Letztes Update am Do, 14.03.2019 14:41

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Brexit - Nowotny sorgt sich nicht um britische Banken



Wien (APA) - Zur Zeit ist immer noch unklar, wie das Ausscheiden Großbritanniens aus der EU über die Bühne gehen wird. Österreichs Notenbank-Gouverneur und EZB-Rat Ewald Nowotny hat dabei keine Sorgen um die britische Bankenlandschaft.

Die Vorbereitungen der britischen Banken „auf alle Varianten des Brexit seien ausreichend“, sagte Nowotny am Donnerstag vor dem Finanzausschuss des Parlaments in Wien. Problematischer sieht er den realwirtschaftlichen Sektor: so gebe es vor Ort etwa keine freien Lagerkapazitäten mehr, da die Unternehmen derzeit viel einlagern.

Nowotny und Vizegouverneur Andreas Ittner standen heute zum letzten Mal dem Finanzausschuss Rede und Antwort. Nach dem Sommer wird in der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) ein neues vierköpfiges Direktorium im Amt sein - mit Robert Holzmann an der Spitze und Gottfried Haber als neuem Vizegouverneur.

Zu seinen Einschätzungen des britischen EU-Austritts auf die britischen Banken hatte sich Nowotny bereits bei früheren Gelegenheiten geäußert. Er glaube, dass die Märkte im wesentlichen alle Entwicklungen vorweg genommen hätten, sagte der Gouverneur Ende Februar.

Gleichwohl gelten Handelskonflikte und Brexit als Risiken für die Konjunktur, bekräftigte er heute. Derzeit verlangsame sich die globale Expansion, die Unsicherheiten nähmen zu. Insbesondere Deutschland und Italien schwächten laut Nowotny die Wirtschaftsdynamik im Euroraum.

In Deutschland wirke sich der Einbruch der Automobilindustrie aus, aber auch strukturelle Probleme zeigen sich. Nowotny nannte hier die hohe Exporttätigkeit Deutschlands, die zu Abhängigkeit von anderen Ländern führe. Es gelte, die Binnennachfrage zu stärken. Dass Deutschland auf Kosten der Nachbarn gelebt habe, konnte Nowotny auf Fragen des Abgeordneten Bruno Rossmann (Liste „Jetzt“) nicht bestätigen. Durch Importe müsste das gesamtwirtschaftliche Gleichgewicht hergestellt werden, so der Gouverneur. Für Italien gelte derzeit das Prinzip der Hoffnung, konkrete Lösungsansätze konnte er keine erkennen.

In Österreich trüben sich die Vertrauensindikatoren weiter ein, sagte Nowotny. Deshalb habe die OeNB für die erste Jahreshälfte 2019 ihre Prognosen nach unten korrigiert. Im zweiten Quartal solle das Wachstum durch den Familienbonus Plus bereits wieder stimuliert werden. Den österreichischen Immobilienmarkt sieht die Notenbank nach wie vor nicht überbewertet.

Vizegouverneur Ittner berichtete in seiner Bilanz zehn Jahre nach der Finanzkrise, dass sich die Profitabilität der österreichischen Banken erholt habe. Die Zahl der Banken ist seit 2008 um ein Drittel gesunken. Es gelte nun, die vor allem dem guten Konjunkturumfeld geschuldete bessere Profitabilität abzusichern. Dazu müssten die Effizienz steigen und Geschäftsmodelle angepasst werden. Obwohl die Banken rentabler geworden sind, war die Eigenmittelausstattung zuletzt rückläufig. Die OeNB riet heute neuerlich, zwecks Kapitalaufbaus Gewinne einzubehalten.

~ WEB http://www.oenb.at/ ~ APA412 2019-03-14/14:38




Kommentieren