Letztes Update am Mo, 01.04.2019 13:25

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Preisdruck in der Eurozone sinkt



Luxemburg/Berlin (APA/Reuters) - Die Inflationsrate in der Eurozone fällt wieder weiter unter die Zielmarke der Europäischen Zentralbank von knapp zwei Prozent. Im März sank sie um einen Tick auf 1,4 Prozent, wie die europäische Statistikbehörde Eurostat am Montag auf Basis einer Schnellschätzung mitteilte.

Die Preise für unverarbeitete Lebensmittel wie Obst und Gemüse zogen zum Vorjahr nur noch um 1,2 Prozent an, nach 2,9 Prozent im Februar. Energie verteuerte sich hingegen im März weit stärker als im Vormonat: Hier lag der Zuwachs bei 5,3 Prozent (Februar: 3,6 Prozent). Doch eine Trendwende hin zu einem stärkeren Preisauftrieb, den sich die EZB als ideal für die Konjunktur wünscht, ist laut manchen Experten nicht in Sicht: „Erst wird die Inflationsrate wohl sogar noch sinken. An eine Leitzinswende der Europäischen Zentralbank Anfang 2020 ist weiter nicht zu denken“, prognostiziert Ökonom Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe.

Die EZB hat vor dem Hintergrund der Konjunktureintrübung die erste Zinserhöhung seit Anfang des Jahrzehnts bis mindestens ins nächste Jahr verschoben. Sie hält den geldpolitischen Schlüsselsatz bereits seit März 2016 bei 0,0 Prozent. Zudem will sie Banken mit neuen langfristigen Geldspritzen versorgen. In der EZB werden zurzeit daneben Optionen geprüft, wie die Lasten für Geldhäuser infolge der lockeren Geldpolitik verringert werden können. Banken müssen Strafzinsen zahlen, wenn sie über Nacht Geld bei der EZB parken. Laut einem Insider wird unter anderem ins Auge gefasst, diesen Einlagezins zu staffeln. Die Arbeiten dazu lägen aber noch bei den EZB-Ausschüssen.

„Die Konjunktur des gemeinsamen Währungsraumes zeigt erhebliche Schwäche und die EZB muss nun Schützenhilfe leisten. Steigende Inflationsraten kämen aktuell denkbar ungünstig“, meint der Chefökonom der Liechtensteiner VP Bank, Thomas Gitzel. Der niederländische Notenbankchef Klaas Knot erwartet jedoch, dass die Wirtschaft im zweiten Halbjahr wieder Tempo aufnimmt. „Die Nachfrage ist robust, und man sieht einen gewissen Anstieg der Löhne und der verfügbaren Einkommen. Wir sollten die aktuelle Situation nicht dramatisieren“, sagte der Währungshüter dem „Handelsblatt“.

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

Die deutsche EZB-Direktorin Sabine Lautenschläger verweist darauf, dass das Lohnwachstum in der Eurozone zuletzt bei über zwei Prozent lag, in Deutschland sogar noch etwas höher: „Das wird dazu führen, dass die Preise steigen werden. Es geht allerdings langsamer, als wir uns das gedacht haben“, sagte sie der österreichischen Zeitung „Der Standard“.




Kommentieren