Letztes Update am So, 31.03.2019 16:39

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Wahllokale nach kommunalen Urnengängen in der Türkei geschlossen



Istanbul (APA/dpa/Reuters/AFP) - Überschattet von gewalttätigen Zwischenfällen sind in der Türkei am Sonntag neue Bürgermeister, Gemeinderäte und andere Kommunalpolitiker gewählt worden. Die Wahllokale schlossen im Osten des Landes um 16.00 Uhr Ortszeit (15.00 Uhr MESZ) und in den anderen Landesteilen um 17.00 Uhr (16.00 Uhr MESZ).

In der zentralanatolischen Provinz Malatya wurden am Sonntag zwei Mitglieder der islamistischen Partei der Glückseligkeit (Saadet) erschossen, sagte ein Parteisprecher. Nach Medienberichten wurde ein Verdächtiger festgenommen.

In einem Wahllokal der Ortschaft Pütürge sei es am Vormittag zu einem Streit zwischen zwei Gruppen gekommen, bei dem zwei Menschen erschossen worden seien, teilte der Gouverneur von Malatya mit. Präsident Recep Tayyip Erdogan zeigte sich nach seiner Stimmabgabe erschüttert über den Vorfall und kündigte gründliche Ermittlungen an. Laut dem Präsidialamt rief Erdogan später den Saadet-Vorsitzenden Temel Karamollaoglu wegen der Tötungen in Malatya an.

Aus der östlichen, mehrheitlich kurdischen Provinz Diyarbakir wurden 14 Verletzte gemeldet, als ein Streit in Gewalt umschlug. Laut der Nachrichtenagentur DHA wurden zwei Menschen schwer verletzt, als die Anhänger zweier Kandidaten für einen Bezirksvorsteherposten in der Kleinstadt Kocaköy mit Gewehren, Stöcken und Messern aufeinander losgingen. In einer anderen Ortschaft der Provinz gab es demnach neun weitere Verletzte bei einem Streit.

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

In Istanbul wurde nach Polizeiangaben eine Person im Bezirk Kadikoy bei einer Schlägerei mit 15 Beteiligten niedergestochen, als Kandidaten in Streit gerieten. Im ganzen Land sind rund 553.000 Polizisten und Sicherheitsleute im Einsatz, um die Stimmabgaben zu sichern.

Erdogan hat die Kommunalwahlen zur Frage des Überlebens für sein Land hochstilisiert. Seine islamisch-konservative AK-Partei steuert in der Hauptstadt Ankara und möglicherweise auch in der Millionen-Metropole Istanbul auf eine Niederlage zu. Beide Städte werden seit mehr als 20 Jahren von islamisch-konservativen Bürgermeistern regiert. Eine Niederlage dort wäre ein Gesichtsverlust für Erdogan, der selbst einst Bürgermeister von Istanbul war.

Einige Wähler dürften auf die Wirtschaftskrise in der Türkei reagieren, die auf den Verfall der Landeswährung Lira vom vergangenen Jahr folgt. Erdogan macht dagegen Angriffe aus dem Westen für die wirtschaftlichen Turbulenzen verantwortlich. Bei einer Wahlkampfkundgebung vor wenigen Tagen sagte er, Ziel der zunehmenden Attacken sei es, der großen und starken Türkei Steine in den Weg zu legen.

Wichtig ist die Kommunalwahl auch für die pro-kurdische Oppositionspartei HDP, die in vielen Gemeinden des Südostens stärkste Partei ist. Allerdings wurden nach dem Putschversuch vom Juli 2016 gegen Erdogan zahlreiche Bürgermeister der HDP beziehungsweise ihres regionalen Ablegers DBP wegen angeblicher Verbindungen zur verbotenen Untergrundorganisation Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) abgesetzt. 95 von 106 HDP-Gemeinden wurden unter Zwangsverwaltung gestellt. Die HDP hofft nun, diese Gemeinden unter zurückzugewinnen.

Bei Wahlen in der Türkei kommt es immer wieder zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Anhängern verschiedener Kandidaten. Während dieses Mal der Wahlkampf relativ friedlich verlief, wurden vor den Parlaments- und Präsidentschaftswahlen im vergangenen Juni dutzende Angriffe gezählt. Bei einem Streit in der Stadt Suruc gab es damals vier Tote, und am Wahltag selbst wurde ein Lokalpolitiker erschossen.




Kommentieren