Letztes Update am Di, 02.04.2019 12:05

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Routinierter Revolutionär: Der neue Musikvereinschef Stephan Pauly



Wien (APA) - „Wir wollen die Erneuerung!“ Kurz nach seinem Antritt als Leiter der Stiftung Mozarteum in Salzburg hatte Stephan Pauly klargemacht, wohin die Reise geht. Sein anfangs kritisch beäugter Vorstoß, die Mozartwoche um Zeitgenössisches zu ergänzen, sollte aber alsbald zum Erfolg werden. Nach Jahren an der Alten Oper Frankfurt folgt nun mit dem Wiener Musikverein der Aufstieg in die Königsklasse.

So wird der am 27. Februar 1972 in Köln geborene Pauly Nachfolger von Langzeitintendant Thomas Angyan, dessen Vertrag am 30. Juni 2020 ausläuft. Der altehrwürdigen Klassikinstitution dürften damit ab kommendem Jahr durchaus einige Veränderungen ins Haus stehen, wenn man auf die bisherige Karriere des Musikmanagers blickt.

Bereits vor Zeiten an der Spitze der Mozartwoche stand für Pauly in Salzburg die Neuerungen im Fokus. So etablierte der Deutsche bereits kurz vor dem ebenfalls von ihm verantworteten Mozartjahr 2006 mit den „Dialogen“ ein explizit der zeitgenössischen Musik gewidmetes Festival, das fortan zum fixen Bestandteil des Salzburger Kulturlebens wurde.

„Salzburg hat mir die Ohren geöffnet, ich habe hier viel gelernt, bin sensibler geworden und verstehe jetzt mehr von Musik“, sagte Pauly auch im Jahr 2012 bei der Bilanzpressekonferenz seiner Mozartwochen-Intendanz, bevor er nach Frankfurt wechselte, um seinen Innovationsgeist an der dortigen Alten Oper auszuprobieren.

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In der Bankenmetropole sorgte Pauly für das eine oder andere gewagte Kulturspektakel und geriet mit ungewöhnlichen Konzertformen in die Schlagzeilen: So stammte von ihm etwa die Idee zum Projekt „One Day in Life“, das von Stararchitekt Daniel Libeskind umgesetzt wurde. 24 Stunden lang erklang an 18 Orten der Stadt - vom Wolkenkratzer über den OP-Saal und ein Schwimmbad bis zum Bunker - Musik. Die von rund 200 Musikern aufgeführten Werke stammten aus allen Epochen und Stilrichtungen. Zu weiteren Projekten zählten etwa das mehrwöchige „Musikfest“, das ein einzelnes Musikwerk ins Zentrum stellt, oder die „Fokus“-Festivals, die mehrtägige Begegnungen mit Künstlerpersönlichkeiten, Komponisten, musikalischen Themen oder Epochen ermöglichen.

Auch der Brückenschlag zu anderen Disziplinen wie Tanz, Schauspiel oder bildender Kunst gehörten zur Pauly‘schen Agenda. So realisiert man etwa zuletzt von 20. bis 24. März ein gemeinsames Projekt mit der Performancekünstlerin Marina Abramovic. Neue Musik brauche neue Vermittlungsformen, wurde Pauly nicht müde zu betonen: Dafür müsse man zeitgenössische Kompositionen „mit einer einladenden, entspannten Geste“ darbieten.

Der in Köln geborene Pauly hat Philosophie, Theologie sowie Theater- und Opernregie in München und Rom studiert. Nach dem Studium war er zunächst publizistisch unter anderem beim Bayerischen Rundfunk tätig und fungierte als Assistent des Regisseurs August Everding. In dieser Funktion war er als Gast am Prinzregententheater München, an der Wiener Staatsoper und an der Mailänder Scala engagiert. Den Bereich des Managements lernte er bei der Unternehmensberatung McKinsey kennen, wo er für Klienten aus unterschiedlichsten Branchen der Wirtschaft sowie für ein Orchester tätig war. Nach Salzburg kam er dann 2002 zunächst als künstlerischer Leiter der Internationalen Stiftung Mozarteum, bevor er 2004 auch kaufmännischer Geschäftsführer wurde. Der Beginn eines Weges, der nun in den Musikverein führt.




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