Letztes Update am Do, 28.03.2019 10:33

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Flüchtlinge - Ärzte ohne Grenzen kritisiert Aus für Operation Sophia



Wien/Brüssel (APA) - Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen hat die Entscheidung der EU, keine Schiffe mehr im Rahmen der Operation Sophia im Mittelmeer einzusetzen, als „unverantwortlich und rücksichtslos“ kritisiert. Die Europäische Union halte es offenbar für akzeptabel, „Menschen als Abschreckungsmaßnahme auf See sterben zu lassen“, so die NGO am Donnerstag in einer Aussendung.

Für die verzweifelten Menschen, die versuchen würden, aus Libyen zu fliehen, seien die Optionen zunehmend darauf beschränkt, „in Internierungszentren festgehalten zu werden oder auf See zu sterben“, erklärte Hassiba Hadj-Sahraoui, die als humanitäre Beraterin für Libyen und Seenotrettung für Ärzte ohne Grenzen tätig ist. Zugleich unterstütze Europa die libysche Küstenwache „trotz ihrer eindeutig mangelhaften Reaktion auf Notrufe und in dem Wissen, dass Personen, die die libysche Küstenwache abfängt, in schrecklichen und unmenschlichen Internierungslagern landen werden“. Ärzte ohne Grenzen fordert von der EU stattdessen, angemessene Such- und Rettungskapazitäten bereitzustellen und ein Ausschiffungssystem zu vereinbaren, das die Rettung von Menschenleben in den Mittelpunkt stellt und den Menschen die Möglichkeit gibt, Asyl zu beantragen.

Die EU-Kommission hatte am Mittwoch bekanntgegeben, dass die Rettung von Flüchtlingen auf See vorerst eingestellt werde. Lediglich aus der Luft soll das Seegebiet zwischen Italien und Libyen weiter überwacht werden. Zudem soll die EU-Unterstützung für die libysche Küstenwache fortgesetzt werden. Hintergrund des Aus für Sophia ist die Forderung Italiens, gerettete Flüchtlinge auf die EU-Staaten zu verteilen. Darüber konnte auf EU-Ebene keine Einigung erzielt werden. Italien weigert sich seit Monaten, gerettete Flüchtlinge an Land gehen zu lassen.




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