Letztes Update am Mo, 01.04.2019 13:21

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„Der Hase mit den Bernsteinaugen“ als Musical-Uraufführung in Linz



Linz (APA) - Familie, Heimat, Vertriebensein, Identität sind die großen Themen in der Musical-Uraufführung „Der Hase mit den Bernsteinaugen“ nach dem Roman von Edmund de Waal am Samstag im Linzer Schauspielhaus. „Der Kern der Geschichte, der Aufstieg und Fall einer Bankiersfamilie, ist hochdramatisch“, erklärte Regisseur Henry Mason heute in einer Pressekonferenz, warum sich der Stoff für ein Musical eigne.

Seit zweieinhalb Jahren arbeitet Mason mit dem deutschen Komponisten Thomas Zaufke an dem Musical, und vor etwa zwei Jahren bekam man die Rechte - vorerst nur für Linz, „doch wir hoffen, dass es nach Linz weitergeht“, so Mason. Der britische Keramiker De Waal rollt in dem Bestseller seine Familienbiografie anhand einer Sammlung von Netsuke, das sind kleine japanische Schnitzereien aus dem 17. Jahrhundert, auf. Die Familie Ephrussi war einst eine der reichsten und mächtigsten jüdischen Familien in Europa.

Für das Musical wurde natürlich stark gekürzt. „Es war ein langer Prozess, immer wieder zu fragen worum geht‘s?“. Als Antwort fanden Mason und Zaufke: Es geht um Familie, um das Erinnern und nicht Vergessen. Das kommt in 2 Stunden und 50 Minuten auf die Bühne. Dass dies gelang, führt Mason auf „Kniffe“ zurück, bei denen etwa drei Generationen gemeinsam auf der Bühne stehen, obwohl Figuren schon längst gestorben sind. Zaufke nennt es „Theatermagie - die Leute akzeptieren das“. „Ich konnte 170 Jahre Musikgeschichte abarbeiten“, geriet er ins Schwärmen. Den Zusammenhalt schafft er mit musikalischen Motiven und vielen Reprisen. Jan Meier, von dem Bühne und Kostüme stammen, bringt „eine Modenschau von über 150 Jahren“ in den sehr einfach gehaltenen Bühnenraum, so Mason.

Um sich in dem Stammbaum der Familie nicht zu verheddern, werden die Figuren nacheinander eingeführt. Edmund de Waal fungiert dabei als Held auf seiner Reise und als Erzähler. Mason und Zaufke, die auch schon 2012 „Alice im Wunderland“ für das Theater der Jugend in Wien gemeinsam realisierten, lernten den Briten voriges Jahr kennen und wollen, „dass er sich nicht ärgert“, wenn er bei der Uraufführung im Publikum sitzt. Die Geschichte im Buch ende mit den Netsuke in De Waals Wohnzimmer, in Wirklichkeit geht die Reise weiter, erklärte Mason, denn ein Teil der Figuren ist nun im Jüdischen Museum in Wien als Dauerleihgabe, ein Teil wurde zugunsten von Flüchtlingen versteigert.

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Flucht und Vertreibung spielen auch in dem Stück eine große Rolle: die Auswirkungen des Antisemitismus auf eine Familie. Zwar waren es reiche Leute, doch die Plünderung des Palais Ephrussi in der Nacht des Anschlusses „war genauso entwürdigend wie jede andere Tat im Zuge der Judenverfolgung“, stellte Mason klar. Auch die Gegenwart findet kurz den Weg ins Stück, denn „die Mechanismen sind erschreckend dieselben“, sagte der Regisseur. In Zeiten der Unsicherheit seien Menschen anfällig für einfache Antworten. De Waal sehe es als seine Restitution, die Geschichte wiederzugeben, habe er den Musicalmachern erklärt.

Die Rollen wurden mit dem hauseigenen Musical-Ensemble, zwei „Aushilfen“ aus dem Schauspiel, Angela Waidmann und Jan Nikolaus Cerha, sowie zwei Gästen, Florian Stanek und Henry Masons Vater, Opernsänger William Mason, besetzt, außerdem spielen zehn Kinder mit. Sieben Wochen wurde geprobt, seit einem Workshop vor der Sommerpause „noch einiges geändert, ordentlich gestrichen“. Eine CD soll produziert werden und etwa zwei Wochen nach der Premiere erhältlich sein.

(S E R V I C E - „Der Hase mit den Bernsteinaugen“ von Henry Mason und Thomas Zaufke nach dem Roman von Edmund de Waal. Uraufführung im Schauspielhaus Linz am 6. April, 19.30 Uhr, Regie: Henry Mason, Musikalische Leitung: Christopher Mundy. Mit u.a. Christoph Messner (Edmund de Waal), Anais Lueken (Sue Chandler/Elisabeth von Ephrussi), William Mason (Alter Iggie von Ephrussi/Manet), Carsten Lepper (Charles Ephrussi). Weitere Aufführungen: http://www.landestheater-linz.at)




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