Letztes Update am So, 31.03.2019 20:12

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Proteste am Jahrestag des Militärputsches in Brasilien



Brasilia (APA/dpa) - Hunderte Menschen haben am Jahrestag des Militärputsches in Brasilien an die Opfer der Diktatur erinnert. Sie zogen am Sonntag durch die Hauptstadt Brasília und zeigten Transparente mit der Aufschrift „Nie wieder Diktatur“. Der rechtspopulistische Präsident Jair Bolsonaro hatte eine Kontroverse ausgelöst, weil er „angemessene Feierlichkeiten“ zum Jahrestag des Coups anordnete.

Später ruderte Bolsonaro etwas zurück. „Es geht nicht um eine Feier“, sagte der Ex-Militär. „Sondern darum, sich zu erinnern, zu überprüfen, zu sehen, was falsch und was richtig war. Und das dann für das Wohl Brasiliens in der Zukunft zu nutzen.“ Der frühere Fallschirmjäger hatte in der Vergangenheit immer wieder Sympathien für die Militärdiktatur geäußert.

Tatsächlich fanden am Sonntag zunächst keine großen Feierlichkeiten statt. Bereits am Freitag gab es im Präsidentenpalast Planalto eine kleine Militärzeremonie, bei der der umstrittene Tagesbefehl verlesen wurde. „Der 31. März 1964 fand während des Kalten Krieges statt. Die Streitkräfte erhörten den Ruf der großen Mehrheit des Volkes und nahmen sich der Stabilisierung der Lage an“, hieß es darin. Menschenrechtler kritisierten den Text, weil die Opfer der Diktatur darin nicht erwähnt werden.

Der Putsch gegen den damaligen Präsidenten Joao Goulart hatte 1964 eine 21 Jahre dauernde Diktatur eingeleitet. Laut der später eingesetzten Wahrheitskommission wurden während der Militärherrschaft 434 Menschen getötet oder verschleppt. „Folter, Morde und Unterdrückung zu feiern, wie Jair Bolsonaro es vorschlägt, ist ein Angriff auf die Demokratie und jene, die ihr Leben für sie gelassen haben“, schrieb die Vorsitzende der linken Arbeiterpartei, Gleisi Hoffmann, auf Twitter.




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