Letztes Update am So, 17.03.2019 11:01

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Jüdisches Museum Berlin plant neue Dauerausstellung



Berlin (APA/dpa) - Noch sind die Wände im Jüdischen Museum in Berlin leer. Im Zickzackbau von Daniel Libeskind sind Arbeiter und Techniker am Werk. In einem Jahr soll eine neue Dauerausstellung eröffnet werden. Die Schau nimmt langsam Gestalt an, zur Zeit noch auf dem Papier und in den Köpfen der Fachleute, demnächst in den Hallen.

Die erste Ausstellung zur deutsch-jüdischen Geschichte hatte dem Museum seit der Eröffnung 2001 rund 11,4 Millionen Besucher beschert. Mit der neuen Schau soll es nicht anders sein. In den vergangenen Wochen beschäftigte Museumsdirektor Peter Schäfer allerdings ein Brief des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Er hatte darin die Bundesregierung aufgefordert, dem Museum und anderen Organisationen das Geld zu streichen.

Im Fall des Museums lautete der Vorwurf: Die Sonderschau „Welcome to Jerusalem“, die noch bis zum 30. April läuft, präsentiere eine einseitige, „palästinensisch-muslimische Sicht“ auf die Stadt. Schäfer und Kulturstaatsministerin Monika Grütters wiesen die Vorwürfe als politische Einmischung deutlich zurück.

Auch ein geplanter Vortrag eines palästinensischen Nahostexperten war wegen seiner angeblichen Nähe zur anti-israelischen Organisation BDS nach Protest der israelischen Botschaft verlegt worden. „Wir wurden dafür geprügelt, ihn eingeladen zu haben, und dafür, ihn ausgeladen zu haben“, sagte Schäfer, dessen reguläre Amtszeit im August endet. Er gehe aber davon aus, dass er die Ausstellung noch eröffnen werde.

Die Kritik habe dem Museum nicht geschadet - im Gegenteil, sagt Schäfer. Das Interesse an der Ausstellung sei enorm, etwa 900 Besucher kämen seit Eröffnung im Durchschnitt täglich in die Schau. Die Neugierde gilt auch dem Libeskind-Bau. Viele Menschen, vor allem aus dem Ausland, locke das sperrige Werk des polnisch-amerikanischen Architekten.

Der verwinkelte Betonbau mit seinen „Achsen“ des Exils und des Holocausts im Untergeschoß bleiben für die Ausstellungsmacher um Cilly Kugelmann, der einstigen Programmdirektorin, eine Herausforderung. Anders als in der bisherigen Dauerschau soll die Architektur stärker zur Geltung kommen. Tanzende Buchstabenprojektionen werden etwa die Besucher über die lange Treppe zum Aufstieg in die Ausstellung führen. Oben sollen sie sich zusammenfügen und die Bedeutung des geschriebenen Worts für das Judentum hervorheben.

Überhaupt sollen weniger Objekte und mehr anschauliche Präsentationen den chronologischen Rundgang bestimmen, Themenräume sollen Akzente setzen, etwa zur Musik. Synagogen-Gesänge oder jüdische Pop-Musik seien zentralen Bestandteile des Judentums, sagt Kuratorin Kugelmann. Auch der millionenfache Mord an den europäischen Juden soll einen größeren Stellenwert bekommen. Alle 962 antijüdischen Gesetze sollen auf großen Planen den Vernichtungswahn der NS-Bürokratie verdeutlichen.

Fast zeitgleich mit der Dauerausstellung wird das neue Kindermuseum öffnen. In der von Libeskind umgebauten einstigen Blumengroßmarkthalle gegenüber wird zur Zeit eine Arche Noah aus Holz gebaut. Hier sollen sich Kinder im Alter von drei bis zehn Jahren mit der Schöpfung beschäftigen. Die Geschichte der Arche komme im Judentum, Christentum und Islam vor und verbinde damit die drei großen monotheistischen Religionen, sagt Schäfer. Sintflut und Neuanfang sollen die jungen Menschen für den sorgsamen Umgang mit unserem Planeten sensibilisieren. „Die Reparatur der Welt“, im Hebräischen „Tikun Olam“, ist eines der tragenden Prinzipien des Judentums.




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