Letztes Update am Fr, 15.03.2019 16:34

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Start von Polizeidrohnen-Einsatz in Steiermark im Minister-Beisein



Deutschlandsberg (APA) - Seit 1. März sind die neuen Polizeidrohnen offiziell im Einsatz, zwei „Missionen“ haben sie in der Steiermark schon hinter sich - am Freitagnachmittag ließ sich Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) im gebirgigen Freiland in der Weststeiermark eine Vorführung geben. Kickl wohnte einer Übung eines Teils der acht Drohnenpiloten der Landespolizeidirektion Steiermark bei.

Der Minister ließ sich von einem uniformierten Drohnenpiloten am Höhenrücken von Freiland im Bezirk Deutschlandsberg einweisen. Laut Polizei war es das erste Mal, dass sich der Ressortchef die Möglichkeiten der kleinen Aufklärungsfluggeräte zeigen ließ, abgesehen von einer Vorführung beim Einsatzkommando Cobra. Dieses verfügt allerdings über andere Aufgaben und andere Flugmodelle.

Pro Landespolizeidirektion gibt es zwei Drohnen vom chinesischen Typ DJI der Da-Jiang Innovations Science and Technology Co. aus Shenzhen. Die DJI Phantom 4 Pro ist ein handelsübliches Modell eines Quadrocopters. Mit einem Akku kann es bis zu 30 Minuten in der Luft bleiben, sagte Pilot Klaus Wurzinger zur APA. Die Geschwindigkeit spielt zwar beim Einsatz keine Rolle, das Fluggerät mit rund einem halben Meter im Durchmesser schafft bis zu 70 km/h. Die Gipfelhöhe wäre theoretisch bei 6.000 Meter, geflogen wird aber rund 150 Meter über Grund bzw. auf Sicht im Umkreis von 500 Metern um den Standort des Piloten.

Wenn ein Akku auf unter 15 Prozent Ladung fällt, kehrt die Drohne zum Standort des Piloten zurück. Aus Sicherheitsgründen ist bei Windgeschwindigkeiten von über 36 Meter pro Sekunde Schluss. Ein Team besteht aus dem Piloten und einem Spotter, der die Drohne bei einem Flug immer im Auge behält und den Piloten unterstützt. Dieser beobachtet den Flug aus der Sicht der Drohnenkamera über einen Monitor an der Steuerungseinrichtung. Die Bildauflösung ist in 4K, in der Steiermark gibt es acht ausgebildete Piloten. Kollisionssensoren verhindern, dass sich die Drohnen Personen auf weniger als sechs Meter nähern. Über Menschenansammlungen dürfte ohnehin nicht geflogen werden, sagte Gruppeninspektor Wurzinger, der auch privat eine Drohne fliegt.

Die Piloten - die sonst ihren „normalen“ Aufgaben in ihren jeweiligen Einheiten wie der Alpinpolizei, der Diensthundestaffel oder der Einsatzabteilung nachgehen - haben eine Woche Ausbildung bei der Flugpolizei in Wien und bei der Austro Control hinter sich. Zu den praktischen Schulungen kommt auch theoretisches Wissen wie Luftfahrtrecht. Als Spotter kann nach kurzer Einweisung praktisch jeder Polizist arbeiten.

Alle zwei bis drei Monate wird einen Tag lang im Freien in unterschiedlichen topografischen Umgebungen geübt. Hätte das Wetter am Freitagnachmittag in Freiland nicht mitgespielt, hätte man in der Mehrzweckhalle trainiert. Der Einsatz im Gebäudeinneren ist auch eine der vielen Anwendungsmöglichkeiten, sagten die Piloten zur APA. Eine Drohne könne theoretisch in ein einsturzgefährdetes Gebäude gelenkt werden und wertvolle Aufklärungsbilder liefern.

Das Drohnen-Team der jeweiligen Bundesländer arbeitet nach eigenen Angaben noch daran, den Kollegen in den Inspektionen die Möglichkeiten der Geräte nahezubringen. Fotogrammetrie nach Massenunfällen auf einer Autobahn oder bei einer Suchaktion nach Vermissten wären die gängigsten Anwendemöglichkeiten. Weitere Einsatzmöglichkeiten wären bei Geiselnahmen oder auch bei Umweltverschmutzung: Die ersten beiden Einsätze seit 1. März waren die Kontrolle eines großen Autoschrottplatzes in der Oststeiermark und Luftaufnahmen nach mehreren Bränden knapp hintereinander in Birkfeld - hier vermutet die Polizei einen Brandstifter am Werk.




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