Letztes Update am Fr, 15.03.2019 15:22

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Prozess um Brandstiftung im PAZ - Mehrere Schwerverletzte



Wien (APA) - Das prozessgegenständliche Feuer im PAZ am Hernalser Gürtel forderte mehrere Schwerverletzte. Einige Insassen der betroffenen Zelle trugen ein Inhalationstrauma davon, bei einem Mann verbrannten zehn Prozent der Körperoberfläche. Erheblich verletzt wurden aber auch drei Polizisten - zwei Frauen und ein Mann -, die die sechs Männer gerettet hatten.

Nachdem man aufgrund des von einem Häftling gedrückten Alarmknopfs auf das Brandgeschehen aufmerksam geworden war, wagten sich zwei Beamte mit Atemschutzgeräten in den Haftraum und bargen die Insassen, die sich im Nasszellenbereich befanden und die teilweise das Bewusstsein verloren hatten. Dabei erlitten die Beamten Rauchgasvergiftungen und Prellungen. Beide befanden sich jeweils vier Wochen im Krankenstand, an den psychischen Folgen leiden sie bis heute. Eine Kollegin, die die zwei vor der Zellentür am Gang unterstützte, kam ebenfalls mit Rauchgasvergiftungen ins Spital.

Aufgrund des Brandes wurden die umliegenden Zellen mit 50 Insassen vorsorglich evakuiert. Der betroffene Haftraum 106 brannte aus, der Sachschaden machte laut Anklage 60.000 Euro aus.

Staatsanwalt Wolfram Bauer sprach eingangs der Verhandlung von einer „Inszenierung“. Die Angeklagten hätten mit dem Feuer Aufmerksamkeit angestrebt. Eine Feuersbrunst habe sich nur deshalb nicht entwickelt, „weil die zwei Fenster in der Zelle standgehalten haben“. Ansonsten wäre zu befürchten gewesen, dass sich die Flammen über die Fassade auf weitere Gebäudeteile ausbreiten.

Der 23-jährige Afghane - in der Anklageschrift wurde sein Alter noch mit 19 angegeben, er selbst korrigierte in der Verhandlung sein Geburtsdatum auf den 1. Juni 1995 - bestritt, die Idee zum Feuer sei von ihm gekommen. Er habe mit dem Brand nichts zu tun gehabt, sei vielmehr zum Notfallknopf gelaufen und habe diesen gedrückt und damit Gröberes verhindert. Auch der Iraner, der die Pläne des 23-Jährigen unterstützt haben soll, wies diese Darstellung zurück. Er sei erst am Tag des Brandes gegen 18.00 Uhr in die Zelle verlegt worden und unter dem Einfluss von Antidepressiva gestanden. „Er wäre gar nicht in der Lage gewesen, sich an Handlungen zu beteiligen“, sagte seine Verteidigerin.

Neben dem 32-jährigen räumten zwei Landsleute des Mannes eine Mitbeteiligung ein. „Er war einverstanden, dass Feuer gelegt wurde, um die Abschiebung zu verhindern“, stellte der Verteidiger des einen klar. Der zweite erklärte dem Gericht, er habe in Selbsttötungsabsicht mitgemacht: „Ich wollte lieber sterben, bevor ich abgeschoben werde.“ Bei seiner Rückkehr nach Afghanistan müssten er und seine Familie mit Schwierigkeiten rechnen, weil er vor seiner Flucht nach Europa eine Beziehung zu einer Frau gehabt hätte, ohne mit dieser verlobt bzw. verheiratet zu sein.

„In Afghanistan erwartet uns sowieso der Tod“, meinte der 23-Jährige. Österreich habe ihm „kein Asyl gegeben, weil ich Cannabis verkauft habe“. Da sei es „egal, ob ich mir den Kopf abhacke oder die Gedärme rausschneide“. Folglich habe er der Aufforderung eines Mitgefangenen entsprochen und sein Handtuch angezündet: „Ich habe gedacht, ich mach es, dann hab‘ ich es hinter mir.“




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