Letztes Update am Di, 26.03.2019 05:31

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Grazer Armen-Pfarrer und „Vinzi“-Initiator Wolfgang Pucher wird 80



Graz (APA) - Der Grazer Armen-Pfarrer Wolfgang Pucher feiert am kommenden Sonntag, 31. März, seinen 80. Geburtstag. Der „Rebell der Nächstenliebe“ setzt sich bei der Vinzenzgemeinschaft seit Jahren mittels zahlreicher Hilfsprojekte für Obdachlose In- und Ausländer ein. Er hat nach Graz auch in anderen Städten Unterkünfte und Hilfseinrichtungen initiiert.

Der mittlerweile über die Grenzen seiner Heimatstadt bekannte Lazaristenpater Pucher wurde für sein soziales Engagement vielfach ausgezeichnet und wird in der Gemeinde „Vinzi-Pfarrer“ genannt: Die von ihm gegründete „Vinzenzgemeinschaft Eggenberg - VinziWerke“ betreibt Einrichtungen wie „VinziDorf“, „VinziNest“, VinziBus“ oder „VinziShops“ in Graz, Wien, Salzburg und in Hostice (Slowakei). Derzeit gibt es insgesamt 39 „Vinzi“-Projekte mit dem Ziel, Bedürftigen zu helfen. Seit 1990 widmen sich Pfarrer Pucher und sein Team Alkohol- und Drogenabhängigen, Bettlern und „jenen, die sich ansonsten nirgendwo hin wenden können“.

Gegenüber Kathpress erinnerte er sich anlässlich seines bevorstehenden runden Geburtstages an die Initialzündung für seinen Einsatz vor 46 Jahren in Graz. Er sei damals Pfarrer in Graz-St. Vinzenz geworden - und mit einem „Slum“ in der sonst so pittoresken steirischen Landeshauptstadt konfrontiert gewesen: Sein Hauptaugenmerk galt der „Delogiertensiedlung“ in der damaligen - heute namenlosen - Heßgasse, wo in vier Häusern 800 Menschen, davon 200 Kinder, ohne Dusche, ohne Waschmaschine und ohne Telefonanschluss unter heute unvorstellbaren Umständen lebten.

Arbeitslosigkeit, Alkohol, Gewalt und Polizeieinsätze gehörten zum Alltag in dieser mit einem „Schandzaun“ von der übrigen Stadt abgetrennten „Hölle von Graz“, wie Pucher berichtete. Genau hier werde er gebraucht, denn das Evangelium richte sich zuallererst an die Armen, so die damalige Einsicht des jungen Pfarrers. Sein priesterliches Wirken umfasste nie nur schöne Verkündigungsworte, sondern handfeste, konkrete Nothilfe - auch später, als er sich Obdachloser und Roma-Bettler annahm. In der immer noch von sozial benachteiligten Grazern bewohnten Siedlung feiert Pucher alljährlich eine vorweihnachtliche Messe - für ihn der „höchste Gottesdienst zu Weihnachten“.

Ein besonderes Anliegen sind Pucher auch die Roma aus dem slowakischen Hostice, die bettelnd nach Graz kommen. Nach Vorwürfen, er würde sie „importieren“, startete er das Projekt „VinziPasta“, eine Nudelmanufaktur in Hostice, mit dem die Frauen des Ortes zuhause Geld verdienen. Für Aufsehen sorgte auch sein Widerstand, als das Land Steiermark im Jahr 2011 ein Bettelverbot erließ. Pucher ließ sich selbst anzeigen und unterstützte andere Angezeigte, bis 2013 das Verbot vom Verfassungsgerichtshof gekippt wurde.

Wolfgang Pucher wurde am 31. März 1939 in Hausmannstätten bei Graz als Kind einer armen Handwerkerfamilie geboren. Nach der Matura 1958 trat er in die Grazer Lazaristen-Kongregation ein und wurde 1963 zum Priester geweiht. Nach einer Zeit als Kaplan und Erzieher war Pucher von 1969 bis 1973 am österreichischen St. Georgs-Kolleg in Istanbul tätig. Seit 1973 ist er Pfarrer in Graz-St. Vinzenz. 1990 entstand die Jugend-Vinzenzgemeinschaft Eggenberg, 1991 startete Pucher mit dem „Vinzibus“, der jeden Abend Lebensmittelspenden an Bedürftige verteilt. 1993 folgte in Graz-St. Leonhard das „VinziDorf“, wo obdachlose Menschen eine Heimstatt in Baucontainern fanden. Ähnliche Initiativen in Grazer Bezirken und anderen österreichischen Städten folgten.

Nachdem er 2012 im Essl-Museum Klosterneuburg mit dem „Essl Social Prize“ für sein Lebenswerk ausgezeichnet wurde, verwendete er das Preisgeld von einer Million Euro für eine innovative Form der Wohnbetreuung Obdachloser in der Stadt Salzburg. 2013 feierte er sein 50-jähriges Priesterjubiläum und sein 40-jähriges Pfarrjubiläum. 2015 erhielt er das Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich.

Zu seinem 80er lege er keinen Wert auf jegliche Formen von „Heiligsprechung“, sagte er der Kathpress. Er sei ein Mensch mit vielen Schwächen. Sein und das Anliegen der Vinzenzgemeinschaft sei es, „Menschen in ihrer Not aufzuspüren und sie dort abzuholen, wo sie gerade in ihrem Leben stehen und Hilfe benötigen“.

Zum Festgottesdienst am Sonntag um 9.30 Uhr in der Pfarrkirche St. Vinzenz werden Bürgermeister Siegfried Nagl und Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer (beide ÖVP) erwartet. Geladen sind auch Puchers ehemalige Studienkollegen, der frühere Grazer Diözesanbischof Egon Kapellari sowie der ehemalige steirische Superintendent Hermann Miklas und rund 600 weitere Gäste. Anlässlich seines 70. Geburtstags erschien das biografische Buch „Rebell der Nächstenliebe“ von Cornelia Krebs.

(Bilder von Wolfgang Pucher sind im AOM abrufbar.)




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