Letztes Update am Mo, 01.04.2019 06:03

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Wieder teuflisch gut: „Chilling Adventures of Sabrina“ bei Netflix



Wien (APA) - Um die Jahrtausendwende war sie gleichermaßen liebenswürdig wie harmlos, nun zieht die Teenager-Halbhexe Sabrina neue Saiten auf: In der Netflix-Produktion „Chilling Adventures of Sabrina“ ist die Figur aus den Archie Comics in einer äußerst düsteren Ausführung zu erleben. Ab Freitag geht die erste Staffel mit neun neuen Folgen ins Finale - und auch die sind wieder teuflisch gut.

Seit 2014 gibt es die Abenteuer von Sabrina wieder in Heftform zu erleben, wobei Autor Roberto Aguirre-Sacasa den Horroraspekt rund um Hexenzirkel, Teufelsanbetung und dämonische Vorkommnisse in den Vordergrund rückte. Folglich fiel auch seine Serienadaption für den US-Streaminggiganten ungleich dunkler aus, als es in der nachmittagstauglichen Serie „Sabrina - Total verhext!“ mit Melissa Joan Hart in der Titelrolle der Fall war. Wenn in der Neuauflage der „dunkle Lord“ auftritt, dann dampft der Schwefel und verdüstert sich das Umfeld.

Damit hat in erster Linie Sabrina selbst zu kämpfen. Sie wird von „Mad Men“-Nachwuchsstar Kiernan Shipka dargestellt und changiert zwischen herzensguter Freundin für ihre sterblichen Schulkollegen einerseits wie aufmüpfiger Kämpferin gegen aus ihrer Sicht veraltete Hexenrituale andererseits. Ihre Tanten Zelda (Miranda Otto) und Hilda (Lucy Davis) betreiben ein Bestattungsunternehmen, was den morbiden Charme der Serie zusätzlich unterstreicht. Und auch Kater Salem, treuer Begleiter der jungen Heldin, darf nicht fehlen, auch wenn er mörderischer ausfällt, als manchen vielleicht lieb ist.

Stand in den ersten zehn im Herbst online gestellten Episoden sowie dem Weihnachtsspecial noch die Hinwendung Sabrinas zur dunklen Seite und ihre davon beeinträchtigte Beziehung mit Harvey Kinkle (Ross Lynch) im Vordergrund, so scheint die Halbhexe und Tochter des ehemaligen Hohepriesters Edward Spellman nun ihr unstetes Wandeln zwischen der Baxter Highschool und der Akademie der Unsichtbaren Künste beendet zu haben. Denn wenn sie schon ihren Namen in das Buch des Teufels schreiben musste, so will die junge Frau auch für ein Umdenken im Zirkel sorgen. Revolution steht also an der Tagesordnung.

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Hier liegt auch der große Reiz dieser Hexendarstellung: So viele klassische Zutaten eingewoben werden, so sehr versucht das Kreativteam um Aguirre-Sacasa eine zeitgemäße Unterfütterung vorzunehmen. Warum könnte nicht auch eine Frau Hohepriesterin werden? Wieso sind, gerade im Hexenzirkel, allerlei patriarchale Züge zu erkennen? Und wieso sollte der Teufel so mir nichts, dir nichts über seine Anhänger bestimmen? Was für Sabrina strittige Fragen sind, die auch bei gruseligen Aufnahmeritualen nicht enden, bringt ihr nicht nur viel Kritik, sondern auch den ein oder anderen Fluch ein.

Gleichzeitig thematisieren die Serienmacher in der „normalen“ Welt Dinge wie Sexualität, Missbrauch in der Familie oder Fragen nach Gender und Identität. Es wird mit einer Selbstverständlichkeit an für viele Teenie-Serien schwierige Aspekte herangegangen, die man sich von so manch anderem Format wünschen würde. Und dennoch wird nicht auf den Reiz von Opferdarbringung, schaurigen Dämonen oder Spaziergängen durch den dunklen Wald vergessen, sondern geht eins ins andere über, ohne dass es aufgesetzt wirkt. Nicht zuletzt macht „Chilling Adventures of Sabrina“ aber dank der schauspielerischen Leistungen Spaß. Allen voran Shipka glänzt auf ganzer Linie und ist höllisch gut.

(S E R V I C E - https://www.netflix.com/at/title/80223989)




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