Letztes Update am Fr, 15.03.2019 11:58

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Japans Notenbank und Regierung streiten über Inflationsziel



Tokio (APA/Reuters) - Im Kampf gegen die beharrlich niedrige Inflation in Japan will die Notenbank nicht umsteuern und gerät damit zusehends in Konflikt mit der Regierung. Er sehe keinen Bedarf für eine Änderung des Inflationsziels von 2 Prozent, betonte Zentralbankchef Haruhiko Kuroda nach der Zinssitzung am Freitag. Die Währungshüter beließen ihr Ziel für den kurzfristigen Zinssatz bei minus 0,1 Prozent.

Zugleich bekräftigten sie ihre Absicht, die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihen bei um die null Prozent zu halten. Die Inflation kommt jedoch kaum voran. Die Teuerungsrate lag unter Ausschluss der schwankungsanfälligen Nahrungsmittelpreise im Jänner bei nur 0,8 Prozent. Ministerpräsident Shinzo Abe erklärte kürzlich, dies könne nicht ewig so weitergehen.

Finanzminister Taro Aso legte nun nach: Vor Reportern sagte er, „die Sache könne schiefgehen“, falls sich die Zentralbank zu sehr auf das Zwei-Prozent-Ziel versteife. Auf diese Äußerung angesprochen, sagte Kuroda, das Ziel sei ein wichtiges Instrument der Bank of Japan (BoJ), um das Mandat Preisstabilität zu erfüllen. Zugleich mahnte er zur Geduld, da es lange Zeit dauere, bis die Teuerung in Japan „nach einer langen Phase niedrigen Wachstums und einer Deflation“ wieder anziehe. Eine Spirale aus fallenden Preisen, sinkenden Löhnen und stockenden Investitionen - in der Fachwelt „Deflation“ genannt - hatte die Wirtschaft des Fernost-Landes lange Zeit im Klammergriff.

Die Zentralbank erwartet, dass die japanische Wirtschaft moderat wachsen wird, zeigt sich aber etwas pessimistischer als noch zu Jahresbeginn. Die Eintrübung der Weltkonjunktur wirke sich auch auf die einheimischen Unternehmen aus. „Die Exporte haben zuletzt einige Schwächen gezeigt“, erklärten die Währungshüter. „Die Notenbanker scheinen grundsätzlich zu glauben, dass der Handelskonflikt zwischen den USA und China ein signifikanter Belastungsfaktor für die japanische Wirtschaft sein dürfte“, sagte Ökonom Tobias Basse von der NordLB. Mit einer Einigung zwischen Washington und Peking könnte sich der Handlungsdruck auf die Bank of Japan seiner Ansicht nach wieder verringern: „Darauf scheint Notenbankchef Kuroda offenkundig auch zu hoffen.“




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