der humanitäre Zugang in viele Gebiete Syriens, die von der Opposition oder der Regierung kontrolliert werden, nach wie vor nicht gegeben ist.

Eine Hilfsorganisation müsse dabei das Prinzip der Unparteilichkeit wahren, betont er. Unter den Nachbarländern Syriens habe vor allem Jordanien zuletzt einen Rückgang von Hilfsgeldern verzeichnet. „Wir brauchen langfristige Hilfe, nicht Sechs-Monats-Programme“, sagt Hensel. Dies sei gerade für eine Rückkehrperspektive von Syrern in ihre Heimat wichtig.

Dass Österreich einen Schwerpunkt auf die Minenräumung legt, findet Hensel gut. „Das Problem ist massiv.“ Syrien sei noch weit entfernt vom Frieden, warnt der Direktor. Viele Flüchtlinge wollten zwar zurückehren in ihre Heimat, könnten dies aber nicht, solange die Bedingungen dafür nicht gegeben seien.




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