Letztes Update am Mo, 01.04.2019 13:39

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tenno auf der Suche nach der Vereinbarkeit von Familie und Berufung



Tokio (APA/AFP) - Die „Raiwa“-Ära, ein Zeitalter der „Harmonie“, soll kommenden Monat mit der Thronbesteigung von Japans neuem Kaiser Naruhito anbrechen. Dem 59-jährigen Tenno wird es in seiner Amtszeit dabei auch darum gehen, die strikten Regeln der uralten japanischen Monarchie mit der Lebenswirklichkeit seines Volks und den Bedürfnissen seiner psychisch angeschlagenen Frau Masako in Einklang zu bringen.

Denn die Harvard-Absolventin, die für ihre Ehe auf eine Diplomatenkarriere verzichtete, leidet seit Jahren unter dem Druck, den der Hof auf sie ausübt. In der Vergangenheit hat Naruhito in ungewöhnlich deutlicher Form die unfaire Behandlung seiner Frau angeprangert. Vor japanischen und ausländischen Journalisten sagte der Kronprinz 2004, der Palast ersticke die Persönlichkeit seiner Frau. „Mir erscheint Masako erschöpft durch ihre Bemühungen in den vergangenen zehn Jahren, sich dem Leben als Mitglied des Königshauses anzupassen“, klagte Naruhito.

Später entschuldigte er sich für seine Äußerungen, forderte aber, dass die „royalen Pflichten“ der modernen Zeit angepasst werden müssten. Aus dem Königspalast, in dem Naruhitos öffentliche Kritik für Aufregung gesorgt hatte, wurde noch im selben Jahr mitgeteilt, dass Masako praktisch seit Beginn ihrer Ehe wegen einer durch Stress verursachten „Anpassungsstörung“ in Behandlung sei.

Naruhito heiratete die drei Jahre jüngere Masako 1993. Sie stammt aus einer Diplomatenfamilie und hat an den Elite-Unis Harvard und Oxford studiert. Dass sie eine vielversprechende Diplomatenkarriere mit Reisen durch die ganze Welt aufgab, begründete sie mit ihrem Willen, „mich auf diesem neuen Weg nützlich zu machen“. Naruhito versprach im Gegenzug, sie „um jeden Preis zu schützen“.

Doch das gelang ihm aufgrund der starren Strukturen in der ältesten Monarchie der Welt nicht immer. Masako litt unter dem abgeschotteten und durchgetakteten Leben als Prinzessin.

Weil in Japan nur Männer den Thron besteigen dürfen, war zudem der Druck auf sie enorm, einen Thronfolger zu gebären. 2001 brachte Masako eine Tochter zur Welt, und Aiko blieb das einzige Kind des Paares. Der Druck ließ erst etwas nach, als Masakos Schwägerin 2006 einen Buben, Prinz Hisahito, bekam.

Dass der künftige Kaiser Naruhito sich dem Zwang des Palasts nicht genauso unterordnen wird wie seine Vorgänger, zeichnete sich schon in seiner Kindheit ab. Er ist der erste Kaiser, der im Kreise seiner Familie aufwuchs und nicht von Gouvernanten und Hauslehrern erzogen wurde.

Nach einem Geschichtsstudium in der Heimat hat Naruhito während eines zweijährigen Studiums in Oxford in den 1980er-Jahren außerdem den Duft der Freiheit gerochen. Er stürzte sich ins Studentenleben und kam dabei auch mit der britischen Königsfamilie in Kontakt. In seinem Studentenzimmer soll ein Poster des damaligen Sex-Symbols Brooke Shields gehangen haben. Von dieser Zeit relativer Freiheit fern der Heimat spricht Naruhito noch heute mit Begeisterung.

Nach der Abdankung seines Vaters will Naruhito nun aber „immer an der Seite des Volkes sein“ und mit ihm „Freude und Leid teilen“, wie er im Februar erklärte. Der Historiker Hideya Kawahishi rechnet damit, dass Naruhito und Masako wie das bisherige Kaiserpaar die Rolle der Chef-Tröster in Japan übernehmen, die nach Naturkatastrophen und anderen Unglücken die Betroffenen besuchen und ihnen die Hand halten.

Wie sein populärer Vater Akihito ermahnt Naruhito das Volk außerdem immer wieder zu einem demütigen Umgang mit Japans Rolle im Zweiten Weltkrieg. Naruhito werde aber „keine Kopie seines Vaters“ sein, sagt Kenneth Ruoff, Leiter des Zentrums für Japan-Studien der US-Universität Portland. Schließlich habe der künftige Kaiser „immer wieder betont, dass das Kaiserhaus stets gesellschaftlichen Wandel“ folgen sollte.




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