Letztes Update am Fr, 22.03.2019 15:56

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Das Jugendbuch für alle - Verlage suchen den Potter-Nachfolger



Leipzig (APA/dpa) - Rund 35 Millionen Bücher aus der Harry-Potter-Welt dürften im deutschsprachigen Raum in Bücherregalen stehen. So viele Exemplare hat der Carlsen-Verlag in mehr als 20 Jahren nach eigenen Angaben verkauft. Harry Potter ist genau wie das Fantasy-Epos „Der Herr der Ringe“ oder „Die unendliche Geschichte“ ein sogenannter All-Ager, ein Jugendbuch, das für alle Altersklassen funktioniert.

Ein Dauerbrenner, der sich über Jahrzehnte verkauft - das ist für jeden Verlag ein Glücksfall. Spätestens seit der Harry-Potter-Reihe von Joanne K. Rowling orientierten sich daher die Jugendbuchverlage stärker hin zu solchen Titeln, die auch von Erwachsenen wahrgenommen werden, sagt Carlsen-Sprecherin Katrin Hogrebe. Aber den nächsten großen All-Ager zu finden, ist nicht so einfach. „Ob ein Titel erfolgreich wird, hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab, lässt sich insofern mehr hoffen als ahnen“, so Hogrebe.

Funktioniert hat es auch bei „Die Tribute von Panem“ von Suzanne Collins oder der „Twilight“-Serie von Stephenie Meyer - und eben bei dem Klassiker „Der Herr der Ringe“ von J.R.R. Tolkien. Vor 50 Jahren wurde das dreibändige Abenteuer der Gefährten um den Hobbit Frodo Beutlin zum ersten Mal ins Deutsche übertragen. Etwa 10 Millionen Exemplare wurden nach Angaben des Verlags Klett-Cotta seither verkauft.

Zum runden Geburtstag gibt es eine Sonderedition und eine überarbeitete Übersetzung. Die Leipziger Buchmesse widmete dem Wälzer am Freitag den großen „Leipzig liest“-Abend. „Das lesen sowohl 13- und 14-Jährige als auch Erwachsene bis hin zu Senioren, und jedes Alter liest es ein bisschen anders“, sagt Stephan Askani, Programmchef für Fantasy beim Klett-Cotta Verlag. Aber worin liegt die Faszination für den „Herrn der Ringe“? Es sei ein Buch mit großer historischer Tiefe, ein Epos wie Homers Odysee, und es verwende eine Sprache, die berührt, zählt Askani auf. Und: „Es geht ja auch gar nicht um die Kämpfe gegen böse Orks, sondern eigentlich geht es um Freundschaft. Jeder Leser hätte gern einen Freund wie Sam oder Gandalf.“

Dieses Identifikationspotenzial hält auch Ralf Schweikart für einen entscheidenden Faktor für einen generationenübergreifenden Erfolg. Er ist Chef des Arbeitskreises für Jugendliteratur. „Oder Themen, die einfach in jedem Lebensalter funktionieren.“ Als Beispiel nennt er John Greens Roman „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“. „An einer schweren Krankheit zu leiden, in diesem Fall Krebs, und sich trotzdem zu verlieben, das hat nichts mit dem Alter zu tun, das passiert auch noch mit 70.“

Green sei eine Ausnahme, weil All-Ager meist aus der Fantastik kämen. Aus Schweikarts Sicht helfen All-Ager auch der Aufmerksamkeit für die Jugendbuch-Sparte insgesamt. „Wer mit dem Vorurteil kommt, das wäre Literatur light, stellt schnell fest, nein, das ist einfach eine tolle Geschichte.“




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