Letztes Update am Fr, 15.03.2019 14:07

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Prozess um Brandstiftung im PAZ am Hernalser Gürtel eröffnet



Wien (APA) - Am Wiener Landesgericht ist am Freitag der Prozess gegen sechs Schubhäftlinge eröffnet worden, die laut Anklage am 14. September 2018 ihre Zelle im Wiener Polizeianhaltezentrum (PAZ) am Hernalser Gürtel angezündet hatten. Staatsanwalt Wolfram Bauer wirft den Männern - fünf Afghanen und ein Iraner im Alter zwischen 19 und 34 Jahren - Brandstiftung vor. Die Verhandlung wird am kommenden Freitag fortgesetzt.

Die Anklage stützt sich im Wesentlichen auf die Angaben eines 32-jährigen Afghanen, die dieser einen Tag nach dem Brand in seiner polizeilichen Einvernahme getätigt hatte. Der Mann erklärte damals, die Idee zum gemeinschaftlichen Anzünden des Haftraums wäre der Anklage zufolge 19-Jährigen gekommen. Der 30-jährige Iraner, der in Deutschland bereits zwei Mal wegen Schlepperei verurteilt wurde und daher Hafterfahrung hatte, habe ihn darin bestärkt.

Vor einem Schöffensenat (Vorsitz: Alexandra Skrdla) bestätigte der 32-Jährige nun seine Aussage vor der Polizei: „Der Iraner hat gesagt, es wäre eine gute Sache, wenn wir das machen. Er hat erzählt, als er in Deutschland in Haft war, hat das jemand gemacht und ist damit frei gekommen.“ Daher habe man „ein kleines Feuer“ entfachen und damit Aufmerksamkeit erregen wollen: „Wir wollten uns nicht wirklich umbringen. Wir wollten nicht, dass die ganze Zelle brennt. Nur ein wenig, damit ein Rauch entwickelt wird, den die draußen sehen. Keiner von uns wollte sterben.“

„Ich habe wirklich geglaubt, dass wir freikommen werden“, erläuterte der Afghane, der zum Zeitpunkt des Brandes bereits zwei Monate in Schubhaft saß. Die Flammen waren gegen 22.30 Uhr in der Zelle 106 im ersten Stock des PAZ ausgebrochen. Die Insassen hatten ihre Handtücher mit Hilfe von zwei Feuerzeugen - Rauchen ist in den Zellen gestattet - angezündet und den brennenden Stoff auf ihre Betten geworfen. Zuvor hatten sie noch einen Spind vor die Zellentür gerückt, vor der sie einen auf Deutsch verfassten Abschiedsbrief hinterlegten. Dann drückte einer von ihnen die Notruftaste.

Von den weiteren Angeklagten waren zwei zum Feuerlegen geständig, bestritten aber, eine Feuersbrunst für möglich gehalten zu haben. Drei Beschuldigte - darunter der gebürtige Iraner und der vorgeblich 19-Jährige, der sein Geburtsdatum in der Verhandlung auf 1. Juni 1995 korrigierte und damit 23 Jahre alt wäre - behaupteten, sie hätten mit dem Brand nichts zu tun gehabt.




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