Letztes Update am Di, 19.03.2019 11:03

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Alles im Öl: Das Emirat Kuwait



Wien (APA) - Das Emirat Kuwait am Persischen Golf gehört, wie seine Nachbarn auf der Arabischen Halbinsel, zu den ölreichsten Ländern der Erde. Fast zehn Prozent der weltweiten Reserven liegen dort. Etwa die Hälfte des Bruttoinlandsprodukts (BIP) entsteht durch den Handel mit Erdöl und Ölprodukten.

Kuwait wird seit 1756 von der Sabah-Dynastie regiert. 1961 wurde das Emirat unabhängig von Großbritannien, bis 1991 war es eine absolute Monarchie, mittlerweile eine konstitutionelle Erbmonarchie. Der Emir, seit 2006 Scheich Sabah al-Ahmad al-Jabir as-Sabah, ist sowohl weltliches als auch geistliches Staatsoberhaupt, er ernennt und entlässt die Regierung. Das Parlament, das alle vier Jahre gewählt wird, kann von ihm jederzeit aufgelöst werden.

Der islamische Wüstenstaat, der mit rund 17.800 Quadratkilometern größer ist als die Steiermark aber kleiner als Niederösterreich, grenzt im Süden an Saudi-Arabien und im Norden und Westen an den Irak. Mehr als zwei Drittel der rund drei Millionen Einwohner sind Ausländer, die meisten aus Indien, Pakistan, aus anderen arabischen Ländern sowie den Philippinen. Vor allem letztere haben es ihren Staatsbürgern sogar jahrelang verboten, sich von Kuwait und anderen arabischen Staaten anwerben zu lassen, weil physische Misshandlungen sowie psychischer und sexueller Missbrauch von Hausangestellten an der Tagesordnung sind. Im Vorjahr wurde der Streit zwischen Manila und Kuwait dann mit einem Abkommen über Arbeitnehmerrechte beendet.

Die Meinungs- und Pressefreiheit sind in Kuwait, wie auch in allen seinen Nachbarstaaten, deutlichen Einschränkungen unterworfen. Auch Werke der klassischen Weltliteratur landen auf dem Index, wie zuletzt im Vorjahr anlässlich eines Literaturfestivals Victor Hugos „Glöckner von Notre-Dame“, „Hundert Jahre Einsamkeit“ von Nobelpreisträger Gabriel Garcia Marquez oder Dostojewskis „Brüder Karamasow“. Frauen haben immerhin seit 2005 das Wahlrecht. Vor zehn Jahren zogen schließlich auch die ersten als Abgeordnete ins Parlament ein.

Die Wirtschaft des Landes ist marktwirtschaftlich orientiert, wird aber vom Staat kontrolliert. Sie ist vor allem auf das Ölgeschäft ausgerichtet, viele Konsumgüter werden importiert. Angesichts der weitgehenden Abhängigkeit vom Erdöl und sinkender Ölpreise hat die Regierung bereits vor Jahren ein Programm zur ökonomischen Diversifizierung beschlossen, dass aber trotz massiven Geldeinsatzes bisher wenig erkennbare Auswirkungen gezeitigt hat.

Der große Erdölreichtum des Landes war auch Auslöser für einen der Golfkriege: Der große Nachbar Irak unter Machthaber Saddam Hussein beschuldigte 1990 das Emirat, durch das Überschreiten der Förderquoten den irakischen Export geschädigt und auch auf irakischem Territorium gefördert zu haben und marschierte in Kuwait ein. Die USA bildeten auf Basis einer UNO-Sanktion eine Koalitionsarmee und vertrieben die irakischen Truppen innerhalb kürzester Zeit aus dem Nachbarland.




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