Letztes Update am Fr, 15.03.2019 16:34

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Sohn von bosnischem Protestanführer in Wiener Neustadt beigesetzt



Wien/Sarajevo/Banja Luka (APA) - Der im März 2018 unter ungeklärten Umständen in Banja Luka ums Leben gekommene 21-jährige David Dragicevic wurde am Freitag in Wiener Neustadt im Beisein seiner Eltern Suzana R. und Davor Dragicevic sowie zahlreichen bosnischen Bürgern in Österreich beigesetzt. Sie forderten „Gerechtigkeit für David“.

Der Bestattung wohnte auch der internationale Bosnien-Beauftragte Valentin Inzko bei. Wahrheit und Gerechtigkeit würden immer den Weg finden, teilte Inzko in einer Aussendung seines Büros in Sarajevo mit. Er sei überzeugt, dass es auch dieses Mal so sein werde.

Die Eltern von David hatten Mitte Februar bei den zuständigen Behörden in Banja Luka einen Antrag auf Exhumierung der Leiche ihres Sohnes gestellt, um sie nach Österreich zu überführen. Sie wollten nicht, dass ihr Kind in einem „Mafiastaat“ bestattet sei, in dem Mörder gedeckt und Menschen wegen ihrer Meinung verfolgt würden, erklärte damals die Mutter von David, die in Wiener Neustadt wohnhaft ist. Am Dienstag wurde dann die Exhumierung auch vorgenommen.

David Dragicevic war am 24. März 2018 tot in einem Flussbett in Banja Luka, der Hauptstadt der Republika Srpska, aufgefunden worden. Seine Eltern waren von Anfang an davon überzeugt, dass der Sicherheitsapparat des serbischen Landesteils von Bosnien-Herzegowina für den Tod ihres Kindes verantwortlich sei.

Auf ihre Initiative hin kam es zu einer monatelangen Protestbewegung. Unter dem Motto „Gerechtigkeit für David“ forderten sie bei täglichen Protesten in Banja Luka Aufklärung über den Tod ihres Sohnes. Die Regierung in Banja Luka wies die Vorwürfe, dass staatliche Stellen mit dem Tod zu tun hätten, stets zurück. Ende Dezember wurden die täglichen Demonstrationen untersagt und ein Haftbefehl für den Vater Davor Dragicevic erlassen, weil er Drohungen gegen zwei serbische Politiker geäußert haben soll. Dieser tauchte daraufhin unter.

Davor Dragicevics Anwesenheit bei der heutigen erneuten Bestattung seines Sohnes war sein seither erster öffentlicher Auftritt. Er habe nicht vor, nach Banja Luka zurückzukehren, erklärte er gegenüber Vertretern bosnischer Medien. Auch wolle er zuerst in Wien bleiben, wo unterdessen eine Bewegung mit dem Namen „Gerechtigkeit für David“ gebildet worden sei. In Bosnien sei für das Ringen um die Gerechtigkeit für seinen Sohn ein Anwalt zuständig.

Etwa 250 Menschen, die sich vor der Bestattung vor dem Friedhof mit Fotografien von David in der Hand versammelten, schlossen sich der Forderung nach Gerechtigkeit an, berichtete die Tageszeitung „Oslobodjenje“.




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