Letztes Update am Mo, 18.03.2019 17:09

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ETH Lausanne begeht ihr 50-Jahr-Jubiläum



Lausanne (APA/sda) - Die ETH (Eidgenössische Technische Hochschule) Lausanne feiert heuer ihren 50. Geburtstag. Am Montag hat die Hochschule auf dem Campus symbolisch die Feierlichkeiten gestartet, die einen Bogen von der Vergangenheit in die Zukunft beschrieben.

Die EPFL (Ecole polytechnique federale de Lausanne, französische Bezeichnung; Anm.) würdigte den Visionär Maurice Cosandey, der vor fünf Jahrzehnten die kantonale Ingenieurschule in eine Eidgenössische Polytechnische verwandelte. Auf dem Cosandey-Platz wurde in Anwesenheit der Familie des ersten EPFL-Präsidenten, der im vergangenen Dezember verstorben war, die „Agora Lombard Odier“ eingeweiht. In dieser für alle offenen Aula sollen nicht nur Lehrveranstaltungen, sondern auch Kulturanlässe wie Konzerte, Theater und Shows stattfinden.

Anlässlich des Jubiläums hat sich die Hochschule auch eine neues Erscheinungsbild verpasst. Das neue Logo besteht aus den vier Buchstaben EPFL, die rote Farbe symbolisiert die Schweiz. „Wir wollen eine junge und zugleich hochdynamische, innovative und technologische Schweizer Schule sein - mit internationalem Einfluss. Kurz gesagt, ein Start-up, das gewachsen ist und schnell erwachsen wird“, sagte EPFL-Präsident Martin Vetterli. Zahlreiche Veranstaltungen führen durch das Jubiläumsjahr. Im Mai findet etwa am Tag der Bildung ein wissenschaftlicher und pädagogischer Dialog über die Herausforderungen der Bildung der Zukunft statt.

Die Anfänge der EPFL gehen auf eine private Initiative zurück, als 1853 elf Studenten die Ecole speciale de Lausanne gründeten. Die Schule änderte ihren Namen mehrmals, bevor sie zur Ecole Polytechnique de l‘Universite de Lausanne (EPUL) wurde. 1969 erfolgte die Trennung der EPUL von der Universität Lausanne. Die EPFL wurde eine eidgenössische Einrichtung und schloss sich mit der ETH Zürich zusammen. Beide werden vom Bund betrieben - im Gegensatz zu den anderen Schweizer Universitäten, welche den Kantonen unterstellt sind.

In den letzten 50 Jahren hat die EPFL ihren Campus verändert und erweitert, ihre Studiengänge erweitert, ihre Zahl der Studierenden vervielfacht. Zudem hat die Hochschule mit der Gründung von Zweigstellen in Genf, Freiburg, Neuenburg und im Wallis in den vergangenen Jahren in der Westschweiz expandiert. Die knapp 11.000 Studenten, 1.500 Professoren und 2.000 Mitarbeiter kommen aus mehr als 120 Nationen.

Während der vergangenen 50 Jahre wurden an der ETH Lausanne eine Vielzahl wissenschaftlicher Entdeckungen gemacht, Erfindungen präsentiert und Durchbrüche geschafft. Eine Auswahl:

- Die Computermaus: In den späten 1970er-Jahren entwickelten Forscher im Labor von Jean-Daniel Nicoud die Schweizer Maus, die in Konkurrenz zu einem Modell der US-Universität Stanford stand. Die Schweizer Version setzte sich durch, weil das ergonomische Design bei ihr von Anfang an integriert war. Diese Erfindung führte zur Gründung des Unternehmens Logitech, das mittlerweile 9.000 Mitarbeitende weltweit beschäftigt.

- Smaky: Er zählt zu den ersten PCs und wurde 1974 an der EPFL, ebenfalls im Labor von Nicoud, entwickelt. Im Schlepptau hatte er sein eigenes Betriebssystem, sowie die ersten Computermäuse.

- Der Delta-Roboter: 1985 von Reymond Clavel an der EPFL entwickelt, ist dieser Roboter heute ein Industriestandard. Die Idee entstand während eines Besuchs bei einem Schokoladenhersteller: Der Parallelroboter sollte helfen, Pralinen in Schachteln zu platzieren.

- Die Grätzel-Zellen: Michael Grätzel entwickelte diese Solarzellen Anfang der 1990er-Jahre und ließ sich dafür vom Prozess der Photosynthese in den Blättern von Pflanzen inspirieren. Perowskit-Solarzellen, die neuen Hoffnungsträger der Photovoltaik, sind Abkömmlinge der Grätzel-Zellen. In ihrer Weiterentwicklung ist die EPFL an vorderster Front dabei.

- Die Programmiersprache Scala (2003): Die von Martin Odersky entwickelte Programmiersprache sollte bisher verwendete Sprachen, wie beispielsweise Java, vereinfachen. Sie kombiniert einen objektorientierten und einen funktionalen Ansatz und wird bereits von Twitter, Apple, LinkedIn, UBS, Airbnb, Zalando, sowie Medien wie dem Guardian, der New York Times und vielen weiteren verwendet.

- Virtuelle Realität zur Behandlung von Schlaganfällen: Neue Erkenntnisse über bestimmte Hirnmechanismen haben zur Entwicklung von auf virtueller Realität basierenden Behandlungen geführt, um die Genesung von Schlaganfall-Patienten zu verbessern. Das darauf basierende Start-Up „MindMaze“, das seit 2011 besteht, wird auf mehr als eine Milliarde Dollar geschätzt.

- Der Roboter, der Kindern das Programmieren beibringt: Der Thymio-Roboter, der heute in vielen Klassenzimmern anzutreffen ist, wurde 2011 von der EPFL zusammen mit der Ecole cantonale d‘art de Lausanne entwickelt. Er vermitteln Schülerinnen und Schülern auf unterhaltsame und intuitive Weise die Grundlagen des rechnerischen Denkens.

- Das Off-Road-Röntgengerät: Im Rahmen des EPFL-Programms EssentialTech entwickelten Forscher 2014 ein Röntgengerät, das den extremen Bedingungen in südlichen Ländern standhält, ohne an Bildqualität einzubüßen. Auch für Spitäler und medizinische Zentren weltweit stellt es eine robustere, kostengünstigere Alternative dar.

- Gezielte Stimulation: Gelähmten wieder zu eigenen Schritten verhelfen - möglich wurde das durch die Kombination weicher Elektroden, die an der EPFL entwickelt wurden und auf das Rückenmark transplantiert werden, Forschungsarbeiten zur Rekonstruktion von Nerven nach Verletzung und einem gezielten elektrischen Stimulationssystem.

- Das Uhren-Schwingsystem ohne „Tick-Tick-Tick“: Mit dem an der EPFL entwickelten Schwingsystem „Isospring“ könnte die mechanische Zeitmessung eine neue Richtung nehmen. Es kommt nämlich ohne das charakteristische Ticken aus: Statt hin und her schwingt das System auf elliptischen Bahnen. Und zeigt die Zeit mit einer kontinuierlichen Bewegung an, statt in Sekunden zerhackt. 2014 wurde es erstmals vorgestellt.




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