Letztes Update am Di, 19.03.2019 06:04

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Sängerin Stefanie Heinzmann will „Optimismus in die Welt streuen“



Wien (APA) - Einst gewann sie eine Castingshow von TV-Kapazunder Stefan Raab, mittlerweile hat sich die Schweizerin Stefanie Heinzmann längst als Größe im Popgeschäft etabliert. Auf ihrer neuen Platte „All We Need Is Love“ zeigt sich die 30-Jährige von ihrer ebenso souligen wie zugänglichen Seite. Mit der APA sprach sie über Verantwortung, ihren Optimismus und den Umgang mit Kitsch.

APA: Ihre Karriere steht aktuell im elften Jahr. Macht Sie das stolz?

Stefanie Heinzmann: Ich finde es voll krass. Das ist ein Drittel meines Lebens, was echt abgefahren ist. Vor allem habe ich auch wirklich nicht damit gerechnet. Ich konnte mir das nicht in meinen kühnsten Träumen ausmalen, dass man das wirklich mehr als zehn Jahre lang - beruflich! - machen darf. Trotzdem finde ich es aber voll spannend. Nur weil jetzt ein neues Album ansteht, kann ich mich nicht darauf verlassen, dass es deswegen einfach läuft. Das Musikbusiness ist so schnelllebig. Klar hat man Stefanie Heinzmann vielleicht mal gehört, findet das im Idealfall cool. Aber ob man sich dann die neue CD holt? Keine Ahnung.

APA: Wie finden Sie die Balance zwischen Musik als Job und Musik als Leidenschaft?

Heinzmann: Das ist total lustig, weil es sich schon verändert hat. In meiner Jugend habe ich den ganzen Tag gesungen - im Chor, in einer Band, zuhause oder in der Schule, sogar beim Spazierengehen. Seitdem ich Sängerin von Beruf bin, mache ich das nicht mehr. Es ist zu einer Verantwortung geworden. Das wird zum Job, aber nicht im negativen Sinne. Wenn ich auf der Bühne stehe und es machen darf, dann ist es das Schönste auf der Welt. Ich merke, wie viel mir das gibt. Man muss halt eine Balance finden. Ich brauche wirklich einen Ausgleich - das bedeutet auch Ruhe und nicht Tausend Leute um mich herum. Einfach Berge, Freunde, Familie. Das musste ich mir erst erarbeiten.

APA: Sie sind sehr jung in das Geschäft eingestiegen. Wie ging es Ihnen damals?

Heinzmann: Als ich mit 18 plötzlich diesen Job gemacht habe, war ich völlig überfordert. Blöd gesagt war ich am Freitag noch in der Schule und dann am Montag plötzlich Sängerin. Wie macht man das jetzt? Da musste ich mich schon reinfuchsen. Andererseits geht es so schnell, es ist wirklich learning by doing.

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APA: Gibt es Dinge, die Sie rückblickend gerne anders gemacht hätten?

Heinzmann: Ich glaube schon, dass es solche Sachen gegeben hat. Aber ich mache mir darüber ehrlich gesagt keine Gedanken. Ich konnte es ja nicht wissen! Das ist doch ein natürlicher Prozess, man lernt daraus. Im neuen Album steckt auch so viel aus dem Jetzt und aus den Erfahrungen, die mich zu dem Menschen machen, der ich jetzt bin. Ich versuche, so wenig Druck auf mich zu laden wie möglich. Ich kann nur mein Bestes geben. Jetzt muss ich das einfach passieren lassen.

APA: Die neuen Songs versprühen viel positive Energie. Ein bewusster Schritt angesichts der gesellschaftspolitischen Entwicklungen in Europa?

Heinzmann: Ja, das ist ein sehr bewusster Schritt für mich. Meine Selbstreflexion hat mich zur Erkenntnis geführt, dass ich nicht alleine bin damit. Die Selbstzweifel und Gedanken, die ich mir mache, machen sich ganz viele Menschen auf diesem Planeten. Es läuft wirklich viel schief. Trotzdem bin ich der Meinung, dass viele tolle Sachen auf dieser Welt passieren. Dafür sollte man die Augen wieder aufmachen. Also ist dieser Optimismus drin, den ich in die Welt streuen möchte. Ich habe mir vorgenommen, so viel Liebe wie möglich zu verteilen, in der Hoffnung, dass das irgendwo Wellen zieht. Ich will mich ja nicht überschätzen, aber vielleicht ist das ansteckend.

APA: Mussten Sie sich diese optimistische Sichtweise erst erarbeiten?

Heinzmann: Ja, da steckt viel Arbeit drin! Und das hat wirklich nichts mit Naivität zu tun. Wenn ich daran denke, wie viel ich die letzten Jahren an mir selbst gearbeitet habe. Du gelangst immer wieder an Punkte, an denen du dich fragst: Mache ich überhaupt irgendetwas richtig? Aber wenn man bei sich selbst anfängt, ist es viel einfacher, anderen Menschen gegenüber mit Liebe, Respekt, Dankbarkeit und Wertschätzung zu begegnen. Die Leute, die mich kritisieren, sind nicht happy. Wer setzt sich schon an einen Computer und schreibt jemandem, dass er scheiße ist? Das sind Leute, die frustriert und traurig sind und die dringend eine Umarmung brauchen. Jemand muss ihnen sagen, dass sie toll sind! Wir brauchen nur Liebe, das ist der einzige Schlüssel zu diesem Status, wie die Welt jetzt gerade ist.

APA: Wie haben Sie vermieden, dass das Album nicht zu kitschig wird?

Heinzmann: Cheesiness ist die ultimative Frage. Das ist natürlich echt schwer. All You Need Is Love ist ja der Kalenderspruch schlechthin. Da musste ich teilweise auch die Angst wegnehmen davor, zu cheesy zu sein. Das Thema ist mir echt wichtig. Es ist so leicht zu sagen: „Oh ja, die Liebe, mein Gott...“ Ja, bitte, sprecht noch viel mehr von Liebe! Ich will die Cheesiness rausnehmen, weil es ein echt ernstes Thema ist. Wie viele Menschen laufen mit Depressionen, Angstzuständen, Unsicherheiten durch die Welt? Nur liebevoller Umgang miteinander hilft. Klar ist das cheesy, aber es ist das Wertvollste, was wir haben.

(Das Gespräch führte Christoph Griessner/APA)

(S E R V I C E - Stefanie Heinzmann live am 26. November im Wiener WUK; www.stefanieheinzmann.de)




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