Letztes Update am So, 17.03.2019 02:03

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Liberale Caputova bei slowakischer Präsidentenwahl in Führung



Bratislava (APA/dpa/AFP) - Die liberale Anwältin Zuzana Caputova ist bei den slowakischen Präsidentenwahlen ihrer Favoritenrolle aus den Umfragen gerecht geworden. Nach Auszählung von 99,88 Prozent der Wählerstimmen lag die 45-Jährige mit 40,5 Prozent der Stimmen deutlich vor EU-Kommissar Maros Sefcovic, wie die Wahlkommission in der Nacht auf Sonntag mitteilte.

Sefcovic war von den regierenden Sozialdemokraten nominiert worden und kam auf rund 19 Prozent. Die beiden dürften in einer Stichwahl am 30. März gegeneinander antreten.

Der Rechtspopulist Stefan Harabin kam nach den Teilergebnissen auf 14,3 Prozent. Der Rechtsextremist Marian Kotleba erreichte demnach 10,4 Prozent. Anders als die proeuropäischen Kandidaten Caputova und Sefcovic hatten Harabin und Kotleba im Wahlkampf vor allem die EU-Flüchtlingspolitik kritisiert.

Die Wahlbeteiligung lag bei 47 Prozent. Das vorläufige Endergebnis wurde noch im Laufe der Nacht erwartet, das offizielle Endergebnis sollte am Sonntag gegen Mittag bekanntgegeben werden.

Das slowakische Staatsoberhaupt hat vorwiegend repräsentative Aufgaben. Im Fall einer Regierungskrise kommt ihm aber eine entscheidende Rolle zu.

In einer ersten Stellungnahme vor slowakischen Medien erklärte Caputova ihren Erfolg als Ergebnis eines gesellschaftlichen Wunsches nach Veränderung. Doch auch wenn die vorläufigen Zahlen positiv aussähen, gelte es, die Endergebnisse der Auszählung abzuwarten.

Von TV-Sendern befragte Politologen waren sich einig, dass Caputova vor allem damit gepunktet habe, dass sie in Medienauftritten auch auf heikle Fragen klare Antworten gegeben habe. Selbst in der katholisch geprägten Wählerschaft sei ihre Toleranz gegenüber sexuellen Minderheiten besser angekommen als die ausweichenden Antworten von Sefcovic.

Die Wahl wurde beeinflusst von dem Mord an dem Investigativjournalisten Jan Kuciak vor einem Jahr. Der damals 27-Jährige hatte über Verbindungen dubioser Unternehmer zu Regierungsmitarbeitern recherchiert. Sein posthum veröffentlichter letzter Artikel löste Massendemonstrationen und schließlich den Sturz der Regierung von Langzeit-Ministerpräsident Robert Fico aus. Caputova war es gelungen, sich zur Hoffnungsträgerin eines großen Teils dieser Demonstrierenden zu machen.

Auch der mit den Demonstranten offen sympathisierende und mit der Regierung im Konflikt stehende bisherige Staatspräsident Andrej Kiska hatte zur Wahl Caputovas aufgerufen. Er selbst hatte schon im vergangenen Jahr angekündigt, nicht für eine zweite Amtszeit zu kandidieren.

Caputova hatte an den Protesten im vergangenen Jahr teilgenommen. Im Wahlkampf setzte sich die 45-Jährige für den Kampf gegen Korruption und einen politischen Wandel ein. Außerdem kämpft sie seit Jahren für mehr Umweltschutz und setzt sich für mehr Rechte gleichgeschlechtlicher Paare ein.

Sefcovic ist seit 2009 Mitglied der EU-Kommission und seit 2014 deren Vize-Vorsitzender. Davor hatte er eine Reihe diplomatischer Posten inne, unter anderem war er Botschafter in Israel. Bei der ersten Runde der Präsidentschaftswahl waren am Samstag insgesamt 13 Kandidaten angetreten.




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