Letztes Update am So, 31.03.2019 11:18

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


„jedermann (stirbt)“ in Salzburg abseits des Domplatzes erfolgreich



Salzburg (APA) - Alleine auf die Idee zu kommen, den „Jedermann“ in Salzburg abseits des Domplatzes zu zeigen, ist mutig. Das Schauspielhaus Salzburg war es am Samstagabend und zwar mit Ferdinand Schmalz‘ ebenso mutiger Bearbeitung von Hugo von Hofmannsthals Mysterienspiel. Großer Jubel für „jedermann (stirbt)“ mit großer Ensembleleistung.

Die Zeichen standen schon einmal gut für das Vorhaben, den „Jedermann“ abseits der großen Kulisse am Salzburger Domplatz unter dem Dach des Schauspielhauses zu zeigen. In Wien kam das Stück, das Burgtheater-Direktorin Karin Bergmann bei Ferdinand Schmalz in Auftrag gab, vergangenes Jahr bei der Uraufführung am Burgtheater gut an. Mit „jedermann (stirbt)“ war Schmalz die Übersetzung ins Jetzt gelungen, nach der Regisseure des „Jedermanns“ bei den Salzburger Festspielen schon lange trachten. Der Text des steirischen Dramatikers entwickelt eine eigene Dynamik und bricht das strenge Sprachschema durch moderne Worte und Formulierungen auf, manchmal komisch, aber nie albern.

Ferdinand Schmalz hat aus dem „Jedermann“ einen Börsenhai gemacht, der selbst auf seiner Gartenparty noch Geschäfte mit den Gästen macht. Generell ist eine interessante Übersetzung der Charaktere in die heutige Zeit gelungen, wie zum Beispiel die „Guten Werke“ (Marcus Marotte), die jetzt „Charity“ heißen, kein Klischee auslassen und eine gelungene Klatsche für die Stiftungsarbeit sämtlicher Großkonzerne und Industriellengattinnen sind.

Während bei den Festspielen immer die Frage mitschwingt, wie die gewaltige Naturkulisse des Domplatzes möglichst imposant eingebunden werden kann, ist in Rudolf Freys Inszenierung alles auf einen Grünstreifen in der Mitte des Raumes reduziert, der wie ein mit Kunstrasen überzogener Laufsteg erscheint, um den herum das Publikum sitzt (Bühne: Vincent Mesnaritsch). Es ist „Jedermanns“ reduzierter Lustgarten, der ganz die Handlung bzw. den Catwalk in den Mittelpunkt stellt. Eine gute Entscheidung, denn der Regisseur setzt an diesem Abend voll auf die Wirkungskraft seiner Schauspieler.

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

Viel mehr als eine Bühne braucht Theo Helm als „Jedermann“ im Maßanzug auch nicht. Er spielt die Hauptrolle so abgebrüht und kalt, wie man sich die Größen der Wall Street nur vorstellen kann. Dieser „Jedermann“ führt den „Armen Nachbarn Gott“ (Bülent Özdilder) der Gastgesellschaft nicht zur Unterhaltung vor, sondern aus purer Verachtung für die Armut. Ihn kann nichts mehr beeindrucken und schon gleich gar nicht die eigene Ehefrau (Susanne Wende). Schmalz hat dem „Jedermann“ außer dem neuen Beruf nämlich auch noch eine spießige Ehefrau mit Perlenkette angedichtet. Auch den Überraschungsgast, die „Buhlschaft“, nimmt er sich wie selbstverständlich, bis die den Spieß umdreht, denn darin liegt die Pointe von „jedermann (stirbt)“.

Kristina Kahlert ist nicht nur eine verführerische „Buhlschaft“ im engen schwarzen Anzug, sondern auch gleichzeitig der Tod, mit dem „Jedermann“ auch bei Schmalz eine Verabredung hat. Schnell lässt sie sich auf die Gleichgültigkeit des Gastgebers ein und leistet am Ende doch noch beruhigende Sterbehilfe, als der Sünder langsam, aber sicher, in einem ausgehobenen Loch in der Mitte der Bühne versinkt.

So distanziert Rudolf Frey seine Charaktere auch anlegt, so nahe lässt er sie zum Schluss doch noch gehen, denn durch die völlige Konzentration auf die Spielkraft der Schauspieler hat man in den gut eineinhalb Stunden Spielzeit doch so etwas wie Sympathie entwickelt. Großer und wohlverdienter Applaus für alle Beteiligten und vor allem für das gesamte Ensemble des Schauspielhauses, das seine Qualitäten an diesem Abend mehr als ausgespielt hat.

(S E R V I C E - „jedermann (stirbt)“ von Ferdinand Schmalz. Regie: Rudolf Frey, Bühne: Vincent Mesnaritsch, Kostüme: Elke Gattinger, Mit: Theo Helm - jedermann, Susanne Wende - jedermanns frau, Kristina Kahlert - buhlschaft tod, Ute Hamm - jedermanns mutter, Antony Connor - dicker vetter, Simon Jaritz - dünner vetter, Bülent Özdil - armer nachbar gott, Marcus Marotte - mammon / gute werke. Schauspielhaus Salzburg, Weitere Termine: 3., 4., 5., 6. und 8.4., 19.30 Uhr, www.schauspielhaus-salzburg.at)

(B I L D A V I S O – Pressebilder stehen unter http://www.schauspielhaus-salzburg.at/presse zum Download bereit.)




Kommentieren