Letztes Update am Do, 14.03.2019 14:20

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Bleiburg-Gedenken: Kroatien kritisiert österreichische Medien



Zagreb/Bleiburg (APA) - Das kroatische Außenministerium hat am Donnerstag gegen die Berichterstattung österreichischer Medien in Zusammenhang mit der Bleiburger Gedenkfeier protestiert, nachdem die Diözese Gurk-Klagenfurt vergangene Woche die Heilige Messe bei dem umstrittenen Kroatentreffen im Mai verboten hatte. In Kroatien hat man die Pläne für ein kirchliches Bleiburg-Gedenken allerdings noch nicht aufgegeben.

In einer Aussendung für österreichische Medien, die auch von der kroatischen Botschaft in Wien verbreitet wurde, bedauerte das Außenministerium in Zagreb „zutiefst“, dass die Gedenkfeier in der österreichischen Öffentlichkeit als „Faschistenparty“, „größte Nazi-Versammlung der EU“, „Rechtsextremen-Treffen“ oder „Ustascha-Treffen“ wahrgenommen werde.

„Diese grobe Verallgemeinerung in der Medienberichterstattung, die dazu führt, dass das heutige Kroatien und seine Bevölkerung in Verbindung mit der Wiederbelebung des faschistischen Gedankenguts gebracht werden, empfinden wir als schmerzliche Beleidigung“, hieß es in der Mitteilung aus der kroatischen Botschaft in Wien.

Es sei falsch, aufgrund von einigen vereinzelten Vorfälle die zahlreichen Opferangehörige sowie und Regierungs- und Kirchenvertreter, die sich am Loibacher Feld versammeln, „als Faschisten zu bezeichnen und als Rechtsextreme abzustempeln“, protestierte das Außenamt. Die Vorfälle seien „zweifellos aufs Schärfste zu verurteilen“, hieß es.

Für die Kroaten sei Bleiburg ein Symbol für Massaker und Folter sowie Symbol für Menschenrechtsverletzung. „Dass hier der Faschismus gefeiert wird, ist eine empörende Unterstellung, die zu einer verzerrten Vorstellung von Kroatien und der kroatischen Nation verleitet“, so Zagreb.

Die Organisatoren des Treffens, das sogenannte „Bleiburger Ehrenzug“, hoffen unterdessen auf eine Lösung durch die Gespräche zwischen der kroatischen Bischofskonferenz und der Kärntner Diözese. „Es werden diplomatische Gespräche unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführt“, sagte der Aufsichtsrats-Vorsitzende der Organisation, Vladimir Seks, am Mittwoch laut Medien.

Laut dem Urgestein der regierenden HDZ-Partei, bemüht sich die kroatische Seite für eine Lösung, wonach man die Messe dennoch abhalten könnte, während man gleichzeitig alles, was auf Glorifizierung des Ustascha-Regimes andeute, eliminieren würde. Der Parlamentspräsident Goran Jandrokovic zeigte sich zuversichtlich, dass die diesjährige Gedenkfeier stattfinden werde. Wie er betonte, behalte das Parlament den Ehrenschutz für die Veranstaltung bei.

Die Diözese Gurk-Klagenfurt hatte die Genehmigung für die diesjährige Feier der Heiligen Messe beim Gedenktreffen verweigert, weil sie in den vergangenen Jahren zunehmend zum Anziehungspunkt für Ustascha-Sympathisanten geworden war. Begründet wurde die Ablehnung damit, dass 2018 die Auflagen und Vorgaben für die Erlaubnis nicht eingehalten worden seien.

Offizieller Gegenstand der Feier ist die Ermordung Tausender Ustascha-Soldaten nach der Kapitulation der Nationalsozialisten 1945. Rund 40.000 geflüchtete Soldaten, die aufseiten Deutschlands gekämpft hatten, wurden in Bleiburg mit ihren Familienangehörigen von der britischen Besatzungsmacht an die kommunistischen Einheiten Titos ausgeliefert. Tausende verloren an Ort und Stelle und auf dem Rückmarsch nach Jugoslawien gewaltsam ihr Leben.

Die Gedenkfeier gilt Kritikern seit Jahren als Treffpunkt von Ewiggestrigen, die in der Erinnerung an den faschistischen Vasallenstaat Hitler-Deutschlands im Zweiten Weltkrieg schwelgen. Auch im Vorjahr gab es sieben Festnahmen und neun Anzeigen nach dem Verbotsgesetz. Sechs Teilnehmer wurden vor Gericht gestellt, fünf davon verurteilt. Dabei waren im Vorfeld der Feier politische Fahnen und Transparente ebenso untersagt worden wie einschlägige Abzeichen oder Uniformen.

Die von Ante Pavelic im Jahr 1929 im Exil gegründete Ustascha-Bewegung gelangte in Kroatien 1941 als Handlangerin der deutschen Nationalsozialisten unter Diktator Adolf Hitler an die Macht. Während der Herrschaft der kroatischen Faschisten im NDH-Staat („Nezavisna Drzava Hrvatska“ - Unabhängiger Staat Kroatien) wurden mehrere hunderttausend Serben, Juden, Roma und kroatische Antifaschisten ermordet. Nach dem Zusammenbruch des Ustascha-Regimes im Jahr 1945 flohen viele Ustascha-Sympathisanten und -Kämpfer ins Ausland. Etliche kehrten nach der Ausrufung der Unabhängigkeit Kroatiens von Jugoslawien im Jahr 1991 aus der Emigration zurück.




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