Letztes Update am Fr, 15.03.2019 18:28

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Terrorakt in Neuseeland - Angreifer nahm sich Breivik zum Vorbild



Christchurch/Utöya (APA/AFP) - In Norwegen weckt der Anschlag auf zwei Moscheen in Neuseeland mit 49 Toten Erinnerungen an einen der dunkelsten Tage in der Geschichte des Landes. Das Blutbad erinnert die Norweger an den Anschlag des Rechtsextremisten Anders Behring Breivik, der im Juli 2011 insgesamt 77 Menschen kaltblütig ermordet hatte.

Tatsächlich hat sich der Angreifer im neuseeländischen Christchurch den norwegischen Massenmörder explizit zum Vorbild genommen.

Welche Rolle spielt Breivik beim Anschlag von Christchurch?

„Ritter Justiziar Breivik“ nennt der Angreifer von Christchurch den norwegischen Rechtsextremisten - ein Begriff, den Breivik selbst geprägt hat. In einem 74-seitigen Manifest, das er vor dem Anschlag von Christchurch bei Twitter veröffentlicht hatte, nennt der Angreifer den Norweger eine „echte Inspiration“. Er habe zwar nur kurz mit Breivik Kontakt gehabt, er habe aber für seine Anschlagspläne „den Segen für meine Mission erhalten, nachdem ich dessen Mitritter kontaktiert“ habe.

Belegt ist der angebliche Kontakt zwischen den beiden nicht: Breiviks Anwalt, Oystein Storrvik, sagte der Zeitung „Verdens Gang“, er halte dies aufgrund der strengen Kontrollen, denen Breivik im Gefängnis unterliegt, für „unwahrscheinlich“.

Welche Parallelen gibt es zwischen den Taten?

Kaltblütige Schüsse auf Dutzende Menschen, Opfer, die für kulturelle Vielfalt stehen, ein rassistisches Manifest und beschriftete Waffen - die Anschläge in Norwegen und in Neuseeland haben einiges gemeinsam. Breivik hatte seinerzeit einen Text von mehr als 1500 Seiten veröffentlicht. Beide Männer verglichen sich in ihren Manifesten mit Nelson Mandela. Der schwedische Terrorismusforscher Magnus Ranstorp sagte der Nachrichtenagentur AFP, beide seien narzisstisch und hätten ein überzogenes Bild von sich selbst.

Tore Björgo, Leiter des Zentrums für Extremismusforschung an der Universität Oslo, sieht als Parallele auch die Vorstellung, dass die europäische Zivilisation durch muslimische Einwanderung bedroht sei, „und dass es deshalb legitim ist, wenn Menschen das mit Gewalt zu verhindern versuchen“.

Wie weit reicht Breiviks Einfluss?

Der Attentäter von Christchurch ist nicht der erste, der sich Breivik zum Vorbild nimmt. Der Norweger hatte am 22. Juli 2011 zunächst acht Menschen bei einem Bombenanschlag in Oslo getötet. Anschließend erschoss er auf der Insel Utöya 69 weitere Menschen, die an einem Sommerlager der sozialdemokratischen Jugendorganisation teilnahmen.

Extremismusforscher Björgo verweist auf Nachahmer in Polen, Tschechien, Frankreich und den USA, die mit ihren Anschlagsplanungen unterschiedlich weit vorangekommen seien. Am fünften Jahrestag des Anschlags von Utöya hatte ein junger Mann 2016 in einem Münchner Einkaufszentrum neun Menschen ermordet und sich anschließend selbst das Leben genommen. Er hatte psychische Probleme und soll von Breivik fasziniert gewesen sein.




Kommentieren