Letztes Update am Di, 02.04.2019 11:43

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ausstellungen würdigen Maler und Theatermann Einar Schleef



Halle/Sangerhausen/Wien (APA/dpa) - Als Regisseur, Bühnenbildner und Autor sorgte der 2001 verstorbene Einar Schleef zeitlebens für Aufsehen, nicht zuletzt in Österreich in der Ära Peymann am Burgtheater. Doch gemalt hat Schleef auch: Rund 7.100 Zeichnungen und Gemälde umfasst sein bildkünstlerisches Werk, das im deutschen Kunstmuseum Moritzburg in Halle aufbewahrt wird.

„Nun endlich, nach 15 Jahren, ist es soweit, dass wir die komplette wissenschaftliche Aufarbeitung des bildkünstlerischen Nachlasses von Einar Schleef abschließen können“, sagte Museumsdirektor Thomas Bauer-Friedrich. Im Jahr des 75. Geburtstags des früh verstorbenen Künstlers soll dieser Bilderbestand ab Juni über das Onlineportal www.museum-digital.de erstmals einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden. Bisher sei nur ein Teil seiner Bilder öffentlich gezeigt worden. Dazu gehörte 2008 eine Ausstellung mit 250 Zeichnungen und 90 Gemälden in einem ehemaligen Kaufhaus in Halle.

Parallel zu der Veröffentlichung des Gesamtbestandes via Internet zeigt die Moritzburg ab 30. Mai eine Ausstellung mit rund 120 Werken Schleefs (bis 11. August). Unter dem Motto „Ohne Titel [EINAR SCHLEEF]“ wolle das Museum einen neuen Blick auf den Künstler ermöglichen, sagte Bauer-Friedrich. Die Schau zeige den Künstler auch als Illustrator von Büchern aus den 1960er- und 1970er-Jahren.

Schleef wurde am 17. Jänner 1944 in Sangerhausen (Sachsen-Anhalt) geboren. Im örtlichen Spengler-Museum widmet sich eine multimediale Dauerschau dem Leben und Werk des Künstlers. Ein Arbeitskreis von heute 35 Ehrenamtlichen engagiert sich in der Stadt seit Jahren dafür, dass der Ausnahmekünstler nicht in Vergessenheit gerät. „Das Thema Heimat, sich zu Hause zu fühlen, verarbeitete Schleef in seinen literarischem Werk und in seinen Bildern ganz intensiv“, sagte Kay Krause, Sprecher des Schleef-Arbeitskreises in Sangerhausen.

In seinem zweibändigen Roman „Gertrud“ befasste sich Schleef als Autor intensiv mit dem Leben seiner Mutter in der früheren Kupferbergbauregion Sangerhausen im Südharz. Sein Verhältnis zu seiner Heimat galt bis zu seinem frühen Tod als zwiespältig, sagte Krause. 1976 ging Schleef in den Westen. Er inszenierte unter anderem an der Burg in Wien, aber auch am Berliner Ensemble und am Schauspiel Frankfurt/Main sowie in Düsseldorf.

Als Maler habe er sehr seriell gearbeitet. „Er hat manche Motive fast schon manisch „durchkomponiert“, in bis zu 20 Blättern an einem Tag“, sagte Museumsdirektor Bauer-Friedrich. Schleef habe die Dinge, die ihn sehr beschäftigten, in seinen Werken festgehalten. Nach Schleefs Tod hatte die Moritzburg 2004 seinen bildkünstlerischen Nachlass als Dauerleihgabe bekommen.

Die Akademie der Künste in Berlin erhielt den Angaben zufolge sein Vermächtnis aus Literatur, Theater, Fotografie und Film. In Sangerhausen können Interessenten Schleefs Lebensstationen in der Kleinstadt zu Fuß erkunden. Die Tour endet auf dem Friedhof, auf dem Schleef begraben wurde. Er war am 21. Juli 2001 in Berlin an einem Herzleiden gestorben.

(B I L D A V I S O - Fotos von Einar Schleef wurden am 1. August 2001 über den AOM verbreitet und sind dort abrufbar.)




Kommentieren