Letztes Update am Do, 14.03.2019 14:11

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Putschversuch in Montenegro - Kronzeuge veränderte Aussage



Podgorica (APA) - Kurz vor Abschluss des in Montenegro laufenden Prozesses wegen eines mutmaßlichen Putschversuches im Oktober 2016 hat der aus Serbien stammende Kronzeuge Sasa Sindjelic seine bisherige Aussage geändert. Laut dessen Schilderungen Anfang der Woche hätten die Angeklagten gar keinen Putsch geplant wie zuvor von ihm geschildert, sondern nur eine Kundgebung zur Unterstützung der pro-serbischen Parteien.

Diese Aussage tätigte er jedoch nicht vor Gericht, sondern im Gespräch mit einem Belgrader TV-Sender. Eine Gerichtssprecherin erklärte gegenüber den Medien, dass für das Gericht nur jene Aussagen des Kronzeugen relevant seien, welche er vor zuständigen staatlichen Institutionen abgegeben habe.

In diesen hatte Sindjelic von einem Putschversuch gesprochen. Die Senatspräsidentin Suzana Mugosa präzisierte am Donnerstag, dass das Gericht, falls notwendig, die jüngsten Beweise erst nach den Schlussworten der Anklage und der Verteidigung in Erwägung ziehen könnte.

Laut der Anklage hatten die 14 vermeintlichen Putschisten, darunter zwei Mitarbeiter des russischen Geheimdienstes, gegen welche der Prozess in Abwesenheit läuft, eine Besetzung des Parlamentes nach den Wahlen vom 16. Oktober 2016 geplant. Auch die Ermordung des damaligen Ministerpräsidenten Milo Djukanovic soll geplant gewesen sein.

Der Putschversuch war durch die Festnahme einer Gruppe von Serben am Vorabend der Wahlen vereitelt worden, zu welcher auch ein ehemaliger serbischer Sonderpolizeifunktionär gehörte. Der Prozess läuft seit Mai 2017.

Die Anwälte der Angeklagten kamen am Donnerstag zum zweiten Mal in dieser Woche nicht zur Gerichtsverhandlung, bei welcher eigentlich die Schlussworte vorgetragen werden sollten. Montenegrinische Behörden vermuten Russland hinter dem Putschversuch. Moskau hatte 2018 mit großem Unmut auf die Aufnahme Montenegros in die NATO reagiert.




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