Letztes Update am So, 31.03.2019 13:15

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Wahl in der Ukraine begann ruhig - Großes Sicherheitsaufgebot



Kiew (APA/dpa) - Unter großen Sicherheitsvorkehrungen ist die Präsidentenwahl in der nach Westen strebenden Ukraine angelaufen. Die Wahlleitung in Kiew sprach von einem weitgehend störungsfreien Start der Abstimmung in den rund 30.000 Wahllokalen. Zehntausende Einsatzkräfte im ganzen Land sorgten bei schönem Frühlingswetter für einen ruhigen Ablauf.

Die Wahlbeteiligung lag um 11.00 Uhr Ortszeit (10.00 Uhr MESZ) bei rund 16 Prozent, wie die Leitung mitteilte. Erste Angaben zu Nachwahlbefragungen werden unmittelbar nach Schließung der Wahllokale ab 19.00 Uhr MESZ erwartet.

Spannend wird sein, wie der politische Quereinsteiger, Schauspieler und Komiker Wolodymyr Selenskyj bei der Wahl in dem kriegsgebeutelten Land abschneiden wird. In Umfragen hat der 41-Jährige seit Wochen einen deutlichen Vorsprung auf Amtsinhaber Petro Poroschenko und Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko. Den 36 weiteren Bewerbern werden keine Chancen eingeräumt. Eine Stichwahl unter den zwei Stimmenstärksten soll am 21. April stattfinden, wenn keiner der Kandidaten die eindeutige Mehrheit für sich beanspruchen kann.

Rund 30 Millionen Ukrainer sind wahlberechtigt, unter den insgesamt 39 Kandidaten ihr Staatsoberhaupt zu bestimmen. Noch nie in der Geschichte des osteuropäischen Landes gab es so viele Kandidaten. Der überlange Stimmzettel von 80 Zentimetern bereitet vielen Wählern jedoch Probleme. Vor allem ältere Menschen kämpften mit dem Wahlzettel, bis er in der Urne landete, berichtete ein dpa-Reporter.

Poroschenko wurde unter großem Sicherheitsaufgebot von seiner Frau, seinen Kindern und einem Enkel begleitet. Bei der Stimmabgabe schwor er die Wähler noch einmal auf einen prowestlichen Kurs ein. „Diese Wahl ist eine absolute Grundvoraussetzung für unsere Bewegung vorwärts, zu unserer Mitgliedschaft in EU und NATO“, sagte er. Es sei für ihn eine Schicksalswahl. Poroschenko hatte bereits mehrfach die Idee eines Referendums für den Beitritt zu NATO und EU vorgebracht.

Auch Timoschenko betonte im Wahllokal, dass das nach IWF-Statistik ärmste Land Europas nach Westen streben sollte. „Wir müssen einen Schritt vorwärtsgehen, hin zu einer erfolgreichen, blühenden, europäischen Ukraine“, sagte sie.

Selenskyj zeigte sich bei der Stimmabgabe in Kiew gut gelaunt. Er sehe durch die hohe Kandidatendichte, dass die Demokratie in der Ex-Sowjetrepublik funktioniere, sagte er. „Wir sind ein demokratisches Land. Je mehr Kandidaten, umso besser. Das bedeutet mehr Demokratie.“ Selenskyj war mit seiner Frau Jelena ins Wahllokal gekommen, wo sich Dutzende Journalisten um den Kandidaten drängten.

Kritiker werfen dem Komiker politische Unerfahrenheit und Populismus vor. Er wurde mit einer Comedy-Serie populär, in der er den ukrainischen Präsidenten darstellt, der mit der korrupten Machtelite aufräumt. „Heute beginnt ein neues Leben - ohne Korruption, ohne Schmiergeld“, sagte Selenskyj. Präsident Poroschenko wurde im Wahlkampf vermehrt Korruption vorgeworfen.

Russland beobachte den Ausgang der Abstimmung sehr genau, kündigte der Kreml in Moskau bereits im Vorfeld an. Der ehemalige Bruderstaat wird in Kiew seit der Einverleibung der Schwarzmeerhalbinsel Krim durch Moskau und dem Krieg im Osten zwischen Regierungssoldaten und prorussischen Separatisten als Feind gesehen.

Die Ukraine weigerte sich bereits im Vorfeld, russischen Wahlbeobachtern die Einreise zu genehmigen. Das löste in Moskau große Empörung aus. Insgesamt werden mehr als 2.300 internationale Beobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) die Wahl überwachen.

(Alternative Schreibweise: Wladimir Selenski)

~ WEB http://www.nato.int/ ~ APA125 2019-03-31/13:13




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