Letztes Update am So, 31.03.2019 05:06

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Mit scharfer Klinge und Präzision: Ostereierkratzen im Südburgenland



Stinatz (APA) - Das Ostereierkratzen hat in der südburgenländischen Gemeinde Stinatz (Bezirk Güssing) Tradition. Obwohl es noch etwas dauert bis Ostern vor der Tür steht, läuft bei Erika Stipsits schon seit Jahresbeginn die Produktion für das Fest. Mit scharfer Klinge und Präzision kratzt die 58-Jährige Blumenmuster, Ornamente und auch Logos von Fußballvereinen auf Eier jeglicher Größe, erzählte sie der APA.

Seit gut 50 Jahren betreibt die Hausfrau die Handwerkskunst des Ostereierkratzens. Pro Saison werden „einige Hundert Eier“ gekratzt, berichtete sie. Gewünscht werden sowohl traditionelle Eier - also etwa einfärbige Hühnereier mit Blumenmuster - als auch neue Eier mit besonderer Farbzusammenstellung. „Seit zwei Jahren fertige ich auch Nandu-Eier an, die sind größer als Gänse- aber kleiner als Straußeneier. Das ist etwas Besonderes, weil das nicht jeder hat“, so Stipsits über diesen „Trend“.

Das Repertoire reicht vom Wachtel- bis zum Straußenei. „Wachteleier sind eine besondere Herausforderung, aber das gehört dazu. Bei den Hühnereiern wird mit Hilfsmitteln wie einem Kompressor gearbeitet, aber beim Wachtelei muss ich das Ei mit dem Mund ausblasen. Sonst geht es kaputt“, erzählte sie. Die Bruch-Bilanz fällt bei Wachteleiern aber dennoch relativ hoch aus. „Das muss ich schon zugeben. Ein Wachtelei kann ich auch nicht in die Hand legen und dann kratzen, sondern halte es nur mit zwei Fingern. Das kann man nur machen, wenn die Hand ganz ruhig ist.“

Helfende Hände hat Stipsits bei der Produktion keine. „Das mache ich alles selber. Vom Ausblasen über das Färben bis hin zum fertig gekratzten Ei, das man aufhängen kann, brauche ich bei einem Hühnerei etwa zwanzig Minuten, bei Wachteleiern dauert es weit länger.“

Beim Marketing hat die 58-Jährige allerdings Unterstützung durch ihren Sohn. Er kümmert sich um die Facebook-Seite und verwaltet quasi die dortigen Anfragen. „Er gibt dann meine Telefonnummer weiter und mittlerweile laufen Bestellungen ja auch über SMS oder WhatsApp. Da gehe ich schon mit der Zeit“, meint sie. Eingekauft werden kann auch persönlich in Stinatz. Dort kann man gustieren und sich seinen Schmuck für den Osterstrauch zusammenstellen oder - wenn man Lust dazu hat - selbst versuchen, ein Osterei auf traditionelle Art und Weise zu kratzen. Wer es allerdings nicht so schnell in die kleine südburgenländische Gemeinde schafft, bekommt seine Stinatzer Ostereier auch zugeschickt.




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