Letztes Update am Mo, 01.04.2019 20:18

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Bolsonaro besuchte mit Netanyahu Klagemauer im Ostteil Jerusalems



Jerusalem (APA/AFP/Reuters) - Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro hat gemeinsam mit dem israelischen Regierungschef Benjamin Netanyahu die Klagemauer in Ost-Jerusalem besucht. Es sei das erste Mal, dass ein amtierender Staatschef mit einem israelischen Ministerpräsidenten dort war, betonte ein Sprecher des israelischen Außenministeriums am Montag.

Bolsonaro und Netanyahu näherten sich der Mauer im besetzten Ostteil der auch von den Palästinensern als Hauptstadt beanspruchten Stadt und legten ihre Hände kurz auf die Steine. Die Klagemauer ist eine der heiligsten Stätten des Judentums und liegt im Osten Jerusalems, der 1967 von Israel im Sechs-Tage-Krieg besetzt und später annektiert wurde.

Die internationale Gemeinschaft erkannte diesen Schritt nie an; der Ostteil Jerusalems wird von den Palästinensern als Hauptstadt eines künftigen Staates beansprucht. Im März hatte bereits US-Außenminister Mike Pompeo die Klagemauer gemeinsam mit Netanyahu besucht.

Der rechtsradikale Bolsonaro hat Israel seine Unterstützung zugesagt und versprochen, dem Vorbild von US-Präsident Donald Trump zu folgen und Brasiliens Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem zu verlegen. Am Donnerstag machte Bolsonaro diesbezüglich einen Rückzieher und erwähnte stattdessen die Möglichkeit der Eröffnung einer Handelsvertretung. Am Sonntag meldete die Nachrichtenagentur Reuters, das Außenministerium des südamerikanischen Landes habe mitgeteilt, ein „diplomatisches Büro“ in Jerusalem zu eröffnen. Das Büro diene als Teil der brasilianischen Botschaft in Israel, die sich in Tel Aviv befindet, hieß es.

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Mit seiner Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels hatte Trump international für Empörung gesorgt. Der frühere Immobilienmogul war im Mai 2017 auch der erste amtierende US-Präsident, der die Klagemauer besuchte. Er wurde dabei aber nicht von Netanyahu begleitet.

In Israel finden am 9. April Parlamentswahlen statt. Hauptkonkurrent von Netanyahus rechter Likud-Partei ist dabei das in der Mitte angesiedelte Parteienbündnis Blau-Weiß unter dem ehemaligen Generalstabschef Benny Gantz.

Der Besuch des rechtsextremen Bolsonaro in Israel gilt auch als Wahlkampfhilfe für den durch Korruptionsvorwürfe in der Kritik stehenden rechten Ministerpräsidenten Netanyahu. Zwischen den beiden Politikern gibt es enge Verbindungen. So war Netanyahu bei der Amtseinführung Bolsonaros anwesend, beide hatten mehrfach ihre inhaltlichen Übereinstimmungen betont.

Bolsonaro ist noch bis Mittwoch in Israel. Mit palästinensischen Vertretern trifft er sich nicht.




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