Letztes Update am Mo, 01.04.2019 15:18

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


17-Jähriger kaperte Linienbusse: Nach „Spritztouren“ verurteilt



Wien (APA) - Innerhalb von drei Tagen hat sich ein 17-Jähriger vor knapp zwei Monaten in Wien gewaltsam Zutritt zu auf einem Firmen-Parkplatz abgestellten, außer Betrieb befindlichen Linienbussen verschafft. Er zwängte einfach die Vordertüren auf. Da sich die Fahrzeugschlüssel neben dem Lenkrad befanden, unternahm der Bursch mit den Bussen ausgedehnte „Spritztouren“. Am Montag folgte das gerichtliche Nachspiel.

„Es hat Spaß gemacht“, erzählte der 17-Jährige am Landesgericht für Strafsachen. Richter Andreas Hautz fand das Ganze weniger lustig: „Das ist fern von dem, was ein Jugendstreich ist. Das ist ein ganz gemeingefährliches Verhalten.“ Er verhängte über den vorbestraften Angeklagten - dieser hatte im vergangenen Dezember wegen einer gegen seine Ex-Freundin gerichteten gefährlichen Drohung bereits eine Bewährungsstrafe ausgefasst - sieben Monate Haft, davon zwei Monate unbedingt. Neben der unbefugten Inbetriebnahme von Fahrzeugen wurde der Jugendliche für eine erneute gefährliche Drohung bestraft, die sich dieses Mal gegen seine Mutter bzw. den Stiefvater gerichtet hatte. Das Urteil ist rechtskräftig.

Den ersten Bus kaperte der Bursch am 2. Februar, nachdem er den Autobus verpasst hatte, der ihn Richtung Innenstadt bringen hätte sollen. „Ich wollte nicht warten“, erklärte er dem Richter. Er begab sich daher kurzerhand zum nahe gelegenen Privatgelände eines Unternehmens, das für die Wiener Linien Routen betreibt, drückte die Vordertür eines geparkten Busses auf, setzte sich ans Steuer und startete das Gefährt. „Wie haben Sie gewusst, wie man so einen Bus fährt?“, wunderte sich der Richter, zumal der Angeklagte erst wenige Tage zuvor seinen 17. Geburtstag gefeiert und dementsprechend keinen Führerschein hatte. Der Angeklagte blieb die Antwort schuldig.

Mit dem entwendeten Bus vergnügte sich der Jugendliche mehrere Stunden. Er rief Freunde und Bekannte an, ließ diese zu- und wieder aussteigen. Nervös wurde er erst, als ihn ein Mädchen auf eine Polizeikontrolle aufmerksam machte und in eine enge Seitenstraße dirigierte. „Es war dunkel, ich hab‘ einen Mistkübel übersehen“, berichtete der Angeklagte. Mit der Kollision war die Ausfahrt beendet, der Bursch ließ den Bus einfach stehen und machte sich davon.

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Am nächsten Tag wollte er wieder Busfahren: „Es hat Spaß gemacht mit dem ersten.“ Wieder ging er zum Firmengelände des Busunternehmens, suchte sich ein freies Fahrzeug aus und brauste los: „Es war ein Erlebnis halt. Ich hab‘ nicht nachgedacht, was das für Konsequenzen haben kann.“ Wiederum endete die „Spritztour“ abrupt, indem er gegen ein Hindernis stieß.

Auf der dritten Ausfahrt, die den 17-Jährigen nach Klosterneuburg führte, erwischte ihn die Polizei. Drei Streifenwagen verfolgten am 4. Februar den Übeltäter und brachten diesen nach dem Bahnhof Klosterneuburg-Kierling zum Stoppen.

Dem betroffenen Unternehmen entstand bei den zwei Kollisionen ein Sachschaden von insgesamt 4.500 Euro. Die Firma schloss sich dem Strafverfahren allerdings nicht als Privatbeteiligte an, so dass den 17-Jährigen - er befindet sich auf Lehrstellensuche - vorerst keine Schadenersatzforderungen ereilten.




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