Letztes Update am Fr, 15.03.2019 06:04

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Neue Technologien schaffen neue Möglichkeiten für biologische Waffen



Berlin/Stockholm/Wien (APA) - Das Stockholmer Friedensforschungsinstitut SIPRI warnt vor neuen Technologien als Motor für die Entwicklung, die Herstellung und den Einsatz biologischer Waffen. Konkret geht es dabei um den 3D-Druck, Roboter und Künstliche Intelligenz.

Vor diesem Hintergrund fordert das Stockholm International Peace Research Institute in einem Bericht, der am Freitag in Berlin bei einer internationalen Abrüstungskonferenz im deutschen Außenministerium vorgestellt wird, u.a. eine Reform der UNO-Biowaffenkonvention (Convention on the Prohibition of the Development, Production and Stockpiling of Bacteriological (Biological) and Toxin Weapons and on their Destruction/BTWC) von 1972: „Die bestehenden Maßnahmen der Rüstungskontrolle und Nichtverbreitung im Bereich der biologischen Waffen müssen angepasst werden“, um diesen neuen Sicherheitsrisiken zu begegnen.

Alle drei Technologien - 3D-Druck (auch: Schichtbau, Generative Herstellungsverfahren, Additive Manufacturing/), Roboter und Künstliche Intelligenz (Artificial Intelligence/AI) - sind laut Bericht schwer zu kontrollieren, weil sie digital sind und nicht nur für militärische, sondern auch für zivile Zwecke genutzt werden können (Dual-Use). Es sind auch hauptsächlich private und zivile Firmen, die diese Technologien entwickeln, und nicht etwa militärische Einrichtungen.

„Jede dieser Technologien könnte auf ihre eigene Weise die Entwicklung, Produktion und Anwendung von biologischen Waffen erleichtern und sie noch gefährlicher machen“, erklärte Kolja Brockmann, SIPRI-Forscher und Hauptautor des Berichts in eine Aussendung. Der Einsatz von Robotern in Laboren könnte etwa dazu führen, dass mehr biologische Waffen in kurzer Zeit produziert werden können. Mithilfe Künstlicher Intelligenz könnten B-Kampfstoffe wie Viren, Bakterien oder Pilze leichter übertragbar oder für den Menschen schädlicher gemacht werden.

Das bestehende Kontrollinstrumentarium, damit biologische Waffen nicht weiterverbreitet oder gar nicht hergestellt werden, aus BTWC, Ein- und Ausfuhrbeschränkungen, Gesetzen, Richtlinien und Normen im Bereich Biosicherheit „deckt die Anwendung von AM, AI und Robotik nur beschränkt und oft nur indirekt ab“. Die Regelungen seien bisher nicht dazu genutzt worden, um die Verbindungen zwischen Biotechnologie und anderen neuen Technologien zu untersuchen bzw. könnten gar nicht dazu genutzt werden. „Eine der wichtigsten Herausforderungen für eine effektive Kontrolle biologischer Waffen, ist, dass internationale Verträge und institutionelle Strukturen in Ministerien und staatlichen Behörden oft nicht mehr den heutigen technischen Realitäten entsprechen“, meinte Sibylle Bauer, Direktorin des SIPRI-Programms zu Rüstung und Abrüstung.

Das SIPRI ruft Regierungen, Staatengemeinschaften und internationale Organisationen auf, tätig zu werden und diese Lücken zu füllen. Nationale Regierungen sollten demnach Entwicklungen in Wissenschaft und Technik genauer verfolgen und in Bezug auf ihre möglichen Anwendungen genauer beurteilen. Die dafür zuständigen Behörden müssten entsprechend dotiert werden. Der EU wird rund um die Dual-Use-Problematik empfohlen, enger mit der Biotech-Industrie zusammenzuarbeiten. In punkto BTWC-Reform schlägt das SIPRI u.a. die Einrichtung eines Beratungsgremiums aus Wissenschaftern vor. Dieser Rat solle sich gezielt und besser mit dem möglichen Missbrauch von kommerzieller Biotechnologie und neu entstehenden Technologien befassen. Private Firmen in für biologische Waffen sensiblen Branchen wiederum sollten ihre Bemühungen zur Selbstregulierung und Einhaltung von Standards verstärken.

(S E R V I C E - www.sipri.org)

~ WEB http://www.un.org/en/ ~ APA038 2019-03-15/06:00




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