Letztes Update am Do, 14.03.2019 23:52

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Wieder Luftangriffe auf Rebellengebiet in Syrien



Idlib (APA/dpa) - Bei erneuten Luftangriffen auf die von Rebellen kontrollierte Deeskalationszone im Nordwesten Syriens sind Aktivisten zufolge mindestens 22 Menschen ums Leben gekommen. Unter den Opfern in der Stadt Idlib seien sieben Kinder, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Donnerstag mit.

Die Angriffe waren den Angaben zufolge bereits am Mittwoch ausgeführt worden. Die USA warfen Russland und der syrischen Regierung von Präsident Bashar al-Assad „abscheuliche Angriffe auf die zivile Infrastruktur“ und auf Siedlungen für Flüchtlinge vor.

Nach Angaben der in Großbritannien ansässigen Beobachtungsstelle wurden auch neun Häftlinge beim Beschuss eines Gefängnisses getötet. Es gebe Dutzende Verletzte, teilte die Stelle mit. Auch die Rettungsorganisation Weißhelme meldete Tote. Oppositionsnahen Medien zufolge konnten bei dem Angriff auf das Zentralgefängnis in Idlib zahlreiche Häftlinge fliehen.

Nach Angaben der Beobachtungsstelle waren es die schlimmsten Luftangriffe in Idlib, seitdem sich Russland und die Türkei auf eine Deeskalationszone für das Gebiet geeinigt hatten. Bereits am Mittwoch hatte die Stelle berichtet, bei einem Angriff russischer Jets seien zwei Frauen getötet worden. Das Verteidigungsministerium in Moskau sprach von einem Angriff auf ein Waffen- und Munitionslager.

Der Sprecher des US-Außenministeriums, Robert Palladino, kritisierte, Russland behaupte, mit Luft- und Artillerieangriffen Terroristen zu bekämpfen. Stattdessen hätten diese Operationen zu „Dutzenden zivilen Opfern“ geführt. Auch seien Helfer angegriffen worden. „Diese Eskalation der Angriffe gegen Idlib droht, die umgebende Region zu destabilisieren und die bereits existierende humanitäre Katastrophe in Syrien zu verschärfen.“ Man rufe alle Konfliktparteien einschließlich Russland und Syrien zur Deeskalation auf.

Seit Anfang März patrouillieren russische und türkische Soldaten gemeinsam in der Provinz Idlib. Der türkische Verteidigungsminister Hulusi Akar sagte nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu am Donnerstag, er habe sich mit seinem russischen Kollegen zudem darauf geeinigt, ein „gemeinsames Koordinationszentrum“ einzurichten. Die Bemühungen dazu gingen weiter. Details nannte Akar nicht.

Die Region um Idlib ist das letzte große Rebellengebiet Syriens. Es wird im Wesentlichen von der Al-Kaida-nahen Miliz Hayat Tahrir al-Sham (HTS) kontrolliert. Umgeben ist es von einer Pufferzone, auf die sich Russland und die Türkei im September geeinigt hatten. Sie soll eine Offensive der syrischen Regierungsanhänger verhindern.




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