Letztes Update am Di, 19.03.2019 14:12

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


ESA-Direktor Aschbacher: „Müssen schneller und dynamischer agieren“



Wien (APA) - Europa müsse sich in der Raumfahrt besser aufstellen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. „Wir müssen schneller und dynamischer agieren können und den kommerziellen Sektor stärker entwickeln.“ Diesen Rückschluss zog der aus Österreich stammende Direktor für den Bereich Erdbeobachtung bei der Europäischen Weltraumorganisation ESA, Josef Aschbacher, aus einem Besuch im Silicon Valley.

Für Aschbacher heißt das, dass die ESA mit einer Anstoßfinanzierung durch öffentliche Gelder den kommerziellen Sektor stimulieren müsse. Die Hoffnung dabei sei, dass die Firmen dann „weiterführend Produkte entwickeln, die sie am Markt verkaufen und Geld damit machen können“. Aus diesem Grund habe er auch sein Direktorat umorganisiert, um das zu ermöglichen und beispielsweise „ein Innovationslab initiiert, um mit der Industrie neue Ideen zu kreieren und ihr zu helfen, diese Ideen auch umzusetzen“, sagte Aschbacher im Gespräch mit der APA.

Aschbacher zeichnet für das ESA-Direktorat mit dem höchsten Budget verantwortlich: Projekte im Ausmaß von 1,6 Mrd. Euro pro Jahr gehen über seinen Tisch, die Hälfte davon wird von den ESA-Mitgliedsländern bereitgestellt, die andere Hälfte kommt von Kooperationen etwa mit der Europäischen Kommission oder der Meteorologie-Organisation Eumetsat. Gestern, Montag, war der 56-jährige gebürtige Tiroler in Wien, um österreichischen Industrievertretern die geplanten ESA-Aktivitäten im Bereich Erdbeobachtung vorzustellen, die bei der ESA-Ministerkonferenz im November beschlossen werden sollen.

Der österreichischen Weltraumindustrie - rund 120 Unternehmen mit etwa 1.000 Beschäftigten sind hierzulande in diesem Bereich tätig - bescheinigt Aschbacher „wahnsinnig gute Qualität“. In einigen Segmenten sei das Land weltweit im Spitzenfeld, Österreich sollte sich aber bemühen, das Portfolio zu erweitern.

„Wir planen ein attraktives Paket von Vorschlägen, die alle verknüpft sind“, sagte Aschbacher zu den Plänen seines Direktorats. In Summe schlägt er für die nächste dreijährige Finanzierungsperiode 2,4 Mrd. Euro für die Erdbeobachtung vor, das sei in etwa die gleiche Summe, die derzeit von den Mitgliedsländern kommt. Der größte Programmvorschlag (1,4 Mrd. Euro) sei dabei die nächste Phase des mit der EU-Kommission kofinanzierten Erdbeobachtungsprogramms „Copernicus“ mit seinen Sentinel-Satelliten.

Sechs neue Satellitenreihen sollen im Zuge von „Copernicus 2.0“ die Erde genau unter die Lupe nehmen und verschiedene Messungen durchführen. Als Beispiel nennt er einen Satelliten, der routinemäßig die CO2-Konzentration global mit großer Genauigkeit misst. „Das ist essenziell für die Abschätzung der Klimaentwicklung und um sicherzustellen, dass wir die in Paris vereinbarten Klimaziele tatsächlich einhalten können“, sagte Aschbacher.

Um die Kommerzialisierung und den sogenannten „New Space“-Sektor zu fördern, soll auch das gemeinsam mit der Industrie kofinanzierte Programm „InCubed“ weitergeführt werden. „Da wollen wir neue Projekte initiieren“, sagte Aschbacher und nannte als Beispiele neue Komponenten, die man für Konstellationen, also Flotten kleiner, günstiger Satelliten, oder High-Altitude-Plattformen, also unbemannte Flugobjekte in großer Höhe zur Erdbeobachtung oder Datenkommunikation, benötigt. „Das wird ein wichtiges Element werden, weil die ESA hier nicht zu 100 Prozent Aktivitäten finanziert, sondern die Initiative von der Industrie kommt und diese auch kofinanziert.“

Konkurrenz zwischen Erdbeobachtung und anderen ESA-Aktivitäten, etwa das von ESA-Generaldirektor Johann-Dietrich Wörner vorgeschlagene Mond-Dorf, sieht Aschbacher nicht. Das seien „komplementäre Aktivitäten, die alle ihre Berechtigung haben und alle sehr wichtig sind“. Bei der Ministerkonferenz würden alle von den Direktoren vorbereiteten Vorschläge auf den Tisch gelegt, „dann muss gerüttelt und geschüttelt werden, und man muss sehen, ob man das eine oder andere Programm verändern muss, um es an die finanziellen Möglichkeiten anzupassen“.

Zwischen ESA und EU war angesichts unterschiedlicher Interessen das Verhältnis in der Vergangenheit nicht immer friktionsfrei. Aschbacher, der für beide Organisationen gearbeitet hat und sie „sehr gut von innen kennt“, kann „diese Aufregung über die Rollen der ESA und der EU-Kommission nicht verstehen, weil es eigentlich so einfach gehen kann“. Die ESA, eine 1975 gegründete zwischenstaatliche Organisation mit 22 Mitgliedstaaten, von denen nicht alle EU-Mitglieder sind, sei eine technische Agentur, die Wissenschaft, Forschung und Innovation vorantreibt, während die EU mit der Kommission eine politische Organisation ist, die Politik definiert, implementiert und überwacht. „Das sind zwei sehr komplementäre Aufgaben, die man leicht kombinieren kann.“ Das zeige auch das Programm „Copernicus“, wo EU-Kommission, ESA, Eumetsat, Mitgliedsländer und Industrie „extrem gut zusammenarbeiten“.

(S E R V I C E - Internet: www.esa.int/eo)




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