Letztes Update am Fr, 22.03.2019 13:41

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Große Retrospektive von Asger Jorn im Museum der Moderne Salzburg



Salzburg (APA) - Das Salzburger Museum der Moderne widmet dem dänischen Künstler Asger Jorn (1914-1973) eine große Retrospektive. Erstmals werde außerhalb Dänemarks sein gesamtes druckgrafisches Oeuvre gezeigt, sagte Museumsdirektor Thorsten Sadowsky am Freitag beim Presserundgang stolz. Dank der Leihgabe des Museum Jorn könne man als erstes Museum weltweit alle 550 Blätter des vielseitigen Künstlers zeigen.

Erstmals außerhalb Dänemarks sind auch 52 vor kurzem neu entdeckte, frühe Linolschnitte zu sehen. Die Druckplatten dazu befanden sich in einem Koffer, den der Künstler in den 1940er Jahren seinem Bruder zur Aufbewahrung gegeben hatte und der dann vergessen worden war. Diese Platten wurden behutsam gesichtet, fotografiert und nach möglichen bekannten Motiven untersucht, erzählte Lucas Haberkorn, Chefkurator und Leiter der Sammlungs- und Forschungsabteilung des Museum Jorn. Es zeigte sich, dass die meisten Motive neu waren. Eine Serie dieser Neudrucke ist nun in Salzburg zu sehen.

Die Zusammenschau des druckgrafischen Werkes von den Anfängen bis zu seinen späten Blättern sei der Spiegel einer unheimlich interessanten, vielschichtigen Künstlerpersönlichkeit, sagte Sadowsky. Jorn war nicht nur bildender Künstler, er hat mit verschiedensten Medien gearbeitet, habe auch viel publiziert und sei ein begnadeter Netzwerker gewesen. Der Künstler war ein sehr politischer Mensch, er trat in den 1930er Jahren der kommunistischen Partei bei und war in der Zeit der deutschen Besatzung im Widerstand tätig. In der Nachkriegszeit gründete er das Künstlerkollektiv Cobra, später ging er nach Paris, wo er 1951 völlig verarmt körperlich und geistig zusammenbrach. Er schaffte einen Neuanfang, der künstlerische Durchbruch gelang ihm 1958 bei der Weltausstellung in Brüssel mit seinem Werk „Lettre a mon fils“. 1961 gründete er das „Skandinavische Institut für vergleichenden Vandalismus“, um den Stellenwert der nordischen Kunst in Europa sichtbar zu machen. 1973 starb Jorn, der zuvor noch auf Weltreise gewesen war, nach der Diagnose Lungenkrebs in Aarhus.

All diese Stationen und Entwicklungen spiegeln sich auch im druckgrafischen Werk des Künstlers. Er ließ sich vom klassischen Expressionismus des frühen 20. Jahrhunderts ebenso beeinflussen wie von Surrealismus, Action-Painting oder nordischer Volkskunst und Mythen seiner Heimat. Er arbeitete mit Lithografie, Holzschnitt, Radierung, Linolschnitt, Siebdruck und Kartoffeldruck und war unheimlich experimentierfreudig. In der frühen Phase seines Werks dominieren kleinere Blätter in Schwarz-Weiß, später werden die Bilder größer und bunter. Einige großflächige Arbeiten sind ein Rausch an Farben und Formen, es eröffnen sich ganze Universen mit Figuren, Tieren und Fabelwesen. Es sind keine Bilder, an denen man schnell vorbeigeht, sondern in denen man sich in den Details verlieren kann.

Ergänzt wird die Ausstellung durch einige interaktive Elemente. So kann man mittels digitaler Werkzeuge selbst Radierungen und Lithografien anfertigen. Die Kuratoren verzichteten auf die übliche Beschriftung der Bilder und Ausstellungsbereiche. Dafür wurde ein Begleitheft mit Einführungstexten und Titeln zu den nummerierten Blättern aufgelegt, das sich die Besucher mit nach Hause nehmen können.

(S E R V I C E: „Asger Jorn - Das druckgrafische Werk“, 23. März bis 30. Juni 2019, Museum der Moderne Salzburg, Mönchsberg 32, 5020 Salzburg; www.museumdermoderne.at)




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