Letztes Update am So, 17.03.2019 11:58

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Münchner Opernintendant Bachler propagiert das Loslassen



München (APA/dpa) - Noch zwei Spielzeiten, dann verabschiedet sich Nikolaus Bachler als Intendant der Bayerischen Staatsoper. Bereits am 1. Juli 2020 übernimmt er die kaufmännische Geschäftsführung der Osterfestspiele Salzburg, ab der Saison 2022 auch die künstlerische Gesamtverantwortung des Festivals. Davor sprach er mit der dpa über die neue Spielzeit 2019/20, die unter dem Motto „Kill your Darlings“ steht.

Frage: Die neue Spielzeit steht unter dem Thema „Kill your Darlings“, töte deine Lieblinge. Was hat das Publikum zu erwarten?

Antwort: In dem Sinne, wie wir damit umgehen, heißt „Kill your Darlings“ eigentlich nichts anderes als loslassen. Das ist einer der zentralen Begriffe der Kunst überhaupt. Immer wieder sich zu trennen, immer wieder nach Neuem zu suchen und Neues zu entdecken, heißt aber auch immer wieder Abschied zu nehmen. Ich finde den Begriff auch fürs Publikum so wichtig. Wir kämpfen sehr viel mit Sehgewohnheiten. Das ist auch ein Appell ans Publikum: Schaut neu hin.

Frage: Sie wollen die Zuschauer raus aus der Komfortzone holen?

Antwort: Das muss man riskieren. Und wenn man das riskiert, muss man auch das Scheitern riskieren, man kann ja nicht so tun als ob. „Kill your Darlings“ ist, wenn Sie so wollen, mit echtem Blut geschrieben, etwas aufzugeben, um an ein neues Ufer zu gelangen. Das ist eine Reise übers unbekannte Meer.

Frage: Viele der neuen Stücke an der Staatsoper sind für das Publikum auch so etwas wie das unbekannte Meer.

Antwort: Das sind fast alles Randstücke. Außer dem „Falstaff“ findet man keine Neuproduktion aus dem Kanon des sogenannten gängigen Repertoires. Das sind entweder Werke aus dem 20. Jahrhundert oder ganz Neues wie „The Snow Queen“ von Hans Abrahamsen. Giuseppe Verdis „I Masnadieri“ etwa wurde niemals in der Bayerischen Staatsoper gespielt, und mit „7 Deaths of Maria Callas“ präsentieren wir auch eine Uraufführung. Es sind Werke, mit denen wir im übertragenen Sinne sagen: „Jetzt verabschiedet Euch mal von Bekanntem wie Puccini und Wagner und schaut woanders hin.“ Wir haben an der Bayerischen Staatsoper auch ein Publikum, das neugierig ist, nicht nur Rigoletto und La Traviata sehen will.

Frage: Sehen Sie das als Ergebnis Ihrer Intendanz, dass sie das Publikum mit neueren Stücken vertraut gemacht haben?

Antwort: Wir haben uns schon sehr mit zeitgenössischen Stücken beschäftigt. Ich würde sagen, dass die Hälfte dessen, was wir erarbeitet haben, Werke des 20. Jahrhunderts sind. Wir haben auch immer auf Opern geachtet, die nicht viel gespielt worden sind. Man hätte natürlich auch schon längst mal „Carmen“ oder „La Bohème“ erneuern sollen, aber man kann nicht alles machen.“

ZUR PERSON: Nikolaus Bachler ist seit 2008 Intendant der Bayerischen Staatsoper. 2013 holte der Österreicher den Dirigenten Kirill Petrenko als Generalmusikdirektor. Die beiden gelten als Traum-Duo, das das internationale Renommee des Hauses weiter ausgebaut hat. Im Sommer 2021 werden sich beide aus München verabschieden. Vor München war Bachler unter anderem Intendant der Wiener Festwochen und Leiter des Wiener Burgtheaters.




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