Letztes Update am So, 31.03.2019 12:33

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Publizist Robert Misik ortet „Herrschaft der Niedertracht“



Wien (APA) - Dass Robert Misik kein Freund der aktuellen Regierung ist, weiß man aus vielen Wortmeldungen und Artikeln des 53-jährigen Wiener Journalisten und Publizisten. So deutlich wie in seinem Buch „Herrschaft der Niedertracht“ (Untertitel: „Warum wir so nicht regiert werden wollen!“) ist er jedoch wohl noch nie geworden. Am Montag wird es im Rahmen einer Diskussion im Bruno Kreisky Forum vorgestellt.

1987 hatte Josef Haslinger mit seinem Essay „Politik der Gefühle“ ein neues Kapitel in der intellektuellen Auseinandersetzung mit den Zusammenhängen von Geschichte und Gegenwart in der österreichischen Innenpolitik aufgeschlagen. „Politik mit Gefühlen, aber mit miesen“, ortet nun Misik. „Die Rohheit ist in Amt und Würden, der Zynismus an der Macht. Dabei ist es eine Angstkultur, die benutzt und ausgebeutet wird. Angst vor dem Abstieg. Angst, dass der Boden unter den Füßen nicht mehr sicher ist. Diese Angst ist der Stoff, aus dem die Politik der Rohheit ihre täglichen Kampagnen schmiedet und ihre Gemeinheiten zusammenknetet.“

Es ist ein bewusst polemischer Stil, den Misik in seiner Streitschrift anschlägt, denn er habe genug von den Appellen der Zurückhaltung, während der Autoritarismus sich Schritt für Schritt weiteren Raum erobere. Misik ortet einen schleichenden Umbau des Staates. „Dieses Schleichende, Einschleichende wird dann begleitet von Diskursen der Normalisierung. Nicht die Herrschaft der Niedertracht wird dann kritisiert, sondern die Kritik an ihr. Es sei doch alles nicht so schlimm, man möge doch bitte nicht empört sein.“ Diesen Rat befolgt Misik definitiv nicht.

In sieben Kapiteln analysiert er eine Politik der Spaltung, der Entsolidarisierung und der Diffamierung. Er beschreibt eine Verschärfung des gesellschaftlichen Klimas und der Sprache sowie den Aufbau von Feindbildern als heute wie selbstverständlich eingesetzte politische Instrumente und stellt dies in einen historischen wie einen aktuellen internationalen Kontext. All dies zeige, dass bei einem „schleichenden Staatsstreich“ das Warten auf das Überschreiten einer Roten Linie die falsche Taktik sei: Der „neue Autoritarismus“ hake sein Programm Schritt für Schritt ab. „Er braucht nicht den Tag X wie die Putschisten aus früheren Zeiten.“ Also lautet Misiks Folgerung: „Die Demokratie verteidigt man am einfachsten, solange es sie noch gibt.“

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(S E R V I C E - Robert Misik: „Herrschaft der Niedertracht. Warum wir so nicht regiert werden wollen!“, Picus Verlag, 144 Seiten, 15 Euro, Buchpräsentation / Diskussion: 1.4., 19 Uhr, Bruno Kreisky Forum für internationalen Dialog, Wien 19, Armbrustergasse 15; www.misik.at)




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